Das Wichtigste in Kürze

Der Guide Michelin schafft den Grünen Stern ab – die Auszeichnung, die seit 2020 nachhaltige Gastronomie sichtbar machen sollte. Nach einem Dementi im Herbst 2024 ist die Abschaffung jetzt offiziell bestätigt. Als Ersatz soll ein neues Storytelling-Format treten, dessen Details noch offen sind.

Erst verschwanden die Grünen Sterne still von der Michelin-Website. Dann folgte das Dementi. Jetzt ist es raus: Die Auszeichnung wird abgeschafft. Was 2020 als Signal für eine neue Ära der verantwortungsvollen Gastronomie startete, endet nach rund fünf Jahren – ohne lautes Abschiedszeremoniell.

Was war der Green Star überhaupt?

Michelin führte den Grünen Stern 2020 ein, um Restaurants auszuzeichnen, die laut Guide „außergewöhnliches Umweltbewusstsein“ zeigen und verantwortungsvoll einkaufen. Die Idee: Nachhaltigkeit sollte neben den klassischen Sternen als eigenständige Qualitätsdimension sichtbar werden. Für viele Köche und Betriebe war die Auszeichnung eine echte Positionierungshilfe – ein Signal nach außen, dass hinter den Kulissen mehr passiert als Mise en Place.

In der Spitze trugen Restaurants aus Dutzenden Ländern den Grünen Stern. In Deutschland gehörten Häuser wie das Ox & Klee in Köln oder das Nobelhart & Schmutzig in Berlin zu den frühen Trägern.

Wie lief das Dementi ab?

Im Herbst 2024 fiel auf: Michelin hatte die Grünen Sterne auf seiner Website lautlos entfernt. Branchenmedien berichteten, die Community spekulierte. Michelin reagierte mit einer klaren Aussage – die Auszeichnung bestehe fort, werde nur „neu präsentiert“.

Erste Hinweise auf eine veränderte Kommunikation gab es schon früher: Bei der Veröffentlichung des Guide Michelin für die Niederlande und kurz darauf für die Schweiz war die Begleitung des Grünen Sterns spürbar zurückgefahren worden. Weniger Pressearbeit, weniger Inszenierung.

Chronologie: Der Grüne Stern und sein Ende
  • 2020: Michelin führt den Green Star ein – zunächst in Frankreich, dann international.
  • 2024, Herbst: Grüne Sterne verschwinden von der Michelin-Website. Dementi folgt.
  • Frühjahr 2025: Guide-Ausgaben für Niederlande und Schweiz erscheinen mit reduzierter Green-Star-Kommunikation.
  • 2025 (aktuell): Michelin bestätigt die Abschaffung offiziell. Nachfolgeformat angekündigt, Details offen.

Was kommt danach?

Michelin kündigt ein neues „Storytelling-Format“ an. Mehr ist bisher nicht bekannt. Kein Name, kein klares Konzept, kein Starttermin. Das lässt Raum für Interpretationen – und für berechtigte Skepsis.

Kritiker hatten dem Green Star schon länger vorgeworfen, dass die Vergabekriterien zu weich seien. Kein unabhängiges Audit, keine messbaren CO₂-Ziele, keine Transparenzpflicht für die ausgezeichneten Restaurants. Glaubwürdigkeit lässt sich eben nicht durch eine Sternform allein herstellen. Wer ein Nachfolgeformat ernstnehmen will, muss diese Lücke schließen.

Ein Storytelling-Format klingt nach mehr Flexibilität – kann aber auch für weniger Verbindlichkeit stehen. Für die Branche wäre ein klares Kriteriensystem mit externer Prüfung das stärkere Signal gewesen.

Was bedeutet das für Restaurants?

Für Betriebe, die den Grünen Stern aktiv in ihrer Kommunikation eingesetzt haben, entsteht kurzfristig eine Lücke. Das Siegel war im Marketing präsent – auf Websites, Speisekarten, in Pressemitteilungen. Was folgt, hängt davon ab, was Michelin als Ersatz liefert.

  • Restaurants mit echten Nachhaltigkeitskonzepten können das unabhängig von Michelin kommunizieren – über Zertifizierungen wie Bioland, Demeter oder das EU-Bio-Siegel.
  • Wer bisher hauptsächlich den Green Star als Beleg genutzt hat, sollte die eigene Nachhaltigkeitskommunikation jetzt auf eine breitere Basis stellen.
  • Für Gäste ändert sich im Alltag zunächst wenig – die meisten werden den Grünen Stern ohnehin nicht aktiv gesucht haben.

Größeres Bild: Nachhaltigkeit im Gastro-Ranking

Michelin ist nicht der einzige Player, der Nachhaltigkeit in die Restaurantbewertung integriert hat. Die World's 50 Best Restaurants vergeben seit 2021 den „Flor de Caña Sustainable Restaurant Award“. Der Nordic Swan und das dänische Svanemærket bieten in Skandinavien unabhängige Zertifizierungen. Der Unterschied: Diese Formate trennen Nachhaltigkeitsbewertung und Kulinarik-Ranking klarer voneinander.

Genau das war beim Green Star strukturell schwierig. Er war kein eigenständiges System, sondern ein Zusatzsymbol im Michelin-Universum – mit der Autorität der Marke im Rücken, aber ohne deren Prüftiefe. Dass das auf Dauer nicht trägt, war absehbar.

Alternativen zum Green Star: Diese Nachhaltigkeitslabels gelten in der Gastronomie
  • Bioland / Demeter: Strenge Anbaurichtlinien, regelmäßige Kontrollen – auch für Gastronomiebetriebe nutzbar
  • EU-Bio-Siegel: Standardisiert, EU-weit anerkannt, Pflichtangabe auf Bio-Produkten
  • Slow Food: Qualität, Herkunft, Handwerk – mit lokalem Netzwerk
  • Grüner Tisch (Deutschland): Nachhaltigkeitszertifizierung speziell für Gemeinschaftsverpflegung und Gastronomie
  • World's 50 Best Sustainable Restaurant Award: Internationale Sichtbarkeit, jährlich vergeben

HÄUFIGE FRAGEN

Wann wurde der Grüne Stern des Guide Michelin abgeschafft?

Die offizielle Bestätigung der Abschaffung kam 2025. Zuvor hatte Michelin im Herbst 2024 noch dementiert, dass die Auszeichnung wegfällt – obwohl die Grünen Sterne bereits von der Website verschwunden waren.

Was ersetzt den Green Star beim Guide Michelin?

Michelin kündigt ein neues Storytelling-Format an. Konkrete Details zu Name, Kriterien oder Starttermin sind bisher nicht bekannt.

Welche Restaurants trugen den Grünen Stern in Deutschland?

Zu den frühen deutschen Trägern gehörten das Ox & Klee in Köln und das Nobelhart & Schmutzig in Berlin. Insgesamt zeichnete Michelin Restaurants in Dutzenden Ländern mit dem Green Star aus.

Welche Nachhaltigkeitszertifizierungen gibt es für Restaurants als Alternative?

Zu den anerkannten Alternativen zählen Bioland, Demeter, das EU-Bio-Siegel, Slow Food und in Skandinavien der Nordic Swan. International vergibt World's 50 Best ebenfalls einen Sustainable Restaurant Award.

Warum wurde der Green Star abgeschafft?

Michelin hat keine offizielle Begründung genannt. Kritiker hatten dem Format von Anfang an vorgeworfen, dass die Vergabekriterien zu wenig messbar und nicht unabhängig geprüft wurden.
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