Myrtle Beach steht exemplarisch für eine K-förmige Erholung im US-Hotelmarkt: Branded Upper-Midscale-Hotels und darüber haben ihre Vor-Corona-Kennzahlen übertroffen, während der Gesamtmarkt mit 990 Millionen Dollar Umsatz im Jahr 2025 deutlich unter dem Peak von 1,1 Milliarden Dollar aus 2021 liegt. Die Spaltung zieht Investoren, Rebranding-Projekte und Neuentwicklungen im oberen Segment an.
K-förmige Erholung: Was das konkret bedeutet
Der Begriff „K-shaped Recovery“ beschreibt eine Wirtschaftserholung, bei der unterschiedliche Segmente in entgegengesetzte Richtungen driften – ein Arm des K zeigt nach oben, der andere nach unten. Genau das passiert gerade in Myrtle Beach, South Carolina, wie eine aktuelle Analyse von HVS zeigt.
Branded Hotels der Kategorien Upper-Midscale und höher liegen bei zentralen Kennzahlen wie Auslastung, ADR und RevPAR inzwischen über dem Niveau von 2019. Der Rest des Marktes – Economy-Hotels, unabhängige Betriebe, ältere Motel-Strukturen – hat den Nachfrage-Boom der frühen Post-Pandemie-Phase nicht konservieren können.
Warum das obere Segment davonzieht
Nach der Pandemie flutete aufgestaute Reisenachfrage die Küstenorte an der Ostküste. Myrtle Beach profitierte davon früh und stark. Doch dieser Boost war ungleich verteilt.
Branded Hotels mit klaren Qualitätsversprechen – Ketten wie Marriott, Hilton oder Hyatt im oberen Midscale- bis Upscale-Segment – konnten höhere Raten durchsetzen und ihre Gäste halten. Unabhängige Betriebe und Economy-Properties haben dagegen Angebot und Nachfrage verloren. Inzwischen liegen Angebotsmenge, Nachfrage und Umsatz im Gesamtmarkt unter den Post-Pandemie-Hochs.
Was Investoren daraus ablesen
Die HVS-Analyse macht deutlich: Die Divergenz ist kein Zufall, sondern Ausdruck veränderter Konsumrealitäten. Reisende mit Spielraum buchen besser, häufiger und länger. Wer knapp kalkuliert, reist seltener oder kürzer.
Das zieht konkrete Bewegungen nach sich. Im oberen Marktsegment von Myrtle Beach laufen derzeit Rebranding-Projekte, Neuentwicklungen und Investitionen – weil die Zahlen es rechtfertigen. Im unteren Segment steht Konsolidierung auf der Agenda.
- Branded Upper-Midscale und höher: Neue Projekte, Umflaggungen, Investitionsdruck nach oben
- Economy und Independent: Sinkende Auslastung, schrumpfendes Angebot, Margendruck
- Gesamtmarkt: Strukturell unter Peak – $990 Mio. vs. $1,1 Mrd. im Jahr 2021
- Saisonal: Selbst Feiertage wie der 4. Juli bringen keine Sicherheit mehr – Auslastungsrückgang von über 8 Prozent
Das K als Branchenspiegel
Myrtle Beach ist kein Einzelfall. Die US-Hotelbranche insgesamt zeigt dieselbe Spaltung – oberes Segment wächst, unteres kämpft. Das ist, laut HVS, nicht mehr ein vorübergehender Post-Pandemie-Effekt, sondern das neue Normalzustand.
Für Hoteliers in Sekundär- und Freizeitmärkten bedeutet das: Positionierung entscheidet mehr als je zuvor. Eine Umflaggung in eine stärkere Marke, ein Upgrade der Ausstattung oder ein konsequenteres Revenue Management können den Unterschied machen – zwischen dem Arm des K, der nach oben zeigt, und dem, der nach unten geht.
Das Konzept der K-förmigen Erholung beschreibt eine wirtschaftliche Situation, in der verschiedene Bevölkerungs- oder Marktsegmente sich nach einem Schock in entgegengesetzte Richtungen entwickeln. Im Hotelkontext: Während gut positionierte Branded Properties von anhaltend hoher Zahlungsbereitschaft im oberen Segment profitieren, verlieren günstigere und unabhängige Betriebe Nachfrage, Preismacht und Auslastung. Die Mittelklasse-Reisenden unter Inflationsdruck buchen seltener oder downgraden – was das untere Marktsegment besonders trifft.
Was das für die Branche bedeutet
Für Hotelentwickler und Asset-Manager in ähnlichen Freizeitdestinationen – Strandmärkte, Familien-Urlaubsorte, saisonal geprägte Standorte – liefert die HVS-Analyse ein klares Signal: Markenanbindung und Segmentpositionierung sind die entscheidenden Hebel, nicht nur die Lage.
Wer in einem Markt wie Myrtle Beach heute neu baut oder umflaggt, muss sich fragen, auf welchem Ast des K er landen will. Die Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache.


