Der Nahe Osten erzielte 2025 ein Tourismus-BIP von 385,8 Milliarden US-Dollar. Saudi Arabia dominiert mit 178 Milliarden Dollar und 46 Prozent Anteil an der regionalen Gesamtleistung. Das Wachstum des Königreichs lag bei 7,4 Prozent – fast doppelt so hoch wie der globale Sektordurchschnitt von 4,1 Prozent.
Die Zahlen des World Travel & Tourism Council (WTTC) sind eindeutig: Der Nahe Osten ist 2025 zur weltweit dynamischsten Tourismus-Region aufgestiegen. Während der globale Sektor um 4,1 Prozent zulegte, schaffte die Region im Schnitt 5,3 Prozent – und Saudi Arabia ließ selbst das weit hinter sich.
Saudi Arabia: 7,4 Prozent Wachstum, 46 Prozent Marktanteil
Mit einem Tourismus-BIP von 178 Milliarden US-Dollar stellt Saudi Arabia fast die Hälfte der gesamten regionalen Wirtschaftsleistung im Reisesektor. Das Wachstum von 7,4 Prozent liegt rund 40 Prozent über dem regionalen Schnitt und fast doppelt so hoch wie der globale Vergleichswert. Das ist kein Zufall – sondern das Ergebnis einer konsequenten staatlichen Investitionsstrategie.
Business Travel als stärkstes Wachstumssegment
Besonders auffällig: Der Geschäftsreiseverkehr im Nahen Osten legte 2025 um 23 Prozent zu – regionweit. Das ist kein marginaler Zuwachs, sondern ein strukturelles Signal. Konferenzen, Messen und Investment-Summits ziehen Entscheider in die Region, die gleichzeitig Hotelbetten, F&B und Eventkapazitäten füllen. Für Hotels im Premiumsegment – von Dubai bis Riad – bedeutet das: Die Auslastung durch zahlungskräftige Corporate-Gäste steigt weiter.
Vision 2030 als Motor hinter den Zahlen
Saudi Arabias Turbo-Wachstum ist kein Selbstläufer. Dahinter steckt die staatliche Vision 2030 – ein Transformationsprogramm, das den Tourismus gezielt vom Rand zur tragenden Säule der Volkswirtschaft machen soll. Gigaprojekte wie NEOM, das Luxus-Resortprojekt The Red Sea Project und das Entertainment-Ökosystem rund um Riad sind konkrete Bausteine dieser Strategie.
- The Red Sea Project: Über 50 Hotels und Resorts geplant, erste Häuser bereits in Betrieb
- NEOM: Urbane Megastruktur mit Hospitality-Komponente, Eröffnungen gestaffelt bis 2030
- Riad als MICE-Hub: Neue Kongresszentren und Hotelkapazitäten für Geschäftsreisende
- Visa-Liberalisierung: Touristen-Visa für über 60 Nationalitäten, erheblich vereinfachter Zugang
- Saisonverlängerung: Sport-Events, Musikfestivals und Kulturprogramm als Frequenztreiber ganzjährig
Was bedeutet das für die globale Hotellerie?
Für internationale Hotelketten ist der Nahe Osten längst kein Nischen-Markt mehr. Marriott, Accor, IHG und Hilton expandieren in der Region mit voller Kraft. Gleichzeitig entstehen lokale Eigenmarken, die zunehmend auf denselben Gästesegmenten konkurrieren. Wer in Europa oder Asien Revenue-Strategien entwickelt, muss den Nahen Osten als Quellmarkt und als Wettbewerbsregion ernst nehmen.
Der WTTC berechnet den „Travel & Tourism GDP“-Wert als direkte und indirekte Beiträge des Sektors zur Volkswirtschaft – also nicht nur Hotelübernachtungen, sondern auch Transport, Gastronomie, Freizeitwirtschaft und tourismus-bezogene Staatsausgaben. Die Zahlen sind daher breiter als reine Hotelbranchen-KPIs und sollten im Kontext interpretiert werden.
5,3 Prozent regionweit – wer profitiert außer Saudi Arabia?
Die Region wächst insgesamt mit 5,3 Prozent. Andere Märkte wie die Vereinigten Arabischen Emirate, Katar und Oman profitieren ebenfalls – durch Infrastrukturausbau, steigende Airlift-Kapazitäten und wachsende Leisure-Nachfrage aus Europa und Asien. Dubai bleibt als globaler Hub das meistbesuchteste Gateway der Region, während Riad zunehmend als eigenständiges Destination zieht.
- Naher Osten wächst 1,2 Prozentpunkte schneller als der globale Durchschnitt
- Saudi Arabia übertrifft den regionalen Schnitt um weitere 2,1 Prozentpunkte
- Business Travel +23 % – stärkstes Einzelsegment der Region
- 46 % der regionalen Tourismus-Wirtschaftsleistung kommen aus einem einzigen Land
- Gesamtregion: 385,8 Milliarden Dollar Tourismus-BIP – Tendenz weiter steigend
Das Wachstumstempo ist bemerkenswert. Ob Saudi Arabia den Kurs bis 2030 hält, hängt davon ab, ob die Megaprojekte liefern, was sie versprechen – und ob die Region es schafft, internationale Gäste jenseits der MICE-Segmente dauerhaft zu gewinnen. Die Zahlen für 2025 jedenfalls liefern einen klaren Zwischenstand: Der Nahe Osten meint es ernst.
