Internationale Nachfrage nach US-Kurzzeitvermietungen ist im ersten Quartal 2026 stärker eingebrochen als die allgemeinen Touristenzahlen zeigen. Kanadische Buchungen fielen laut AirDNA um über 20 % im Jahresvergleich – ausgelöst auch durch Trumps Zollankündigungen. Während die Inlandsnachfrage leicht zulegt, bleibt das Gesamtbild für Ferienwohnungsanbieter düster.
Die Schlagzeilen über rückläufigen US-Tourismus zeichnen noch ein zu freundliches Bild. Wer Ferienwohnungen vermietet, spürt den Einbruch deutlicher – und das zeigen exklusive Daten des Analyseunternehmens AirDNA, die dem Branchenmedium Skift vorliegen.
Im Januar 2026 sank die internationale Nachfrage nach US-Short-Term-Rentals um 4,7 % – während der allgemeine Rückgang bei Einreisen bei 4,8 % im Vergleich zum Vorjahresmonat lag. Der Unterschied klingt klein, ist aber symptomatisch: Freizeitreisen – das Fundament des Ferienwohnungsmarkts – reagieren sensibler auf politische Unsicherheit als Geschäftsreisen oder andere Segmente.
Kanada bricht weg
Am härtesten trifft es die US-Vermieter beim wichtigsten Nachbarmarkt. Kanadische Buchungen für US-Ferienwohnungen sind laut AirDNA um mehr als 20 % gegenüber dem Vorjahr gefallen. Die Plattform Beyond, ein Revenue-Management-Tool für Ferienwohnungsbesitzer, meldet noch drastischere Signale: Kanadische Suchanfragen für US-Unterkünfte brachen nach dem 1. Februar 2026 um 44 % ein – dem Tag, an dem Trump erstmals Zölle von 25 % auf kanadische und mexikanische Waren ankündigte.
Das ist kein Zufall. Reiseentscheidungen hängen an Stimmung, Wechselkurs und politischem Klima – und alle drei zeigen für kanadische Urlauber in Richtung USA gerade in die falsche Richtung.
Der Begriff beschreibt den anhaltenden Rückgang internationaler Touristen in den USA seit Trumps zweiter Amtszeit. Laut dem World Travel & Tourism Council (WTTC) war die USA 2025 das einzige große Reiseziel weltweit, das einen Rückgang ausländischer Besucher verzeichnete – minus 6 %. Faktoren: verschärfte Einreisepolitik, Visa-Unsicherheiten, diplomatische Spannungen und eine generell wahrgenommene Abweisung ausländischer Gäste.
Europa schwächelt, Südamerika und Asien legen zu
Neben Kanada verzeichnen auch mehrere europäische und ozeanische Märkte zweistellige Rückgänge bei US-Ferienwohnungsbuchungen. Welche Länder genau betroffen sind, bleibt hinter der Skift-Paywall – die Richtung ist aber eindeutig.
Einen Lichtblick gibt es: Teile Südamerikas und Asiens zeigen wachsende Buchungszahlen. Das federt den Einbruch ab, gleicht ihn aber bei weitem nicht aus.
- Kanada: über −20 % YoY bei STR-Buchungen (AirDNA)
- Mehrere EU- und Ozeanien-Märkte: zweistellige Rückgänge
- Südamerika und ausgewählte Asienmärkte: Wachstum
- US-Inlandsnachfrage: leichtes Plus
Inlandsnachfrage kompensiert nur teilweise
Amerikanische Urlauber buchen etwas häufiger Ferienwohnungen im eigenen Land – was die Verluste aus dem Ausland aber nicht auffängt. Für Anbieter in stark international geprägten Destinationen wie Florida, Hawaii oder New York ist das wenig tröstlich. Die Inlandsnachfrage allein trägt keine Preisstruktur, die auf zahlungskräftige Fernreisende ausgelegt ist.
World Cup 2026 als Joker?
Die Fußball-Weltmeisterschaft 2026, die in mehreren US-Städten stattfindet, könnte kurzfristig für einen Nachfrageschub sorgen – besonders aus Lateinamerika und Europa. Branchenbeobachter warnen aber: Ein Turnier-Boost überdeckt strukturelle Probleme, löst sie nicht. Wer langfristig auf internationale Gäste angewiesen ist, braucht politische Stabilität, keine Sonderevents.
Was das für Ferienwohnungsanbieter bedeutet
Wer Kurzzeitvermietungen in internationalen Hotspots betreibt, sollte die Zahlen ernst nehmen. Ein paar konkrete Denkimpulse:
- Pricing anpassen: Wenn internationale Gäste wegbleiben, zieht auch der Premiumpreis nicht mehr. Yield-Management-Tools wie Beyond oder PriceLabs können helfen, die Auslastung über flexiblere Tarife zu stabilisieren.
- Inlandsmärkte gezielt ansprechen: US-amerikanische Reisende bevorzugen oft andere Botschaften als internationale Gäste – lokal denken, lokal kommunizieren.
- Buchungsfenster beobachten: Politische Unsicherheit verkürzt den Buchungshorizont. Wer auf Last-Minute-Buchungen nicht vorbereitet ist, verliert Umsatz.
- World Cup 2026 als temporären Hebel nutzen: Verfügbarkeit für den Turnierzeitraum jetzt optimieren – Städte wie Dallas, Los Angeles, Miami, New York und San Francisco sind Austragungsorte.
Die Daten zeigen: Der Trump Slump ist kein vorübergehendes Rauschen. Er verfestigt sich. Für die internationale Reisewirtschaft – und besonders für den US-Ferienwohnungsmarkt – bleibt 2026 ein Jahr, in dem Anpassen wichtiger ist als Abwarten.
