Reisende geben pro Trip durchschnittlich 500 US-Dollar für Einkäufe außerhalb der Reisebranche aus – das zeigt eine neue Studie der Expedia Group mit über 11.000 Befragten aus 11 Ländern. Social Media gewinnt als Inspirationsquelle massiv an Bedeutung. Und Vertrauen entscheidet mehr denn je darüber, wo gebucht wird.
Reisende sind keine einfachen Urlauber – sie sind kaufkräftige Konsumenten. Das ist die zentrale Botschaft des Traveler Value Index 2025, den die Expedia Group auf Basis von 11.000 Konsumenten-Befragungen in elf globalen Märkten veröffentlicht hat. Die Zahlen sind für Hospitality-Profis in mehrfacher Hinsicht relevant – nicht nur als Marktdaten, sondern als Hinweis, wie sich das Reiseverhalten grundlegend verschiebt.
500 Dollar – und das ist nur der Anfang
Im Schnitt geben Reisende pro Trip 500 US-Dollar für Einkäufe aus, die nichts mit Reisen zu tun haben. Kosmetik, Kleidung, Elektronik, lokale Produkte – der Reisekontext macht Menschen kauffreudiger. Für Hotels, Resorts und gastronomische Betriebe bedeutet das: Der Gast auf dem Zimmer ist kein passiver Schläfer, sondern ein aktiver Konsument mit Budget.
Die Expedia-Studie, die 3.500 Reisende speziell zu diesem Kaufverhalten befragte, schlussfolgert daraus eine wachsende Marketingopportunität für Marken außerhalb der klassischen Reisebranche. Für Hotels mit eigenem Retail-Konzept, Spa-Shop oder F&B-Angebot ist das eine Bestätigung: Wer Reisende gut erreicht, hat eine Zielgruppe mit überdurchschnittlicher Kaufbereitschaft.
Social Media als Buchungsmotor
Ein zweiter zentraler Befund der Studie: Social Media gewinnt als Inspirationsquelle für Reiseentscheidungen massiv an Bedeutung – und das über alle Altersgruppen hinweg, nicht nur bei Gen Z. Wer in der Hotellerie oder Gastronomie noch zögert, konsequent in Instagram, TikTok und Pinterest zu investieren, verliert Sichtbarkeit genau dort, wo Buchungsentscheidungen fallen.
Für unabhängige Hotels und kleinere F&B-Betriebe ist das eine klare Handlungsanweisung: Organische Reichweite über visuelle Plattformen ist kein Nice-to-have mehr, sondern ein direkter Kanal zur buchungsbereiten Zielgruppe.
Was das konkret bedeutet
- Reels und TikToks mit Einblicken hinter die Kulissen performen besser als klassische Hochglanz-Posts
- User-Generated Content (Gästefoto + Repost) erzeugt mehr Vertrauen als bezahlte Werbung
- Lokale Micro-Influencer erreichen oft die kaufkräftigere Zielgruppe als nationale Reichweite
- Social Proof in Form von Bewertungen und Kommentaren beeinflusst die Buchungsentscheidung direkt
Vertrauen entscheidet – mehr als der Preis
Der Traveler Value Index 2025 macht deutlich: Trotz globaler Unsicherheiten bleibt die Reiselust ungebrochen – und internationales Reisen legt sogar zu. Doch die Entscheidung, wo gebucht wird, hängt zunehmend von Vertrauen ab. Plattformen, Marken und Hotels, die Transparenz, verlässliche Bewertungen und klare Kommunikation bieten, gewinnen.
- Retail-Angebote im Hotel denken: Gäste kaufen – biete ihnen etwas an (Spa-Produkte, lokale Spezialitäten, Merchandise)
- Social-Media-Präsenz priorisieren: Inspirations-Content schlägt Buchungsbutton-Posts
- Vertrauen aktiv aufbauen: Schnelle Antwortzeiten auf Bewertungen, transparente Preisgestaltung
- Partnerschaften mit Non-Travel-Marken prüfen: Reisende sind die Zielgruppe, die andere Marken suchen
- International denken: Internationales Reisen wächst – Mehrsprachigkeit und globale OTA-Präsenz zahlen sich aus
Eine Zielgruppe, die andere Branchen begehren
Was der Expedia-Report für die Hospitality-Branche so interessant macht: Er zeigt, dass Reisende nicht nur für Reisen Geld ausgeben. Sie sind in einem mentalen Modus, der Kaufentscheidungen erleichtert – neue Umgebung, erhöhte Erlebnisbereitschaft, entspanntere Grundhaltung. Hotels und Restaurants sind damit nicht nur Übernachtungs- oder Speisestätten, sondern Berührungspunkte mit Konsumenten im besten Kaufmoment.
Für die Branche bedeutet das auch: Wer Expedia, Booking.com oder andere große Plattformen als reine Distributionskanäle betrachtet, denkt zu kurz. Diese Plattformen werden zu Daten-Infrastrukturen, die das Konsumverhalten von Reisenden verstehen – und damit zur Konkurrenz für klassische Marketingbudgets anderer Industrien.
