Opodo hat über 9.000 Fluggäste weltweit zu ihrem Verhalten an Bord befragt. Deutsche Passagiere helfen beim Boarding öfter als Franzosen, Italiener oder Briten – 86 % packen mit an. Gleichzeitig ist Körpergeruch für 72 % das größte No-Go in der Kabine.
Wer sitzt am Mittelsitz? Wem gehört die Armlehne? Und wann ist Smalltalk okay – wann nervt er? Das Online-Reiseportal Opodo, Teil der eDreams ODIGEO Gruppe, hat diese Fragen systematisch untersucht. Mehr als 9.000 Fluggäste in mehreren Ländern wurden befragt, darunter Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, Portugal und Großbritannien. Das Ergebnis: Die ungeschriebenen Regeln in der Kabine unterscheiden sich deutlich – je nach Land.
Boarding: Deutschland auf Platz eins
Beim Einsteigen zeigen Deutsche eine auffällig hohe Bereitschaft, anderen Passagieren mit schwerem Handgepäck zu helfen. 86 % der Befragten in Deutschland gaben an, beim Verstauen von Koffern zu helfen – 40 % grundsätzlich immer, 46 % situativ. Damit liegt Deutschland klar vor Frankreich (80 %), Italien (80 %) und Spanien (78 %).
Am anderen Ende der Skala: Großbritannien. Nur 68 % der britischen Fluggäste helfen überhaupt – und nur 22 % tun es bedingungslos. Gleichzeitig meinen dort 14 %, das Verstauen sei ausschließlich Aufgabe des Kabinenpersonals. In Deutschland teilen nur 7 % diese Haltung.
- Deutschland: 86 % (40 % immer, 46 % situativ)
- Frankreich: 80 %
- Italien: 80 % (40 % immer)
- Spanien: 78 %
- Großbritannien: 68 % (22 % immer)
Quelle: Opodo-Studie zur Flug-Etikette 2026, n = 9.000+
Interessant: Männer in Deutschland helfen häufiger bedingungslos als Frauen – 46 % zu 33 %. Was diese Lücke erklärt, lässt die Studie offen.
Die Armlehnen-Frage
Wer den Mittelsitz bucht, kennt das Dilemma: Beide Armlehnen sind formal „seiner“, aber de facto umkämpft. In Deutschland regeln das 41 % der Passagiere durch partnerschaftliches Teilen mit den Sitznachbarn. In Südeuropa ist Kooperation noch verbreiteter – in Italien teilen 63 %, in Portugal 61 %, in Spanien 56 %.
Wie viele Deutschen einfach die Armlehne für sich beanspruchen oder grundsätzlich verzichten, geht aus den vorliegenden Studiendaten nicht hervor. Der Trend zur gemeinsamen Lösung ist aber eindeutig.
Das größte No-Go: Körpergeruch
Was stört am meisten in der Kabine? Für 72 % der Deutschen ist die Antwort eindeutig: mangelnde persönliche Hygiene. Kein anderer Störfaktor landet in der Studie ähnlich hoch. Das ist insofern relevant für die Reisebranche, als Fluggesellschaften und Reiseveranstalter immer wieder über Beschwerden zu diesem Thema berichten – und es kaum regulierbar ist.
Smalltalk oder Augen zu?
41 % der deutschen Fluggäste schätzen den Austausch mit ihren Sitznachbarn – zumindest grundsätzlich. Gleichzeitig täuschen 12 % strategisch Schlaf vor, um Gesprächen aus dem Weg zu gehen. Beides ist nachvollziehbar, beides ist offenbar gängige Praxis.
- 41 % offen für Gespräche mit Sitznachbarn
- 12 % simulieren Schlaf, um Smalltalk zu vermeiden
- 72 % nennen Körpergeruch als schlimmsten Störfaktor
- 86 % helfen beim Verstauen von Handgepäck
- 41 % teilen Armlehnen partnerschaftlich
Was das für die Reisebranche bedeutet
Die Studie liefert keine revolutionären Erkenntnisse – aber sie untermauert etwas, das in der Praxis oft fehlt: verlässliche Zahlen zum tatsächlichen Verhalten von Reisenden. Airlines und Reiseveranstalter nutzen solche Daten zunehmend, um Boarding-Prozesse zu optimieren, Sitzkonfigurationen zu überdenken oder Produktkommunikation zu schärfen.
Für Hoteliers und Travel-Manager ist der Deutschland-Befund ein kleines Signal: Wer deutsche Reisende kennt, weiß, dass Hilfsbereitschaft und Rücksichtnahme keine Selbstverständlichkeit sind – aber in dieser Zielgruppe überdurchschnittlich oft auftreten. Das hat Auswirkungen auf Gruppenreisen, Busshuttles und jede andere Situation, in der Gäste auf engem Raum zusammenkommen.


