Rakuten Travel, die Reisesparte des japanischen Tech-Konzerns Rakuten Group, plant den Einstieg in den US-Markt. Der Fokus liegt zunächst auf der Westküste und Hawaii – Regionen mit starken Asien-Verbindungen. Als Basis dient die bestehende amerikanische Nutzerbasis von Rakuten.com, dem Cashback-Portal, das viele US-Konsumenten noch als Ebates kennen.
Millionen Amerikaner sammeln Cashback auf Rakuten.com – und haben keine Ahnung, dass dahinter einer der größten Technologiekonzerne Japans steckt. Genau das will Rakuten Travel jetzt ändern.
Westküste zuerst, Hawaii im Blick
James Park, CEO von Rakuten Travel Xchange und Director von Rakuten Travel Singapore, sagte gegenüber Skift in einem exklusiven Interview: „U.S. is one of the markets that we wish to enter.“ Park betont aber auch, dass Amerika kein homogener Markt ist.
Der Startpunkt ist deshalb bewusst gewählt: Die US-Westküste hat größere asiatisch-amerikanische Communities, stärkere Wirtschaftsverbindungen nach Asien und eine ausgeprägte Vertrautheit mit Japan als Reiseziel. Hawaii gehört ebenfalls zum Fokus – der Inselstaat ist seit Jahrzehnten ein Liebling japanischer Reisender.
- Mutterkonzern: Rakuten Group (Japan), einer der größten Tech- und E-Commerce-Konzerne Asiens
- US-Bekanntheit: Rakuten.com – in den USA bekannt als Ebates, eine der meistgenutzten Cashback-Plattformen
- Reisesparte: Rakuten Travel, zuständig für Hotelbuchungen; Rakuten Travel Xchange als B2B-Arm
- Fokus-Märkte USA: Westküste (Seattle, Los Angeles, San Francisco) und Hawaii
Cashback als Brücke ins Reisegeschäft
Die eigentliche Stärke von Rakuten im US-Markt ist nicht die Markenbekanntheit als Reiseanbieter – sondern die schiere Reichweite durch Rakuten.com. Dort hat der Konzern bereits eine etablierte amerikanische Nutzerbasis aufgebaut, die regelmäßig auf der Plattform einkauft.
Parks Strategie: Diese Bestandskunden in Reisebuchende verwandeln, indem Travel als natürliche Erweiterung des bestehenden Ökosystems positioniert wird. Ein globales Loyalty-Programm soll den Übergang fließend machen – wer Cashback beim Shopping sammelt, soll dieselbe Währung für Hotelnächte nutzen können.
Loyalty-StrategieDabei sind die Unterschiede zwischen US-amerikanischen und asiatischen Nutzerpräferenzen eine echte Herausforderung. Rakuten muss sein Loyalty-Angebot an lokale Erwartungen anpassen – was in Japan oder Südkorea funktioniert, zieht in San Francisco nicht automatisch.
KI-Tools im Test, Lokalisierung als Hausaufgabe
Parallel zur Marktexpansion arbeitet Rakuten Travel an KI-gestützten Hotelsuche-Tools. Details zur Technologie sind öffentlich noch rar, die Richtung aber klar: personalisierte Suche, die Nutzerdaten aus dem breiteren Rakuten-Ökosystem einbezieht.
Reise gilt bei Rakuten als leichterer Einstiegspunkt für internationale Expansion als E-Commerce – weniger regulatorische Hürden, keine physische Logistik, starke digitale Skalierbarkeit. Trotzdem bleibt Lokalisierung die zentrale Aufgabe: Sprache, Zahlungspräferenzen, Buchungsgewohnheiten und Loyalty-Erwartungen unterscheiden sich erheblich zwischen den Zielgruppen.
Rakuten Travel in den USA – Chancen und Hürden
Dafür spricht
- Bestehende Nutzerbasis durch Rakuten.com/Ebates
- Bewährtes Loyalty-Modell aus Asien als Vorlage
- Westküste und Hawaii als kulturell passender Startmarkt
- Reise als skalierbares digitales Produkt
Dagegen spricht
- US-Markt dominiert von Booking.com, Expedia, Google Hotels
- Rakuten Travel kaum als Reisemarke bekannt in den USA
- Loyalty-Präferenzen zwischen Asien und USA stark unterschiedlich
- Lokalisierung von Tech und Angebot aufwendig
Was das für die Branche bedeutet
Für den ohnehin dicht besetzten US-OTA-Markt ist Rakuten Travel ein ungewöhnlicher Herausforderer – kein klassischer Neueinsteiger, sondern ein Konzern mit tiefem Kapital und echter Nutzerbasis, der einen Flankierangriff über sein Shopping-Ökosystem versucht. Das ist ein anderer Ansatz als der direkte Buchungskanal-Kampf, den Booking Holdings oder Expedia Group führen.
Ob die Cashback-zu-Reise-Brücke trägt, wird sich an konkreten Conversion-Zahlen zeigen. Der Plan ist schlüssig – aber zwischen Strategie und funktionierendem US-Geschäft liegt noch viel Arbeit in Produktentwicklung, Partnergewinnung und Markenaufbau.


