Los Angeles hatte Hotel- und Flughafenmitarbeitern einen Mindestlohn von 30 Dollar pro Stunde bis 2028 versprochen – gekoppelt an die Olympischen Spiele. Jetzt stimmte der Stadtrat 9:6 dafür, diesen Termin auf 2030 zu verschieben. Hintergrund: Die Wirtschaft droht mit einem Volksbegehren, das eine Milliarde Dollar aus dem Stadthaushalt streichen könnte.
Abstimmung unter Druck
Eigentlich sollte der erhöhte Mindestlohn mit den Olympischen Spielen 2028 in LA zusammenfallen – ein symbolisches Signal für bessere Arbeitsbedingungen in der Tourismusbranche während des weltweiten Scheinwerferlichts. Doch daraus wird möglicherweise nichts.
Der Stadtrat von Los Angeles votierte am Mittwoch mit 9 zu 6 Stimmen dafür, eine Verschiebung auf 2030 voranzutreiben. Der Beschluss ist noch kein endgültiges Gesetz, aber ein klares politisches Signal. Ratsmitglied Marqueece Harris-Dawson bezeichnete die Verzögerung als "Platzhalter" für laufende Verhandlungen zwischen Stadt, Wirtschaft und Gewerkschaften.
- Betroffene Branchen: Hotels und Flughafenbetriebe in Los Angeles
- Geplanter Lohn: 30 US-Dollar pro Stunde
- Ursprünglicher Termin: 2028 (Olympische Spiele Los Angeles)
- Neuer möglicher Termin: 2030
- Abstimmungsergebnis: 9 zu 6 für die Verschiebung
Was die Branche drohte
Airlines und Hotelverbände haben genug Unterschriften gesammelt, um ein eigenes Volksbegehren auf den Wahlzettel am 3. November zu bringen. Das Ziel: Die städtische Gewerbesteuer (Gross Receipts Tax) abschaffen oder stark kürzen. Für den Stadthaushalt würde das laut Ratsangaben einen Ausfall von rund 740 Millionen Dollar bedeuten.
Für die Stadt eine schwierige Rechnung. Entweder man hält am ambitionierten Lohnziel fest – oder man riskiert, dass ein Großteil der kommunalen Finanzierungsgrundlage wegbricht. Die knappe Mehrheit im Rat entschied sich für Verhandlungsspielraum statt Konfrontation.
Warum 2028 politisch wichtig war
Die Verknüpfung mit den Olympischen Spielen war kein Zufall. Los Angeles wollte als Gastgeberstadt zeigen, dass Großereignisse nicht auf dem Rücken von Niedriglohnkräften stattfinden. Reinigungskräfte, Rezeptionisten, Sicherheitspersonal an Flughäfen – all diese Jobs sollten bis zur Eröffnungsfeier deutlich besser bezahlt werden.
Ob das nun bis 2030 gelingt, ist offen. Die Verhandlungen laufen. Gewerkschaften haben angekündigt, den Druck aufrechtzuerhalten.
Was das für die Hotellerie bedeutet
LA ist einer der wichtigsten Hotelmärkte der USA. Wer dort Häuser betreibt – von kleinen Independents bis zu großen Ketten – hat die Lohndebatte genau verfolgt. Eine Verschiebung gibt Betreibern mehr Planungszeit, kostet aber politisches Vertrauen bei der Belegschaft.
- Hotels in LA kämpfen noch mit den Nachwirkungen der Brände vom Januar 2025 und gesunkenen Buchungszahlen
- Die Olympia-Vorbereitung erzeugt ohnehin Investitionsdruck – Umbau, Kapazitätserweiterung, Sicherheitsauflagen
- Ein höherer Mindestlohn hätte laut Branchenvertretern die Personalkosten pro Zimmer messbar erhöht
Für internationale Hotelketten, die Los Angeles als Markt im Blick haben, bleibt die Situation unübersichtlich. Der politische Kompromiss kann sich bis November erneut verschieben – je nachdem, wie das Volksbegehren der Wirtschaft läuft.


