Expedia behandelt KI-Agenten als eigenständige Zielgruppe neben Konsumenten und Geschäftsreisenden. Das neue Konzept heißt B2A — Business to Agent. Markenbekanntheit zählt dabei nicht. Was zählt: strukturierte, maschinenlesbare Daten über das, was ein Hotel oder eine Route wirklich besonders macht.
Ein neues Publikum, das du nie treffen wirst
Stell dir vor, dein wichtigster Vertriebskanal ist ein Softwareprogramm. Es kennt keine Treuepunkte, keine Markenpräferenz, keine emotionale Bindung an ein Logo. Es analysiert einfach alle verfügbaren Optionen und wählt das objektiv passendste Angebot. Klingt futuristisch? Laut Skift ist das bereits Realität — und Expedia baut gerade die Infrastruktur dafür.
B2A steht für Business-to-Agent. Das Konzept beschreibt ein Vertriebsmodell, bei dem nicht Menschen, sondern autonome KI-Agenten Kaufentscheidungen treffen. In der Reisebranche bedeutet das konkret: Ein Agent bucht Hotels, Flüge und Pakete im Auftrag eines Nutzers — ohne dass dieser die Suche selbst durchführt.
Agents are becoming a new audience, in addition to businesses and consumers. This is not a transition from consumer to agent, but it's in parallel.
— Jochen Koedijk, Chief Marketing Officer, Expedia Group
Koedijk sagte das auf dem Expedia Explore Panel in Las Vegas. Die Botschaft dahinter: B2A ergänzt B2C und B2B — es ersetzt sie nicht. Zumindest noch nicht.
Warum Markenbekanntheit plötzlich irrelevant wird
Für menschliche Reisende ist ein bekannter Markenname ein kognitiver Shortcut. Wer keine Zeit hat, 47 Hotels zu vergleichen, greift zur bekannten Kette. KI-Agenten haben dieses Problem nicht. Sie können prinzipiell jede Option auswerten — und tun es auch.
Das verschiebt den Wettbewerbsvorteil fundamental. Nicht mehr das höhere Marketingbudget entscheidet, wer empfohlen wird. Sondern die Qualität der Datenlage: Wie präzise ist das Profil eines Hotels beschrieben? Welche Alleinstellungsmerkmale sind strukturiert hinterlegt? Kann ein Agent verstehen, warum dieses Haus für einen bestimmten Reisezweck besser geeignet ist als das Konkurrenzprodukt?
- Strukturierte, maschinenlesbare Produktdaten (kein Marketing-Blabla)
- Eindeutige Unterscheidungsmerkmale gegenüber Wettbewerbern
- Konsistente Datenpflege über alle Kanäle hinweg
- Klare Verfügbarkeits- und Preislogik ohne manuelle Hürden
- API-Zugänglichkeit für automatisierte Anfragen
Answer Engine Optimization: SEO für Maschinen
Mit B2A entsteht eine neue Disziplin im digitalen Marketing: Answer Engine Optimization, kurz AEO. Während klassische Suchmaschinenoptimierung darauf abzielt, bei Google weit oben zu erscheinen, geht es bei AEO darum, von KI-Systemen als relevante Antwort ausgespielt zu werden.
Bei Expedia kommt aktuell weniger als 1,5 % des Traffics aus AEO-Bemühungen. Klein — aber die Entwicklung verläuft schnell. Wer jetzt die Grundlagen legt, hat einen Vorsprung, wenn dieser Kanal skaliert.
Was AEO für Hoteliers konkret bedeutet
- Structured Data konsequent pflegen — Schema.org-Markup für Unterkunftstyp, Ausstattung, Lage
- Inhalte so formulieren, dass eine Maschine klare Fakten extrahieren kann (keine Marketing-Prosa)
- Häufige Fragen zum Haus direkt und vollständig beantworten (FAQ-Seiten, Knowledge Base)
- Konsistenz über alle Plattformen: OTAs, eigene Website, GDS, Metasuche
Wie der Buchungsfunnel sich verändert
Heute sieht ein typischer Buchungspfad noch so aus: Gast sucht, vergleicht, entscheidet, bucht. Morgen könnte ein KI-Agent diesen Prozess übernehmen — mit dem Gast nur noch an den Endpunkten: Anforderung geben und Buchung bestätigen.
Expedia-CMO Koedijk beschreibt Agent-to-Agent-Interaktionen als mögliche Zukunft des Buchungsfunnels: Ein persönlicher KI-Assistent des Reisenden kommuniziert direkt mit dem Agenten einer Buchungsplattform — ohne menschliche Eingriffe dazwischen.
Was das für Hotels konkret heißt
Für Hoteliers ist B2A keine abstrakte Tech-Diskussion. Es ist eine Vertriebsfrage. Wer heute seine Produktdaten schlecht pflegt, schlechte API-Anbindungen hat oder auf Keyword-Marketing statt Faktenkommunikation setzt, verliert Sichtbarkeit bei KI-Agenten — noch bevor der Gast überhaupt eine Entscheidung trifft.
Drei Handlungsfelder für Hoteliers
- Datenbasis aufräumen: Alle Distributionskanäle auf konsistente, präzise Produktbeschreibungen prüfen. Was macht das Haus wirklich anders? Das muss in maschinenlesbarer Form vorliegen.
- API-Zugänglichkeit sicherstellen: Wer nicht über saubere Schnittstellen erreichbar ist, existiert für einen KI-Agenten schlicht nicht. PMS- und Channel-Manager-Anbindungen auf Aktualität prüfen.
- AEO jetzt testen: Welche Fragen stellen Gäste häufig zum Haus? Diese Antworten strukturiert und vollständig auf der eigenen Website hinterlegen — nicht als Marketing-Text, sondern als klare Fakten.
B2A ist kein Hype, sondern Infrastruktur
Dass Expedia als einer der größten Reise-Marktplätze weltweit eine eigene Marketing-Funktion für KI-Agenten aufbaut, ist kein Versuchsballon. Es ist ein strukturelles Signal: Der nächste große Distributionskanal der Reisebranche kommuniziert nicht mit Menschen — und die Regeln dafür entstehen gerade.
Wer wartet, bis B2A messbar wird, fängt zu spät an. Die Daten, die ein KI-Agent in einem Jahr auswerten wird, werden heute gepflegt — oder eben nicht.


