Das Wichtigste in Kürze

Airbnb rekrutiert aktiv hunderte Social-Media-Creator als bezahlte Experience-Hosts. CEO Brian Chesky sieht darin den Schlüssel zu einem Markt, den die Plattform bislang kaum erreicht hat: Locals, die Erlebnisse in ihrer eigenen Stadt buchen. In Paris kamen bei Creator-geführten Experiences bereits 40 % der Buchungen von einheimischen Nutzern.

Airbnb hat ein strukturelles Problem mit seinem Experiences-Geschäft – und glaubt, die Lösung auf TikTok und Instagram gefunden zu haben. Seit dem Relaunch der Experiences-Plattform im Mai 2025 testet das Unternehmen gezielt Creator-geführte Erlebnisse. Jetzt wird das Modell ausgerollt.

Das lokale Buchungs-Problem

Airbnb Experiences existieren seit 2016 – und hatten von Anfang an dasselbe Muster: Touristinnen und Touristen buchen, Locals schauen weg. Das begrenzt das Wachstumspotenzial erheblich, weil der Markt der Reisenden endlich ist und stark saisonal schwankt.

CEO Brian Chesky erklärte gegenüber Skift während eines Medien-Roundtables beim jährlichen Summer Release Event in San Francisco den Unterschied: „Wenn du ein Fan von jemandem bist, buchst du auch in deiner eigenen Stadt.“

Creators bringen genau das mit, was Airbnb intern nicht aufbauen kann: eine fertige Zielgruppe mit echter Bindung. Fans folgen ihren Lieblingscreatoren nicht wegen des Reiseziels – sie folgen der Person. Das macht sie zu einem lokalen Buchungskanal, der bislang für Erlebnisplattformen so gut wie nicht existierte.

ZAHLEN & FAKTEN Airbnb Experiences – Stand 2025/26
40 %
Lokale Buchungen in Paris
Bei Creator-geführten Experiences in Paris kamen 40 % der Buchungen von Einheimischen – kein typischer Wert für die Plattform.
Hunderte
Creators im Recruiting
Airbnb holt aktiv hunderte Creator von YouTube, Instagram und TikTok als Host-Partner auf die Plattform.
Mai 2025
Relaunch der Plattform
Nach einer zweijährigen Pause für neue Experience-Anbieter startete Airbnb die Plattform mit neuem App-Design neu.
Quellen: Skift, Mai 2026; Airbnb Summer Release Event, San Francisco

Warum Creator-Experiences besser konvertieren

Laut Chesky liefern Creator-geführte Erlebnisse höhere Conversion Rates als klassische Host-Experiences. Der Grund liegt auf der Hand: Creators betreiben ihr eigenes Marketing. Wer einem Creator auf Instagram folgt und dort ein Cooking-Event in Berlin ankündigt sieht, ist schon halb überzeugt – bevor er überhaupt die Airbnb-App öffnet.

Das senkt die Customer Acquisition Costs für Airbnb spürbar. Statt selbst für Sichtbarkeit zahlen zu müssen, huckepack das Unternehmen auf Reichweiten, die Creators über Jahre aufgebaut haben. Das Modell ist wirtschaftlich clever.

Was Creators als Airbnb-Hosts mitbringen
  • Fertige Zielgruppe mit hoher Bindung (Fans buchen, weil sie die Person mögen – nicht wegen des Reiseziels)
  • Eigenes Marketing: Social-Media-Posts, Stories, Videos treiben Buchungen ohne Airbnb-Budget
  • Lokale Verteilung: Fans buchen auch in ihrer eigenen Stadt – neues Segment für die Plattform
  • Höhere Conversion durch Vertrauen: persönliche Empfehlung schlägt Plattform-Algorithmus

Airbnbs größere Ambitionen: App Store für Reisen

Die Creator-Strategie ist kein Selbstzweck. Airbnb expandiert seit dem Relaunch 2025 gezielt über klassische Ferienwohnungen hinaus – Mainstream-Attraktionen, lizenzierte Tour-Operatoren und jetzt Creators. Das Ziel: eine Art App Store für Reise- und Lokalservices aufbauen.

Chesky hat den Zeitdruck offen angesprochen: Bevor KI-Plattformen den Reise-Commerce übernehmen, will Airbnb die Kategorien besetzt haben. Wer als erste Anlaufstelle für Experiences gilt, sitzt strategisch günstiger – unabhängig davon, über welchen Kanal die Entscheidung fällt.

Redaktions-Einschätzung: Das Modell ist klug, hat aber eine Schwachstelle – Qualitätskontrolle. Creators sind nicht automatisch gute Hosts. Wie Airbnb das skaliert, ohne die Experience-Qualität zu verwässern, wird die eigentliche Herausforderung.

Was das für die Branche bedeutet

Für Hotels, Destinationen und lokale Erlebnisanbieter ist das Signal klar: Der Kampf um lokale Nachfrage wird über Personen gewonnen, nicht über Plattformen. Wer eine Köchin mit 80.000 Instagram-Followern als Partnerin gewinnt, hat mehr Buchungsreichweite als jedes SEO-Budget kaufen kann.

Airbnb testet hier ein Modell, das andere Plattformen – von Viator bis GetYourGuide – beobachten werden. Creator-Commerce trifft auf Erlebniswirtschaft. Das verändert, wie lokale Erlebnisse vermarktet, gebucht und erlebt werden – und wer dabei die Margen einstreicht.

  • Lokale Anbieter sollten prüfen, ob eine Creator-Partnerschaft oder -Kooperation ihre Buchungsreichweite erhöht
  • Hotels mit F&B- oder Spa-Erlebnissen könnten das Modell direkt adaptieren – Influencer als Gastgeber eigener Events
  • DMOs und Tourismusorganisationen beobachten das Airbnb-Modell als Blaupause für lokale Nachfragesteuerung

HÄUFIGE FRAGEN

Warum holt Airbnb Creator als Experience-Hosts an Bord?

Creators bringen eine fertige, loyale Zielgruppe mit. Fans buchen Erlebnisse bei jemandem, dem sie folgen – auch in der eigenen Stadt. Das löst Airbnbs strukturelles Problem, dass klassische Experiences fast ausschließlich Touristinnen und Touristen ansprechen.

Was sind Airbnb Experiences und wann wurden sie relauncht?

Airbnb Experiences sind buchbare Erlebnisse, die von lokalen Hosts angeboten werden – von Kochkursen bis zu Stadtführungen. Nach einer zweijährigen Pause für neue Anbieter launchte Airbnb die Plattform im Mai 2025 mit neuem App-Design und erweitertem Konzept neu.

Wie hoch war der Anteil lokaler Buchungen bei Creator-Experiences in Paris?

Laut Airbnb-CEO Brian Chesky kamen bei Creator-geführten Experiences in Paris 40 % der Buchungen von Einheimischen – ein deutlich höherer Wert als bei klassischen Experience-Angeboten auf der Plattform.

Welche Creator-Plattformen nutzt Airbnb für das Recruiting?

Airbnb rekrutiert Hosts aktiv von YouTube, Instagram und TikTok. Entscheidend ist dabei die Bindung zwischen Creator und Community, nicht die reine Reichweite.

Was plant Airbnb langfristig mit dem Experiences-Geschäft?

Airbnb will laut CEO Brian Chesky eine Art App Store für Reise- und Lokalservices aufbauen – bevor KI-Plattformen den Reise-Commerce dominieren. Creators, lizenzierte Tour-Operatoren und Mainstream-Attraktionen sollen das Angebot deutlich verbreitern.
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