Aradhana Khowala trennt in ihrem Gespräch in Lausanne klar zwischen Sustainability und Regeneration. Für sie reicht neues Vokabular nicht aus: Hotels und Tourismusprojekte brauchen messbare Ziele, lokale Wirkung und ein System, das anders gebaut ist.
Worum es Khowala wirklich geht
Im Gespräch mit Simone Puorto beim EHL HumanX Summit in Lausanne macht Dr. Aradhana Khowala, CEO von Aptamind Partners, eine klare Ansage: Regeneration ist kein neues Schlagwort, sondern ein Umbau von Grund auf.
Die Referenz dafür ist ihre scharfe Trennung zwischen zwei Ebenen: Sustainability sei der Boden, Regeneration die Decke. Das ist kein Marketing-Satz, sondern eine Absage an die bequeme Erzählung, dass Hotels mit ein paar grünen Maßnahmen schon fertig seien.
- Messbare Ziele statt allgemeiner Aussagen
- Lokale Lieferketten mit benannten Betrieben
- Wirkung auf Land, Wasser und Community
- Klare Ausgangswerte und Zielwerte
„Lipstick on legacy“ ist der Vorwurf
Khowala nennt das Problem beim Namen: viel neue Sprache, wenig neue Praxis. Sie kritisiert das, was sie als „innovation theatre“ beschreibt. Gemeint ist: Es klingt modern, aber am Betrieb ändert sich kaum etwas.
Ein Beispiel aus dem Interview bleibt hängen: Statt vager Aussagen über lokale Beschaffung will sie konkrete Zahlen. Etwa 40 Prozent Food & Beverage aus einem Umkreis von 50 Kilometern — plus Namen der Produzenten. Das ist der Unterschied zwischen Story und Steuerung.
- 40 Prozent regionale F&B-Beschaffung statt „wir arbeiten lokal“
- hektarweise restauriertes Land statt „wir pflanzen Bäume“
- konkrete Partner statt anonymer Lieferketten
- Kontrolle vor Ort statt PowerPoint-Deck
Was große Projekte falsch machen
Khowala kennt die andere Seite des Geschäfts. Laut dem Material hat sie an Projekten wie NEOM und Red Sea Global gearbeitet und Regierungen in mehr als 85 Ländern beraten. Genau deshalb fällt ihre Kritik an Mega-Projekten so deutlich aus.
Ihr Punkt: Nur weil sich etwas bauen lässt, sollte man es nicht bauen. Natur sei kein Hindernis, sondern das System selbst. Auch die Idee eines ganzjährigen Ziels an Orten mit 50 oder 55 Grad Hitze nennt sie im Interview sinngemäß Selbsttäuschung mit Klimaanlage.
Weniger Gigantismus, mehr Belastbarkeit
Das ist für die Branche unbequem. Aber genau deshalb relevant. Wer Destinationen nur über spektakuläre Architektur verkauft, übersieht häufig, wie Klima, Wasser, Energie und lokale Bevölkerung tatsächlich mitspielen.
Ein Punkt aus dem Gespräch taugt direkt für die Praxis: Projekte brauchen Widerspruch im Raum. Wenn niemand die eigene Vision angreift, macht es später die Realität. Dann meist teurer.
Regeneratives Denken im Hotelbetrieb
Dafür spricht
- klare Zielbilder für Einkauf, Energie und Fläche
- bessere Argumente gegenüber Gästen und Investoren
- mehr Anschluss an lokale Anbieter
Dagegen spricht
- mehr Aufwand bei Messung und Reporting
- weniger Raum für vage Green-Claims
- höhere Kosten, wenn Prozesse neu gebaut werden
Was du daraus für Hotels mitnehmen kannst
Die Aussage von Khowala trifft nicht nur Destination-Entwickler. Auch Hotels, Resorts und Restaurantgruppen müssen runter von der Etikettenebene. Wer regenerative Wirkung behauptet, braucht Daten, Lieferanten, Flächen und ein messbares Zielbild.
Das lässt sich in fünf Fragen übersetzen:
- Welche Kennzahl verändert sich wirklich?
- Wer profitiert vor Ort?
- Welche Flächen, Lieferketten oder Prozesse werden neu gedacht?
- Welche Zahl belegt den Fortschritt?
- Wer prüft das Ergebnis unabhängig?
Starte mit einer harten Bestandsaufnahme: Einkauf, Energie, Wasser, Abfall, Fläche, Community-Partner. Dann setz für jeden Bereich ein Ziel mit Datum und Messgröße. Ohne Ausgangswert kein Fortschritt. Ohne Fortschritt keine Regeneration.
Regeneration ist damit kein Wort für den Jahresbericht, sondern ein Umbau von Abläufen, Flächen und Verantwortung. Genau das macht Khowalas Position so stark: Sie liefert keine Wohlfühlformel, sondern eine Arbeitsanweisung.
Für die Branche ist das unbequem. Aber genau da liegt der Punkt. Wer heute nur grün klingt, wird morgen austauschbar. Wer Wirkung misst, baut Vertrauen auf.

