Revo Hospitality – einst Europas größter Multi-Brand-Hotelbetreiber – steckt seit knapp einem halben Jahr in der Insolvenz. Für einen Teil der Gesellschaften läuft die Eigenverwaltung, für andere das Regelinsolvenzverfahren. Die Verantwortlichen sehen laut aktuellen Angaben gute Chancen, fast alle betroffenen Häuser zu retten. Die Hotels bleiben geöffnet, bestehende Buchungen behalten ihre Gültigkeit.
Das Wort „Wachstumswunder“ passt nicht mehr. Revo Hospitality hat in kurzer Zeit hunderte Hotels unter verschiedenen Marken betrieben – und ist dann in die Insolvenz gerutscht. Seitdem beschäftigt der Fall die gesamte Hotelbranche: Was passiert mit den Häusern? Was mit dem Personal? Und gibt es wirklich noch eine Rettung?
Eigenverwaltung oder Regelinsolvenz – was gilt wo?
Das Verfahren ist zweigeteilt. Für einen Teil der Gesellschaften innerhalb der Revo-Gruppe wurde die Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt – das bedeutet: Die bisherige Geschäftsführung behält die Kontrolle, begleitet von einem Sachwalter. Ziel ist eine geordnete Sanierung, ohne dass ein externer Insolvenzverwalter das Steuer übernimmt.
Für andere Gesellschaften der Gruppe gilt die Regelinsolvenz. Dort hat ein gerichtlich bestellter Insolvenzverwalter das Sagen. Welche Häuser konkret zu welchem Verfahren gehören, kommuniziert die Gruppe bisher nur in Teilen.
- Eigenverwaltung: Geschäftsführung bleibt im Amt, Sachwalter überwacht. Ziel: Sanierung ohne Unterbrechung des Betriebs.
- Regelinsolvenz: Externer Insolvenzverwalter übernimmt. Häufiger bei unklarer Fortführungsperspektive.
- Für Gäste: In beiden Fällen können Hotels offen bleiben – müssen es aber nicht.
- Für Arbeitnehmer: Insolvenzgeld sichert Gehälter für bis zu drei Monate rückwirkend über die Bundesagentur für Arbeit.
Was die Verantwortlichen sagen
Laut Angaben der Gruppe sehen die Verantwortlichen weiterhin gute Chancen, fast alle betroffenen Häuser zu retten. Das klingt optimistisch – und muss es auch sein, denn Investorengespräche laufen in der Regel besser, wenn die Unternehmensführung Zuversicht ausstrahlt. Belastbare externe Bestätigungen dieser Einschätzung gibt es bisher nicht.
Was gesichert ist: Die Hotels sollen geöffnet bleiben. Bestehende Buchungen behalten laut Mitteilung der Gruppe ihre Gültigkeit. Für Gäste mit bevorstehenden Aufenthalten ist das die wichtigste Botschaft – auch wenn eine Insolvenz grundsätzlich Unsicherheit bedeutet.
Drei mögliche Szenarien für die Gruppe
Branchenbeobachter diskutieren derzeit drei Wege, die das Verfahren nehmen könnte:
Szenario 1: Rettung mit neuen Investoren
Das Wunschszenario der Eigenverwaltung. Ein oder mehrere Investoren steigen ein, die Gruppe bleibt – zumindest in Teilen – als Einheit erhalten. Für dieses Szenario spricht die Marken-Infrastruktur, die Revo aufgebaut hat. Dagegen spricht: Der Markt kennt die Zahlen, und wer kauft, will günstig kaufen.
Szenario 2: Teilverkäufe
Einzelne Häuser oder Teilportfolios werden separat veräußert. Strategisch starke Objekte in A-Lagen finden schnell Käufer. Schwächere Häuser bleiben länger in der Warteschleife oder schließen. Das ist das wahrscheinlichste Szenario bei Insolvenzen dieser Größenordnung.
Szenario 3: Zerschlagung der Gruppe
Das schlechteste Ergebnis für Mitarbeiter und Gläubiger. Einzelne Immobilien werden ohne Weiterbetrieb verwertet. Dieses Szenario wird aktuell als unwahrscheinlich eingestuft – bleibt aber auf dem Tisch, wenn die Investorengespräche scheitern.
Eigenverwaltung – was spricht dafür, was dagegen?
Dafür spricht
- Betrieb läuft weiter, Gäste kaum betroffen
- Geschäftsführung kennt das Haus am besten
- Schnellere Sanierung möglich
- Investoren sehen funktionierenden Betrieb
Dagegen spricht
- Dieselben Manager, die in die Krise geführt haben, sanieren jetzt
- Interessenkonflikte zwischen Gläubigern und Führung möglich
- Transparenz nach außen oft geringer
- Regelinsolvenz für Teile der Gruppe läuft parallel
Was das für die Branche bedeutet
Revo ist kein Einzelfall – aber ein besonders großer. Als Europas größter Multi-Brand-Hotelbetreiber hat die Gruppe Franchiseverträge mit den bekannten Systemhotellerie-Marken gehalten und dutzende Häuser unter einem Dach gebündelt. Die Insolvenz zeigt, wie fragil das Modell des fremdfinanzierten Schnellwachstums ist, wenn Zinsen steigen und Belegungsraten unter Druck geraten.
Für Franchisenehmer und Pächter in der Branche ist das ein Warnsignal: Wer als Betreiber von einem großen Mutterkonzern abhängt, trägt das Insolvenzrisiko mit – auch wenn die eigene Unit profitabel läuft. Vertragsstrukturen und Haftungsfragen rücken damit wieder stärker in den Fokus.
- Insolvenzgeld sichert ausstehende Gehälter rückwirkend für bis zu drei Monate – Antrag über die Bundesagentur für Arbeit
- Arbeitsverhältnisse laufen während der Insolvenz zunächst weiter
- Bei Eigenverwaltung: Ansprechpartner bleibt die Geschäftsführung plus Sachwalter
- Bei Regelinsolvenz: Insolvenzverwalter ist erster Ansprechpartner für arbeitsrechtliche Fragen
- Betriebsrat (falls vorhanden) hat Informationsrechte und sollte aktiv einbezogen werden
Wie geht es weiter?
Der nächste entscheidende Moment kommt, wenn die Gläubigerversammlungen tagen und Investorengespräche konkrete Ergebnisse liefern – oder eben nicht. Bis dahin bleibt der Status quo: Hotels offen, Verfahren laufen, Zukunft offen.
Für die Hotellerie insgesamt gilt: Die Insolvenzwelle, die 2023 und 2024 durch viele Branchen gezogen ist, flacht laut aktuellen Marktbeobachtungen ab. Experten sehen vorsichtige Zeichen einer Stabilisierung – aber noch keine belastbare Trendwende. Revo ist damit sowohl Symptom als auch Ausnahme: zu groß, um unbemerkt zu scheitern.

