Riyadh Air hat am 5. Mai 2026 beim US-amerikanischen Department of Transportation (DOT) einen Antrag auf eine Betriebsgenehmigung für Flüge in die USA gestellt. Die saudische Airline will bis 2030 über 100 Destinationen anfliegen und verkauft bereits erste Tickets für die Route Riad–London. Hinter dem Projekt steckt Saudis Vision 2030 – und eine Flotte, auf die man noch wartet.
Riyadh Air existiert seit seiner Gründung 2023 vor allem als Marke: aufwendige Messeauftritte, große Bestelllisten, ambitionierte Netzwerkpläne. Doch die Flugzeuge kamen nicht. Nun gibt es einen konkreten nächsten Schritt: Am 5. Mai 2026 reichte die Airline beim US Department of Transportation einen formalen Antrag auf eine Foreign Air Carrier Permit sowie Exemption Authority ein – die Voraussetzung für planmäßige und Charterflüge zwischen Saudi-Arabien und den USA.
Die Anwälte der Airline baten das DOT ausdrücklich, den Antrag „zügig“ unter vereinfachten Genehmigungsverfahren zu bearbeiten. Ein Sprecher bestätigte gegenüber Skift: „We have applied for an operational permit to fly to the U.S. That's part of our operational plans for the future.“
Flotte kommt – aber verzögert
Das Kernproblem von Riyadh Air ist bekannt: Die bestellten Flugzeuge fehlen. Die Airline hat 39 feste Bestellungen für den Boeing 787-9 aufgegeben – ein Widebody-Jet, der für Langstrecken wie Riad–New York oder Riad–Los Angeles konzipiert ist. Lieferengpässe bei Boeing haben den kommerziellen Start mehrfach nach hinten verschoben.
Für die US-Routen plant Riyadh Air laut eigenem Statement den Einsatz des Airbus A350 – sobald diese Maschinen eintreffen. Wann genau, bleibt offen. Der Antrag beim DOT ist damit ein vorausschauender Schritt: Genehmigungen brauchen Zeit, und die Airline will startklar sein, sobald die Flotte steht.
Netzwerk wächst – mit bekannten Namen
Parallel zum US-Antrag hat Riyadh Air sein angekündigtes Streckennetz ausgebaut. Zu den bereits bestätigten Zielen London, Dubai und Kairo kommen nun Dschidda, Manchester und Madrid hinzu. Das ist ein Signal in mehrere Richtungen: Manchester bedient die wachsende saudische Diaspora in Nordengland, Madrid öffnet das spanischsprachige Markttor.
Für die Route Riad–London werden bereits diskret erste Tickets über Reisebüros verkauft – ein ungewöhnlicher Schritt für eine Airline ohne aktiven Flugbetrieb, aber ein klares Zeichen, dass der kommerzielle Start näher rückt.
- London (Vereinigtes Königreich)
- Dubai (VAE)
- Kairo (Ägypten)
- Dschidda (Saudi-Arabien, Inlandsflug)
- Manchester (Vereinigtes Königreich)
- Madrid (Spanien)
- USA (geplant, ausstehende DOT-Genehmigung)
Quelle: Riyadh Air / Skift, Mai 2026
Vision 2030: Riyadh Air als Wirtschaftsprojekt
Riyadh Air ist kein gewöhnliches Airline-Startup. Die Gesellschaft wurde 2023 vom Public Investment Fund (PIF) gegründet – dem saudischen Staatsfonds, der auch hinter Projekten wie NEOM und der LIV Golf League steht. Das erklärte Ziel: Riad als globalen Luftfahrt-Hub etablieren und die Abhängigkeit der saudischen Wirtschaft vom Öl reduzieren.
Saudi-Arabien will bis 2030 jährlich 150 Millionen Touristen anziehen. Dafür braucht das Land Direktverbindungen – und eine zweite nationale Airline neben Saudia. Riyadh Air soll diese Lücke füllen, mit einem jüngeren Markenauftritt und stärker internationalem Fokus.
Personal: Global rekrutieren, saudisch ausbilden
Wer eine Airline von null aufbaut, braucht Tausende ausgebildete Mitarbeitende – von Piloten über Kabinenpersonal bis zu Revenue-Management-Spezialisten. Riyadh Air rekrutiert weltweit, hat dabei aber einen gesetzlich verankerten Fokus auf die Saudisierung der Belegschaft: Ein wachsender Anteil der Stellen muss mit saudischen Staatsbürgern besetzt werden, was in einem Land mit begrenzter Luftfahrt-Tradition eine eigene Herausforderung darstellt.
- Globale Rekrutierung für operative Schlüsselpositionen (Piloten, technisches Personal)
- Intensives Trainingsprogramm für saudische Nachwuchskräfte
- Karrierepfade in Revenue Management, Commercial und IT für lokale Talente
- Wettbewerb mit Emirates, Qatar Airways und Saudia um dasselbe Fachpersonal
Zwischen Geduld und Glaubwürdigkeitsdruck
Riyadh Air hat bislang wenig falsch gemacht – aber auch wenig geflogen. Die Verzögerungen bei Boeing-Lieferungen sind branchenweit bekannt und treffen auch etablierte Carrier hart. Trotzdem wächst der Druck: Jedes Jahr ohne kommerziellen Betrieb kostet Glaubwürdigkeit bei Reisebüros, Unternehmenskunden und potenziellen Codeshare-Partnern.
Der DOT-Antrag ist insofern mehr als Bürokratie. Er zeigt, dass die Airline ihre Hausaufgaben macht, bevor die Flotte steht. Wer eine Genehmigung beantragt, plant konkret – und signalisiert dem Markt, dass der Start kein Moving Target mehr ist.

