Das Boutiquehotel Altstadt Vienna widmet Harald Krassnitzer die Suite Nr. 85 – den „Harry K Room“. Der österreichische Schauspieler ist dem Haus seit über 20 Jahren verbunden. Die Suite entstand gemeinsam mit Architekt Roland Nemetz und vereint Wiener Klassik mit zeitgenössischer Kunst.
Manche Hotelbeziehungen enden nach dem Check-out. Diese nicht. Harald Krassnitzer kam zum ersten Mal während Dreharbeiten ins Altstadt Vienna – und blieb. Nicht nur als Gast, sondern als jemand, der das Haus irgendwann mitprägte. Das Ergebnis: Suite Nr. 85, der „Harry K Room“, die nun fertiggestellt ist.
„Wer anfängt, eigene Möbel mitzubringen, hat sich sein eigenes Zimmer verdient“, sagt Krassnitzer augenzwinkernd. Kein schlechtes Argument.
Ein Konzept, das das Altstadt schon lange pflegt
Das Hotel in der Wiener Kirchengasse ist kein gewöhnliches Stadthotel. Die Gastgeberfamilie Wiesenthal hat im Lauf der Jahre eine Sammlung von Zimmern und Suiten aufgebaut, die jeweils Persönlichkeiten gewidmet sind – Stammgästen, Künstlern, Designern. Jeder Raum erzählt eine Geschichte, die sich mit dem Haus verknüpft hat.
Krassnitzer reiht sich in diese Riege ein. Bemerkenswert ist dabei der Vertrauensvorschuss: Die Suite wurde ihm gewidmet, bevor ein einziges Möbelstück feststand. Das ist selten – und zeigt, wie eng die Verbindung zur Gastgeberfamilie tatsächlich ist.
- Suite-Nummer: 85
- Hotel: Altstadt Vienna, Wien
- Gestaltung: Harald Krassnitzer gemeinsam mit Architekt Roland Nemetz
- Kunst: Werke von Xenia Hausner und Jonathan Monk
- Design-Highlights: Thonet-Stuhl, Eileen-Gray-Glastische, Vitra-Sessel, Skulptur von Dan Walker
- Verbindung zum Haus: Über zwei Jahrzehnte als Stammgast
Schlafzimmer vs. Wohnbereich: zwei Welten, ein Raum
Krassnitzer und Architekt Roland Nemetz haben die Suite bewusst zweigeteilt – nicht nur räumlich, sondern auch atmosphärisch.
Das Schlafzimmer: theatralisch und dicht
Eine tiefrote Wand dominiert den Raum und setzt ein Statement, das man eher aus einem Theaterfoyer kennt als aus einem Hotelzimmer. Antike Möbel, ein Thonet-Stuhl und ein Orientteppich zitieren Wien um 1900. Die Stimmung ist literarisch, fast ein bisschen düster – und genau das macht sie interessant.
Der Wohnbereich: hell und großbürgerlich
Hier wechselt die Tonlage komplett. Stuckdecken, Fischgrätparkett, eine zurückhaltende Farbpalette. Vitra-Sessel am Thonet-Esstisch, Eileen-Gray-Glastische, eine Bücherwand. Der Raum atmet, wirkt weit – und ist trotzdem mit Details besetzt, die man erst beim zweiten Hinschauen entdeckt.
Designklassiker treffen auf zeitgenössische Kunst – das ist keine neue Idee, aber hier sitzt die Mischung. Werke von Xenia Hausner und Jonathan Monk hängen an den Wänden. Eine Kuh-Skulptur von Dan Walker steht irgendwo dazwischen. Das ist kein Dekorkatalog – das ist eine Sammlung mit Haltung.Was das Modell „persönliche Suite“ für Hotels bedeutet
Das Altstadt Vienna zeigt mit dem Harry K Room, was eine langfristige Gästebeziehung konkret werden kann: nicht nur Bonuspunkte oder Upgrade-Garantien, sondern echte Co-Autorenschaft. Der Gast wird Teil der DNA des Hauses.
Für andere Häuser, die ähnliche Konzepte denken, lohnt sich der Blick auf die Voraussetzungen: Es braucht eine starke Hausidentität, echte Kontinuität in der Gästebeziehung und die Bereitschaft, Kontrolle abzugeben. Wiesenthal hat Krassnitzer die Suite zugesagt, bevor das Konzept stand. Das erfordert Vertrauen – in beide Richtungen.
- Langfristige Gästebeziehung als Grundlage – keine kurzfristige Kooperation
- Echter gestalterischer Einfluss des Gastes, keine reine Namensnennung
- Konsistenz mit der bestehenden Hausidentität (bei Altstadt Vienna: individuelle, künstlerisch geprägte Zimmer)
- Kommunikation nach außen, die die Geschichte erzählt – nicht nur das Ergebnis zeigt
Das Altstadt Vienna als Sonderfall
Das Hotel in der Kirchengasse 41 ist kein Kettenhaus und will es auch nicht sein. Die Zimmer und Suiten entstanden über Jahre mit internationalen Architektinnen, Designern und – wie jetzt – Stammgästen. Vitra und Thonet tauchen im Haus immer wieder auf, zeitgenössische Kunst gehört zum Inventar. Das schafft eine Konsistenz, die erkennbar ist, ohne uniform zu wirken.
Der Harry K Room ist die logische Weiterführung dieses Ansatzes. Nicht Erweiterung um des Wachstums willen – sondern Verdichtung dessen, was das Haus schon immer ausgemacht hat: Räume, die Geschichten tragen.

