Nur 36 % der regelmäßigen Konferenzbesucher sagen, dass ihr letztes Event klar messbaren ROI gebracht hat. 71 % gehen trotzdem mindestens zweimal im Jahr hin. Skift hat über 1.000 Travel-Executives befragt – Gründer, Commercial Heads, Product Leads – und die Ergebnisse zeigen: Das Problem ist nicht die Teilnahme, sondern was danach bleibt.
Zwei Tage weg, Flug, Hotel, Ticket – und am Ende hat man ein paar Zitate im Notizen-App, einen halb erinnerten Datenpunkt und das vage Gefühl, dabei gewesen zu sein. Das klingt vertraut? Laut der Skift-Umfrage unter mehr als 1.000 Travel-Executives ist es die Regel, nicht die Ausnahme.
ROI ja oder nein – und warum die Antwort meist ausweicht
Nur 36 % der Befragten sagen, ihr letztes Event habe klar ROI geliefert. Das bedeutet: Fast zwei Drittel stehen danach mit einem „war irgendwie nützlich, glaube ich“ da. Keine gute Antwort, wenn jemand fragt, was die Reise gebracht hat.
Dabei sinkt die Teilnahme nicht. 71 % gehen mindestens zweimal pro Jahr auf Konferenzen – trotz der durchwachsenen Bilanz. Skift nennt die Gründe offen: FOMO, Gewohnheit, das Gefühl, präsent sein zu müssen. Keine strategischen Gründe. Aber ehrliche.
Was schiefläuft – und alle kennen es
Die Kritikpunkte in der Umfrage klingen nicht dramatisch. Genau das ist das Problem – sie sind so bekannt, dass niemand mehr überrascht ist.
- 43 % bemängeln Panels, die ohne eine einzige verwertbare Aussage enden
- 40 % stören sich an Sponsor-Sessions, die als Content getarnt sind und dann doch in Produkt-Demos kippen
- 26 % sagen, der Zeitplan war so vollgepackt, dass kaum Raum für echte Gespräche blieb
55 % der Befragten sagen außerdem: In-Person lohnt sich nur dann, wenn sie dort etwas erfahren, das sie nicht aus einem Report oder einem Netzwerk-Call hätten. Das ist die eigentliche Messlatte – und die meisten Events springen nicht drüber.
Was Teilnehmer wirklich mitnehmen wollen
Die Befragung macht deutlich, was fehlt – und wie konkret die Erwartungen sind:
- 57 % wollen Takeaways, mit denen sie ihr Team danach leichter briefen können
- 55 % wollen eine klare Antwort auf die ROI-Frage
- 39 % wollen Tiefe statt Breite: ein Thema, das wirklich durchdrungen wird
- 38 % wollen Meetings, die schon vor Anreise feststehen
Das sind keine utopischen Wünsche. Es ist die Grundausstattung eines funktionierenden Fachforums. Dass diese Punkte trotzdem auf der Wunschliste stehen, sagt viel darüber aus, wo der Standard gerade liegt.
Was Skift daraus macht
Skift nutzt die Ergebnisse als Begründung für Änderungen am eigenen Veranstaltungsformat. Drei Ansätze stehen dabei im Vordergrund:
Meeting-Planung vor dem Event
Über die Skift-Live-App können Teilnehmer schon vor Anreise sehen, wer kommt, und Termine vereinbaren. Das wertvollste Gespräch einer Konferenz soll nicht mehr davon abhängen, ob man zufällig am Kaffeestand nebeneinandersteht.
Kleinere, themenspezifische Formate
Statt breiter Generalagenden setzt Skift auf fokussierte Veranstaltungen wie den Skift Data + AI Summit und das Skift Aviation Forum. Weitere Formate sollen folgen.
Stärkere Moderation, mehr Publikumsbeteiligung
Stage-Formate werden überarbeitet: engere Moderation, mehr Interaktion. Kein CEO, der etwas andeutet und dann wieder zurückrudert, weil die Zeit fehlt.
Fokussierte „Mini-Konferenzen“ zu einem einzigen Thema sind kein Nischenphänomen mehr. Formate wie das Skift Data + AI Summit oder spezialisierte Aviation- und Revenue-Gipfel folgen dieser Logik: weniger Breite, mehr Tiefe, klarerer Adressat. Für Hospitality-Professionals bedeutet das: Event-Budget gezielter einsetzen statt Generalveranstaltungen zu sammeln. Wer aus einer Konferenz konkrete Argumente für die nächste Budgetsitzung braucht, ist bei thematisch eng gefassten Formaten deutlich besser aufgehoben.
Was das für Hospitality-Professionals bedeutet
Die Zahlen sind branchenübergreifend erhoben, aber der Bezug zur Hotellerie und Gastronomie ist direkt. Wer Konferenzbudgets verantwortet – ob als GM, Director of Sales oder Head of HR –, stellt dieselben Fragen: Was haben wir mitgebracht? Was hat das gebracht?
Ein paar Orientierungspunkte für die nächste Event-Entscheidung:
- Gibt es ein konkretes Vorprogramm für Meetings – oder ist Networking dem Zufall überlassen?
- Hat das Event ein klar abgegrenztes Thema oder ist die Agenda eine Sammlung von allem?
- Gibt es nach dem Event strukturierte Takeaways, die du intern weitergeben kannst?
- Lassen sich Ergebnisse – Kontakte, Insights, Entscheidungen – im Nachhinein benennen?
Wer diese Fragen nicht mit Ja beantworten kann, hat gute Argumente, das Budget beim nächsten Mal woanders hinzulegen. Die Branche zahlt gerne für Konferenzen – aber die Geduld mit inhaltsleeren Formaten ist messbar kürzer geworden.

