Laut dem WTM Global Travel Report 2025, vorgestellt auf der World Travel Market in London, wächst die globale Reise- und Tourismusbranche in den kommenden zehn Jahren jährlich um 3,5 Prozent – die Weltwirtschaft legt nur 2,5 Prozent zu. Bis 2035 soll der Sektor über 16 Billionen US-Dollar zum globalen BIP beitragen und rund 89 Millionen neue Arbeitsplätze schaffen. 2026 liegt der Beitrag bereits bei 12 Billionen Dollar.
Tourismus überholt die Weltwirtschaft – und zwar dauerhaft
Die Zahlen klingen groß, sind aber gut belegt: Der World Travel Market Global Travel Report, der zum Auftakt der WTM London 2025 veröffentlicht wurde, zeichnet ein klares Bild. Reisen und Tourismus wachsen strukturell schneller als der Rest der Wirtschaft – und das nicht nur in einem guten Jahr, sondern über ein ganzes Jahrzehnt.
Konkret rechnet der Bericht mit einem jährlichen Wachstum von 3,5 Prozent für die Tourismusbranche, verglichen mit 2,5 Prozent für die Gesamtwirtschaft. Das klingt nach wenig Unterschied, summiert sich über zehn Jahre aber zu einem massiven Vorsprung. Schon 2026 soll der Sektor laut WTTC-Daten weltweit 12 Billionen US-Dollar zum BIP beitragen – ein Plus von 3,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr, während die Gesamtwirtschaft bei 2,4 Prozent liegt.
Was das Wachstum antreibt
Der Bericht nennt drei Haupttreiber, die das strukturelle Wachstum des Sektors erklären: das steigende Erlebnis-Bedürfnis der Reisenden, aufholende Märkte in Asien, Südostasien und Afrika sowie die Digitalisierung im Buchungs- und Gasterlebnis.
Emerging Markets spielen dabei eine besondere Rolle. Länder wie Indien, Vietnam oder Kenia bauen ihre touristische Infrastruktur aus und erschließen gleichzeitig neue Quellmärkte – eine Doppelwirkung, die in reifen Märkten so nicht mehr funktioniert.
- Erlebnisorientierung: Reisende geben mehr für Aufenthalte, Aktivitäten und kulinarische Erlebnisse aus – weniger für Statussymbole.
- Schwellenländer: Asien-Pazifik, Südostasien und Afrika bauen Kapazitäten aus und erzeugen neue Binnennachfrage.
- Digitale Transformation: KI-gestützte Buchungsstrecken, personalisiertes Marketing und smarte Hotel-Tech senken Kosten und erhöhen Conversion.
- Arbeitskräfte: Fast ein Drittel aller weltweit neu entstehenden Jobs entsteht im Tourismus – der Sektor ist ein globaler Beschäftigungsmotor.
Spanien führt in Europa – was bedeutet das für DACH?
Innerhalb Europas hebt der Bericht Spanien als stärksten Markt hervor. Das überrascht kaum: Spanien hat 2024 mit über 94 Millionen Ankünften einen neuen Rekord aufgestellt und investiert massiv in Infrastruktur und nachfrageorientiertere Kapazitätssteuerung. Die Debatte um Overtourism in Barcelona und auf den Kanaren zeigt aber auch: Wachstum um jeden Preis ist kein Modell mehr.
Für Deutschland, Österreich und die Schweiz heißt das: Die Nachfrage ist da, aber die Verteilung stimmt nicht immer. Wer in strukturschwachen Regionen investiert – ob Schwarzwald, Salzkammergut oder Graubünden – kann vom globalen Wachstumstrend profitieren, ohne in die Overtourism-Falle zu tappen.
Was die Zahlen für Hoteliers und Gastronomen bedeuten
Wachstumsberichte des WTTC landen oft in der Schublade „nett zu wissen“. Dabei liefern sie konkrete Planungsgrundlagen – zumindest für alle, die sie richtig lesen.
- Investitionen in Kapazitäten rechtfertigen sich über einen längeren Zeitraum – die Nachfrage wird nicht einbrechen.
- Der Arbeitsmarkt bleibt eng: 89 Millionen neue Jobs weltweit heißt auch, dass die Konkurrenz um gute Leute steigt.
- Digitalisierung ist kein Nice-to-have mehr – sie ist Voraussetzung, um in einem wachsenden Markt die Marge zu halten.
- Erlebnisse schlagen Standardleistungen: Wer nur Zimmer verkauft, verliert gegenüber Anbietern, die Aufenthalte gestalten.
- Emerging Markets als Quellmärkte ernst nehmen – Gäste aus Indien, den Philippinen oder Nigeria sind keine Randnotiz mehr.
Der WTM Global Travel Report erscheint jährlich zur World Travel Market in London und gilt als einer der meistzitierten Branchenberichte weltweit. Die zugrundeliegenden WTTC-Daten fließen in nationale Tourismusstrategien von über 180 Ländern ein.

