Airbnb, Uber und TikTok verfolgen gerade dieselbe Strategie: Sie wollen die erste Anlaufstelle für Reisebuchungen werden. Noch hat niemand dieses Rennen gewonnen. Reisekosten steigen mit doppelter Inflationsrate. Und Hotelmarken haben gleich mehrere Probleme mit Gen Z – nicht nur eines.
Drei Plattformen, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben. Airbnb vermietet Unterkünfte, Uber fährt Menschen durch die Gegend, TikTok zeigt kurze Videos. Und doch setzen alle drei gerade auf exakt dieselbe Idee: Sie wollen die gesamte Reisebuchung unter einem Dach bündeln. Den Super-App-Moment im Travel-Segment für sich beanspruchen.
Geklappt hat es bislang bei keinem. Im Skift-Podcast „Good Morning Hospitality“ haben Wil Slickers, Michael Goldin, Brandreth Canaley und Jamie Lane genau diese Dynamik auseinandergenommen – und was sie für Betreiber konkret bedeutet.
Der Super-App-Traum: Gut für Plattformen, schwierig für Betreiber
Die Logik hinter dem Ansatz ist klar: Wer den Nutzer früh in der Reiseplanung abfängt und ihn bis zur Buchung begleitet, kontrolliert die Kundenbeziehung. Und damit die Marge. WeChat in China hat gezeigt, dass so ein Modell funktionieren kann – aber eben in einem sehr spezifischen Markt mit anderen Rahmenbedingungen.
Im westlichen Markt hakt es genau dort, wo es für Betreiber entscheidend wird. Solange Gäste nicht alle Reisebausteine über eine einzige App buchen müssen, fehlt der Anreiz für Unterkunfts-Hosts oder Hotels, tief in die Plattform-Integration zu investieren. Kein Zwang zur Vernetzung, kein Mehrwert, keine echte Bindung.
Super-App-Strategien scheitern oft nicht an Technologie, sondern an fehlenden Netzwerkeffekten auf der Anbieterseite.Reisekosten: Doppelt so schnell wie die Inflation
Parallel dazu verschärft sich ein anderes Problem. Laut der Podcast-Diskussion steigen Reisekosten derzeit mit doppelter Inflationsrate. Das trifft zwei Gruppen besonders hart:
- Preissensitive Gäste, die Reisen zunehmend als Luxus wahrnehmen
- Betreiber, die steigende Energie-, Personal- und Lebensmittelkosten nicht vollständig weitergeben können
Für Revenue Manager bedeutet das: Der Spielraum für Preiserhöhungen ist real – aber er hat eine Decke. Wer zu aggressiv erhöht, verliert genau die Gäste, die ohnehin schon schauen, ob TikTok-empfohlene Alternativen nicht billiger sind.
- Airbnb: Experimentiert mit Experiences, Co-Host-Netzwerken und stärkerer Pre-/Post-Stay-Kommunikation als Buchungsökosystem
- Uber: Uber Travel bündelt Flüge, Mietwagen und Hotels direkt in der App – vorerst vor allem für US-Nutzer
- TikTok: In-App-Buchungen über TikTok Shop, Kooperationen mit Travel-Creatorn und direkte Verlinkung zu OTAs testen das Modell im Influencer-Funnel
- Gemeinsamer Nenner: Alle drei wollen die Buchung näher an den Inspirationsmoment bringen – und dabei klassische OTAs umgehen
Gen Z: Mehr als ein Problem
Der dritte Diskussionsstrang trifft Hotelmarken besonders direkt. Gen Z hat nicht ein Problem mit klassischen Hotelmarken – sie hat mehrere.
Vertrauen in Marke statt Loyalität durch Punkte
Treueprogramme, die auf Meilen und Punkten aufgebaut sind, ziehen Gen Z kaum noch. Die Generation bucht eher nach Empfehlung, Ästhetik und Authentizität. Ein Hotel, das auf TikTok relevant ist, hat mehr Buchungspotenzial als ein Haus mit Gold-Status-Programm.
Erwartungen an digitale Erfahrungen
Check-in per App, kontaktloser Zugang, WhatsApp-Kommunikation: Was für ältere Generationen ein Nice-to-have ist, gilt für Gen Z als Mindeststandard. Wer diese Erwartungen nicht erfüllt, landet nicht in der engeren Auswahl – unabhängig von Sternekategorie oder Lage.
Preiswahrnehmung und Transparenz
Gen Z vergleicht schneller und umfassender als jede Generation zuvor. Resort Fees, versteckte Gebühren und intransparente Preisgestaltung sind Abbruchgründe – nicht Verhandlungsgrundlage.
Was bedeutet das für Betreiber konkret?
Die Super-App-Wette von Airbnb, Uber und TikTok läuft nicht gegen Hotels – sie läuft gegen klassische OTAs wie Booking.com und Expedia. Kurzfristig. Mittelfristig aber verändert sie, wie Gäste Inspiration und Buchungsentscheidung trennen – oder eben nicht mehr trennen.
- Distribution-Strategie überprüfen: Welche Kanäle bringen welche Gästesegmente – und zu welchem Preis?
- TikTok-Präsenz nicht als Marketing-Aufgabe delegieren, sondern als Buchungskanal ernst nehmen
- Direktbuchungsstrecke für mobile Nutzer optimieren – der Wechsel vom TikTok-Video zur Hotel-Website muss reibungslos sein
- Gen-Z-Pain-Points systematisch adressieren: Transparenz, Digital-Experience, Kommunikationskanäle
- Treueprogramm-Logik hinterfragen: Punkte allein halten keine jungen Gäste
Wer gewinnt das Super-App-Rennen?
Stand heute: niemand. Aber die Richtung ist klar. Plattformen, die es schaffen, Inspiration und Buchung in einem Interface zu verbinden – ohne Medienbruch, ohne Weiterleitung auf externe Seiten – werden die Nachfrage-Seite kontrollieren. Für Betreiber heißt das: Wer ausschließlich auf klassische OTA-Distribution setzt, überlässt die Kundenschnittstelle anderen.
Der Skift-Podcast bringt es auf den Punkt: Die Frage ist nicht ob eine Plattform dieses Rennen gewinnt – sondern wann, und wer dann noch direkten Gästekontakt hat.


