Das Wichtigste in Kürze

Johannes Eckelmann führt Cocoon Hotels als inhabergeführte Boutique-Gruppe in München – und wächst trotz Druck durch internationale Hotelketten weiter. Zuletzt kam das Boutiquehotel Stadthalle in Wien dazu, das seit September 2025 zur Cocoon-Familie gehört. Wie er Expansionspläne, Konversionen und den eigenen Stil zusammenbringt, erklärt er im Gespräch.

Inhabergeführte Hotels haben es in München nicht leicht. Die Kettenhotellerie drückt auf den Markt, Neuentwicklungen werden teurer, und Gäste erwarten heute mehr als ein sauberes Zimmer. Cocoon Hotels macht das trotzdem – und wächst. Gründer Johannes Eckelmann spricht über seinen Ansatz, Konversionen als Strategie und warum Boutique-Konzepte auch 2025 noch Chancen haben.

JE
Johannes Eckelmann
Gründer & Eigentümer
Cocoon Hotels, München
Eckelmann führt mehrere inhabergeführte Hotels unter den Marken Cocoon und Eckelmann Hotels in München. Die Gruppe ist bekannt für designorientierte Konzepte im Mid-Scale-Segment.
Bezug zum Thema Anlass des Gesprächs: Expansion der Gruppe, Markteintritt in Wien und der verschärfte Wettbewerb auf dem Münchner Hotelmarkt.

Münchner Markt: Druck von allen Seiten

München gilt als einer der härtesten Hotelstandorte Deutschlands – hohe Grundstückspreise, starke Saisonalität rund um Messe und Oktoberfest, und ein wachsendes Angebot durch internationale Ketten. Für kleine, inhabergeführte Gruppen bedeutet das: Entweder du hast ein klares Profil, oder du verlierst im Preiskampf.

Cocoon hat dieses Profil über Jahre entwickelt. Die Hotels setzen auf Designanspruch im bezahlbaren Segment – kein Luxus, aber auch keine austauschbare Budget-Box. Das Konzept funktioniert, weil es eine Lücke trifft: Gäste, die Charakter wollen, aber keine 300 Euro pro Nacht ausgeben können oder wollen.

Cocoon Hotels – Eckdaten
  • Inhabergeführte Gruppe mit Standorten in München
  • Marken: Cocoon Hotels & Eckelmann Hotels
  • 7 Hotels in München (Stand: vor Corona-Schließungen)
  • Neuzugang: Boutiquehotel Stadthalle Wien, ab September 2025
  • Strategie: Konversionen bestehender Immobilien statt Neubauten
  • Head of Real Estate & Development: Marvin Kaiser (seit 2024)

Konversionen statt Neubauten

Wer heute ein neues Hotel bauen will, braucht tiefe Taschen und einen langen Atem. Cocoon geht deshalb einen anderen Weg: Konversionen. Bestehende Immobilien übernehmen, umbauen, neu positionieren – das spart Entwicklungszeit und Baukosten, bringt aber eigene Herausforderungen mit sich.

Die Übernahme des Boutiquehotels Stadthalle in Wien zum 1. September 2025 ist ein Beispiel dafür. Ein bereits laufendes Haus, das in die Gruppe integriert wird – mit eigenem Charakter, der erhalten bleiben soll. Das ist der Unterschied zu einer Ketten-Übernahme: Eckelmann will keine Uniformität, sondern ein weiteres Haus mit eigener Handschrift.

Konversionen sind 2025 eine der meistdiskutierten Strategien in der europäischen Hotellerie – weil Neubauten durch gestiegene Baukosten und Zinsen kaum noch wirtschaftlich darstellbar sind.

Neue Struktur für Wachstum

Expansion braucht Struktur. Cocoon hat dafür die Position Head of Real Estate & Development neu besetzt: Marvin Kaiser verantwortet seit drei Monaten Immobilien und Entwicklung der Gruppe. Das Signal ist klar – die Gruppe will weiterwachsen, aber kontrolliert.

Wer als kleine Gruppe skaliert, braucht professionelle Entwicklungsstrukturen. Sonst frisst Wachstum mehr Energie als es bringt.

Für den Münchner Markt bedeutet das: mehr Konversionen, gezielte Standortwahl, kein blindes Wachstum. Wien zeigt, dass die Gruppe auch außerhalb Münchens denkt – ob weitere Städte folgen, bleibt offen.

Boutique gegen Kette: Wer hat die besseren Karten?

Die Frage ist nicht neu, aber sie bleibt relevant. Internationale Hotelketten haben Skalenvorteile bei Einkauf, Marketing und Kundenbindungsprogrammen. Was haben Boutique-Hotels dagegen?

  • Persönlichkeit und Wiedererkennungswert, den Standardmarken nicht bieten
  • Schnellere Entscheidungswege – kein Konzernfilter
  • Lokale Verwurzelung und Stadtbezug
  • Flexibilität bei Konzept und Positionierung
  • Direkte Kundenbindung ohne Loyalty-Programm-Abhängigkeit

Das reicht, wenn das Konzept sitzt und die Umsetzung stimmt. Cocoon ist dafür ein Beleg: Die Gruppe hat die Corona-Krise überlebt – damals schlossen alle sieben München-Hotels – und wächst seither weiter.

Boutique-Hotel vs. Kettenhotel – der ehrliche Vergleich

Boutique-Vorteil

  • Individuelles Profil, das Gäste aktiv suchen
  • Kein Markenzwang bei Konzept und Design
  • Schnellere Anpassung an Markttrends
  • Höhere Mitarbeiterbindung durch Unternehmenskultur

Ketten-Vorteil

  • Loyalty-Programme mit Millionen Mitgliedern
  • Günstigere Einkaufskonditionen durch Volumen
  • Bekannte Marke reduziert Buchungsrisiko
  • Zugang zu globalem Vertriebsnetz

Was Boutique-Konzepte wirklich brauchen

Charakter allein reicht nicht. Was funktionierende Boutique-Konzepte von gescheiterten unterscheidet, ist meist eine Kombination aus drei Faktoren: klares Zielgruppenprofil, konsequente Umsetzung vom Zimmer bis zum Frühstück, und wirtschaftliches Fundament – also Standorte, die die nötige Rate tragen.

München kann das – wenn die Lage stimmt und das Konzept nicht versucht, alles für alle zu sein. Wien kommt als nächster Markt dazu. Beide Städte haben eines gemeinsam: hohe Tourismusnachfrage, aber auch harten Wettbewerb. Genau das Umfeld, in dem starke Boutique-Konzepte am meisten zu gewinnen haben.

HÄUFIGE FRAGEN

Was macht Cocoon Hotels besonders gegenüber Kettenhotels?

Cocoon setzt auf individuelles Design und klares Profil im Mid-Scale-Segment – kein Luxus, aber auch keine austauschbare Budget-Unterkunft. Die inhabergeführte Struktur erlaubt schnellere Entscheidungen und echte Markenpersönlichkeit.

Wie wächst Cocoon Hotels – durch Neubauten oder Übernahmen?

Die Gruppe setzt primär auf Konversionen bestehender Immobilien. So kam zum Beispiel das Boutiquehotel Stadthalle in Wien ab September 2025 zur Gruppe – als laufendes Haus mit eigenem Charakter.

Wie viele Hotels hat Cocoon in München?

Die Gruppe betrieb zuletzt sieben Hotels in München unter den Marken Cocoon und Eckelmann Hotels. Alle Häuser waren während der Corona-Pandemie vorübergehend geschlossen.

Wer verantwortet die Expansion von Cocoon Hotels?

Marvin Kaiser ist seit 2024 Head of Real Estate & Development bei Cocoon Hotels und verantwortet Immobilien und Wachstumsstrategie der Gruppe.

Warum haben Boutique-Hotels trotz starker Kettenhotellerie noch eine Chance?

Boutique-Hotels punkten mit Persönlichkeit, lokaler Verankerung und Flexibilität – Eigenschaften, die standardisierte Kettenmarken strukturell nicht bieten können. Vorausgesetzt: Das Konzept sitzt und die Umsetzung stimmt konsequent durch.
Was denkst du? Schreib uns deine Meinung in die Kommentare — wir lesen jedes Feedback und antworten gern.
Kommentar schreiben →