Das Wichtigste in Kürze

Achim Schmitt, Dean der EHL Hospitality Business School, sagt: Die Branche hat sich zu lange auf Wachstum verlassen. Jetzt drücken Fachkräftemangel, hohe Fluktuation und die Frage, wie viel Technologie wirklich hilft.

Sein Punkt ist klar: Nicht weniger Menschen lösen das Problem, sondern bessere Bindung, mehr Entwicklung und ein stärkeres Gastgeberbild. In der Schweiz sieht er den Druck schon deutlich.

Die Hotellerie hat es sich zu gemütlich gemacht. Das sagt Achim Schmitt, Dean der EHL Hospitality Business School, in einem Gespräch beim EHL HumanX Summit in Lausanne.

Der harte Teil seiner Analyse: Wer nur auf Automation und Stellenabbau schaut, verschiebt das Problem. Gelöst ist dann nichts.

Warum Schmitt die Branche im Rückwärtsgang sieht

Schmitt beschreibt eine Branche, die jahrzehntelang vom Wachstum gelebt hat. Mehr Gäste, mehr Jobs, mehr Nachfrage — das hat viele Grundsatzfragen zugedeckt. In Märkten wie der Schweiz kippt das Bild jetzt, weil Gäste und Personal schwerer zu finden sind.

Sein Kernargument: Die Struktur der Hotellerie bremst echte Bewegung. Eigentümer, Betreiber und Marken verfolgen oft eigene Interessen. Das funktioniert gut, solange der Markt wächst. Wird der Kuchen nicht größer, knirscht es.

Wachstum kaschiert Schwächen

Das gilt laut Schmitt nicht nur für Hotels, sondern für ganze Geschäftsmodelle. Wenn die Auslastung steigt, bleiben schlechte Prozesse, schwache Führung oder wacklige Teams oft unsichtbar. Erst wenn das Wachstum stockt, zeigt sich, wie tragfähig ein Betrieb wirklich ist.

  • Eigentümer denken in Rendite.
  • Betreiber denken in Betrieb und Personal.
  • Marken denken in Reichweite und Vertrieb.

Retention schlägt Recruiting

Ein weiterer Punkt in Schmitts Analyse: Die Branche jagt zu oft neuen Kräften hinterher, statt die Leute zu halten, die schon da sind. Genau hier sieht er den größten Hebel. Hohe Fluktuation macht Hotels unattraktiv, vor allem für junge Talente.

Er nennt für viele Märkte Turnover-Raten von 30 bis 40 Prozent, im Budget-Segment teils noch mehr. Das passt auch zu den Sorgen vieler Arbeitgeber in der Branche. Ein Team, das sich ständig neu zusammensetzt, kann kaum Kultur aufbauen.

Drei Punkte, die du mitnehmen kannst

1. Halte Mitarbeitende länger im Betrieb, statt nur neue zu suchen.
2. Investiere in Learning & Development, nicht nur in Recruiting.
3. Prüfe jede Technologie darauf, ob sie echte Arbeit spart oder nur Kosten verschiebt.

Warum Bindung mehr bringt als Kampagnen

Schmitts Logik ist simpel: Wer Menschen gut entwickelt, macht den Job sichtbarer und stabiler. Wer Teams zerfallen lässt, verkauft sich selbst als Übergangsstation. Das merkt jeder Bewerber schnell.

Genau deshalb sieht er Lernen, Anerkennung und Teamkultur als echte Standortfaktoren. Nicht als weiche Themen. Als betriebliche Basis.

  • klare Einarbeitung statt improvisierter Start
  • konkrete Entwicklungspfade statt leere Versprechen
  • verlässliche Dienstplanung statt Dauerstress

Technologie hilft nur mit klarem Ziel

Schmitt lehnt digitale Tools nicht ab. Im Gegenteil: Er sieht Technologie als Teil der Antwort. Aber eben nicht als Ersatz für Menschen. Wer Technik nur nutzt, um Personal zu sparen, landet schnell in einer Sackgasse.

Sein Warnsignal: Sobald ein Hotel glaubt, es könne einfach mit weniger Leuten weiterlaufen, sinkt der Druck, Talente überhaupt noch ernsthaft zu gewinnen. Dann wird aus einem Engpass ein Dauerzustand.

Was Tech kann — und was nicht

Digitale Systeme können Prozesse glätten. Check-in, Reporting, Kommunikation und Forecasting laufen damit besser. Doch Authentizität entsteht nicht per Software. Ein gutes Gastgefühl bleibt am Ende eine Frage von Haltung, Sprache und Präsenz.

Das passt auch zur aktuellen Debatte rund um Hospitality Education: Die Branche braucht nicht nur digitale Kompetenz, sondern auch soziale Stärke. Wer führt, muss Menschen lesen können. Nicht nur Dashboards.

Automatisierung in Hotels — was spricht dafür, was dagegen?

Dafür spricht

  • schnellere Abläufe an Check-in und Front Office
  • weniger Routineaufgaben für das Team
  • bessere Datenbasis für Planung und Pricing

Dagegen spricht

  • weniger direkter Kontakt mit Gästen
  • Risiko, Personalprobleme nur zu verschleiern
  • ohne Kultur und Führung bleibt die Technik leer

Lokale Identität wird zum Standortvorteil

Besonders klar wird Schmitt beim Thema lokale Teams. Wenn ein Hotel in der Schweiz, in Frankreich, Italien oder Spanien authentisch wirken will, braucht es Menschen, die diese Kultur auch tragen. Genau da liegt das Problem vieler Schnelllösungen mit Personal aus dem Ausland.

Die Lösung mag kurzfristig helfen. Langfristig kann sie ein neues Problem schaffen: Gäste erwarten ein echtes Gefühl für Ort und Sprache. Das geht nicht komplett über Rekrutierung von außen.

Was das für die Praxis heißt

Hotels brauchen einen Plan für lokale Talente, nicht nur für freie Stellen. Dazu zählen Ausbildungswege, Aufstiegschancen und eine klare Arbeitgebermarke. Wer das ignoriert, verliert im Wettbewerb um junge Fachkräfte.

  1. Arbeite an der Bindung im bestehenden Team.
  2. Baue Lernpfade für Azubis und Quereinsteiger auf.
  3. Nutze Technik für Entlastung, nicht als Alibi.

Schmitts Diagnose klingt unbequem, ist aber nützlich. Die Branche muss sich weniger wie ein Wachstumsmarkt und mehr wie ein Reife-Markt verhalten. Das heißt: genauer führen, besser ausbilden, ehrlicher mit Technologie umgehen.

Oder kurz: Nicht jeder Engpass braucht mehr Software. Manchmal braucht er einfach ein besseres Team.

HÄUFIGE FRAGEN

Worum geht es in Achim Schmitts Kritik an der Hotellerie?

Er sagt, die Branche sei zu lange vom Wachstum getragen worden und habe dabei Personal, Führung und echte Veränderung zu wenig ernst genommen.

Warum hält Schmitt Retention für wichtiger als Recruiting?

Weil hohe Fluktuation Teams schwächt und Hotels unattraktiv macht. Wer Mitarbeitende hält und entwickelt, baut stabilere Betriebe auf.

Wie sieht Schmitt den Einsatz von Technologie?

Er sieht digitale Tools als Hilfe für Prozesse, aber nicht als Ersatz für Menschen. Technik löst aus seiner Sicht keine Kultur- oder Führungsprobleme.

Warum ist lokale Identität für Hotels so wichtig?

Gäste erwarten in Ländern wie der Schweiz, Frankreich, Italien oder Spanien ein echtes Gefühl für Ort und Kultur. Das tragen lokale Teams oft besser als rein kurzfristige Importlösungen.

Welche Maßnahmen nennt der Artikel für Hotels?

Bindung verbessern, Learning & Development ausbauen und Technologie nur dort einsetzen, wo sie wirklich entlastet.
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