14 Wirtschafts- und Branchenverbände unterstützen die DEHOGA-Kampagne „Wochenarbeitszeit jetzt“. Sie wollen das deutsche Arbeitszeitrecht an die EU-Arbeitszeitrichtlinie anpassen und von der täglichen auf eine wöchentliche Höchstarbeitszeit umstellen.
Im Fokus stehen mehr Spielraum bei Auftragsspitzen, Krisen und der Vereinbarkeit von Arbeit, Familie, Pflege und Ehrenamt. Betroffen sind vor allem Tourismus, Gastgewerbe sowie Messe- und Veranstaltungsbranche.
Worum es bei der Forderung geht
Die Debatte dreht sich um das deutsche Arbeitszeitrecht. Statt einer starren Tagesgrenze soll eine Wochenarbeitszeit gelten. Laut dem DEHOGA Bundesverband würden Betriebe und Beschäftigte dadurch flexibler planen können.
Der Vorstoß kommt nicht allein vom Hotel- und Gastgewerbe. Insgesamt 14 Wirtschafts- und Branchenverbände unterstützen die Kampagne „Wochenarbeitszeit jetzt“. Das Original dazu hat TOP HOTEL berichtet.
Aktuell: Das Arbeitszeitrecht setzt vor allem auf eine tägliche Höchstarbeitszeit.
Ziel der Verbände: mehr Spielraum über die Woche hinweg, ohne die Gesamtgrenze aus dem Blick zu verlieren.
Genanntes Einsatzfeld: Frühstücksservice, Hochzeiten, Messegeschäft, saisonale Spitzen.
Warum die Branche Druck macht
Die Verbände verweisen auf steigende Kosten, Bürokratie und eine schwache Konjunktur. Das macht die Planung schwerer. Gerade in Hotels, Restaurants, bei Events und in der Reisebranche laufen viele Abläufe nicht sauber im Acht-Stunden-Raster eines Bürotags.
- Frühdienst im Hotel
- Abendservice im Restaurant
- Spitzen an Wochenenden und Feiertagen
Der Kern der Kampagne: nicht mehr Arbeit, sondern anders verteilte Arbeit. Das ist ein wichtiger Unterschied. Denn wer im Frühstücksservice um 6 Uhr startet und abends eine Hochzeit fährt, braucht andere Zeitfenster als ein klassischer Bürojob.
Was die Verbände konkret nennen
Als zentrale Anwendungsfelder nennen die Initiatoren Auftragsspitzen, Krisenreaktion und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, Ehrenamt und Pflege. Genau dort sehen sie die Schwäche des aktuellen Systems. Die tägliche Höchstgrenze passt aus ihrer Sicht schlecht zu operativen Branchen.
Wer hinter der Forderung steht
Die Kampagne kommt aus der Branche und bekommt Rückendeckung aus mehreren Richtungen. Der DEHOGA Bundesverband treibt das Thema voran. Dazu kommen Stimmen aus Tourismus und Reisevertrieb.
Diese Stimmen nennt der Artikel
- Jana Schimke, Hauptgeschäftsführerin des DEHOGA Bundesverbandes
- Sven Liebert, Generalsekretär des Bundesverbands der Deutschen Tourismuswirtschaft (BTW)
- Albin Loidl, Präsident des Deutschen Reiseverbandes (DRV)
Auch der Bundesverband der Deutschen Tourismuswirtschaft und der Deutsche Reiseverband stehen mit im Zentrum der Debatte. Besonders spannend: Die Argumentation kommt nicht nur aus der Arbeitgeberperspektive. Die Verbände sprechen auch von mehr Gestaltungsspielraum für Beschäftigte.
„Ob Frühstücksservice, Hochzeitsfeier oder saisonale Spitzen: Starre tägliche Höchstgrenzen passen weder zur betrieblichen Realität noch zu den Bedürfnissen vieler Beschäftigter.“
– Jana Schimke, Hauptgeschäftsführerin des DEHOGA Bundesverbandes
„Tourismuswirtschaft bedeutet Mittelstand. Verlässlichkeit und Flexibilität sind entscheidend für einen zukunftsfähigen Tourismusstandort Deutschland. Die Wochenarbeitszeit ermöglicht unseren 250.000 Betrieben, diesem Anspruch jederzeit gerecht zu werden.“
– Sven Liebert, Generalsekretär des Bundesverbands der Deutschen Tourismuswirtschaft (BTW)
„Arbeitszeitflexibilität bedeutet für Beschäftigte der Reisewirtschaft nicht mehr Belastung, sondern mehr Gestaltungsspielraum und Anpassung an die Arbeitsrealität: Beratung und Service müssen dann möglich sein, wenn Kundinnen und Kunden buchen möchten.“
– Albin Loidl, Präsident des Deutschen Reiseverbandes (DRV)
Was politisch als Nächstes passiert
Laut dem Artikel steht die Reform im Koalitionsvertrag von Union und SPD bereits drin. Nach Angaben, auf die sich die Verbände berufen, soll das Bundesarbeitsministerium noch vor der Sommerpause einen Gesetzentwurf vorlegen. Das wäre der nächste echte Test für die Forderung.
Für Betriebe in Hotellerie und Gastronomie geht es dabei nicht um ein Randthema. Es geht um Planung, Personal und Stress in Stoßzeiten. Oder anders gesagt: Wer Schichten, Service und Events organisiert, merkt sofort, wie viel ein flexibleres Arbeitszeitmodell verändern kann.
Wochenarbeitszeit statt Tagesgrenze — was spricht dafür?
Dafür spricht
- Mehr Spielraum bei Früh-, Spät- und Eventdiensten
- Besserer Ausgleich bei Auftragsspitzen und Saisongeschäft
- Weniger Reibung zwischen Betrieb und Alltag der Mitarbeitenden
Dagegen spricht
- Ohne klare Regeln steigt das Risiko für längere Arbeitstage
- Schutz vor Überlastung muss sauber abgesichert bleiben
- In Betrieben mit schwacher Planung kann Flexibilität auch Druck erzeugen
Was du aus der Debatte mitnehmen solltest
Die Diskussion wird die Branche noch länger begleiten. Für Hotels, Restaurants und Reiseunternehmen ist sie vor allem ein Praxisthema: Wie lässt sich Arbeit so verteilen, dass Betrieb und Team damit klarkommen? Genau dort entscheidet sich, ob die Reform im Alltag hilft oder nur auf dem Papier gut aussieht.
- Prüf deine Schichtmodelle auf echte Spitzenzeiten.
- Trenn sauber zwischen Regelbetrieb und Saisongeschäft.
- Schau, welche Modelle im Team Zustimmung finden.

