Eine gemeinsame Studie von GBTA und Grab unter 1.200 Geschäftsreisenden in Südostasien zeigt: Die Navigation in unbekannten Städten ist der meistgenannte Stressfaktor auf Dienstreisen. 83 % der Befragten nutzen Transportmittel, die nicht durch die Firmenpolicy gedeckt sind. 93 % wünschen sich eine einzige Plattform für Transport- und Essenskosten.
Navigation als Haupt-Stressor – nicht Flug oder Hotel
Wer regelmäßig geschäftlich durch Bangkok, Jakarta oder Ho-Chi-Minh-Stadt reist, kennt das Problem: Kein einheitliches Netz, kaum lesbare Straßenschilder in Lokalschrift, und die App, die zuhause funktioniert, ist hier schlicht nicht verfügbar. Laut der GBTA-Grab-Studie ist genau das – die Fortbewegung in unbekannten Städten – der größte emotionale Belastungsfaktor für Geschäftsreisende in der Region. 44 % der Befragten verbinden Ground Transportation direkt mit negativen Emotionen.
Das ist bemerkenswert, weil die Branche bislang vor allem Flugverspätungen, Hotelqualität oder Zeitzonenstress als zentrale Schmerzpunkte behandelt. Transport auf der letzten Meile gerät dabei oft aus dem Blick – obwohl er den Alltag einer Dienstreise stärker prägt als jeder andere Faktor.
83 % fahren außerhalb der Policy – und wissen es
Der Befund ist für Travel Manager brisant: Nicht eine Minderheit, sondern die klare Mehrheit der Reisenden weicht beim Ground Transport von den Firmenrichtlinien ab. 83 % gaben an, Transportmittel zu nutzen, die nicht durch die offizielle Reisepolicy abgedeckt sind.
Das hat direkte Konsequenzen für zwei Bereiche:
- Compliance: Unapproved Bookings landen entweder in der Grauzone oder werden beim Expense-Report schlicht nicht eingereicht.
- Abrechnung: Fehlende Belege, unklare Kategorisierung und manuelle Nacherfassung kosten Zeit – auf beiden Seiten.
Die Studie spricht von „expense uncertainty“ als direktem Ergebnis dieser Lücke. Reisende wissen oft selbst nicht, ob und wie sie eine Fahrt erstattet bekommen.
- Herausgeber: GBTA (Global Business Travel Association) gemeinsam mit Grab
- Stichprobe: 1.200 Geschäftsreisende in Südostasien
- Größter Stressfaktor: Navigation und Transport in unbekannten Städten
- 83 % nutzen Transport außerhalb der Firmenpolicy
- 44 % verbinden Ground Transport mit negativen Emotionen
- 93 % wünschen sich eine zentrale Plattform für Transport- und Essenskosten
Was Reisende wirklich wollen: eine Plattform für alles
Die Lösung, die sich die Befragten wünschen, ist eindeutig: 93 % sprechen sich für eine einzige, einheitliche Plattform aus, die Ground Transportation und Mahlzeiten-Ausgaben in ganz Südostasien abdeckt. Eine Zahl, die selten so klar aus Reisenden-Befragungen hervorgeht.
Dahinter steckt ein praktisches Problem: Südostasien ist kein homogener Markt. Elf Länder, unterschiedliche Regulierungen, verschiedene lokale Anbieter – was in Singapur funktioniert, hilft in Kuala Lumpur wenig. Grab selbst ist in acht Märkten der Region aktiv und positioniert sich mit dieser Studie naturgemäß als Antwort auf genau diese Fragmentierung.
Was das für Travel Manager bedeutet
Die Studie legt drei konkrete Handlungsfelder nahe:
- Policy-Review für Emerging Markets: Wer Firmenpolicies für den südostasiatischen Markt 1:1 aus Europa überträgt, produziert Nicht-Compliance. Regionale Realitäten – Verfügbarkeit, Sicherheit, Preisstruktur – müssen einfließen.
- Plattform-Konsolidierung prüfen: Super-Apps wie Grab kombinieren Transport, Food Delivery und Payment in einer Oberfläche. Das hat Vorteile für die Abrechnung, bringt aber neue Fragen zur Datensouveränität und Integration mit bestehenden Expense-Systemen.
- Mitarbeiter-Kommunikation schärfen: Wenn 83 % außerhalb der Policy fahren, ist das kein Compliance-Problem allein – es ist auch ein Kommunikationsproblem. Klare, einfach zugängliche Richtlinien, die Reisende im Moment der Buchung erreichen, reduzieren Grauzone-Fahrten.
Kontext: Südostasien als Wachstumsmarkt im Business Travel
Der regionale Rahmen ist relevant: Südostasien mit seinen rund 640 Millionen Einwohnern in elf Ländern ist einer der am schnellsten wachsenden Märkte für Geschäftsreisen weltweit. Gleichzeitig bleibt die Infrastruktur uneinheitlich – zwischen Singapurs MRT-Netz und den Straßen in Siem Reap liegen Welten. Genau diese Diversität macht standardisierte Travel-Management-Lösungen so schwierig und den Wunsch nach regionaler Einheitlichkeit so verständlich.

