Jahrgang — der präzise Begriff für das Kalenderjahr, in dem die Trauben eines Weins geerntet wurden. Vintage wird ausschließlich im Weinbau-Kontext verwendet und steht nicht für Abfüll- oder Lagerdatum. Auf der Weinkarte wird der Vintage angegeben, weil er bei vielen Rebsorten der stärkste Qualitätsindikator ist: Witterung, Sonnenstunden und Niederschlag während der Reifung bestimmen Säurestruktur, Zuckergehalt und Tanninreife. Derselbe Wein in zwei benachbarten Jahrgängen kann sich spürbar unterscheiden.

Abgrenzung

Ein Non-Vintage-Wein (NV) ist ein bewusster Verschnitt aus mehreren Jahrgängen — Standard bei Champagner und vielen Sherrys. Der Verschnitt sichert den gleichbleibenden Haus-Stil trotz Jahrgangsschwankungen; er ist kein Qualitätsmangel. Reserva oder Gran Reserva in Spanien und Italien bezeichnen eine Mindest-Lagerdauer im Keller, nicht den Jahrgang. Millésimé im französischen Kontext ist die Kennzeichnung besonders herausragender Jahrgänge, etwa bei Champagnern.

In der Praxis

Der Sommelier ordnet einen Vintage immer im Kontext des Anbaugebiets ein: 2018 gilt im Rheingau als hervorragend, in Südtirol eher durchschnittlich, im Burgund mittelmäßig. Weinführer wie Gault&Millau oder Parker vergeben Jahrgangsbewertungen je Region. Auf Weinkarten steht der Vintage hinter Lage und Weingut; bei offen ausgeschenkten Weinen muss er nicht genannt werden. Beim Bestellen lohnt die Rückfrage, ob der angegebene Jahrgang noch verfügbar ist — auslaufende Jahrgänge sind häufig. Sommeliers steuern über die Jahrgangsangabe auch die Marge: ein angesehener Jahrgang rechtfertigt den höheren Aufschlag.

Herkunft

Lateinisch vindemia (Weinlese), über französisch vendange ins mittelalterliche Englisch. Vintage im heutigen Sinn taucht ab dem 19. Jahrhundert auf; die weltweite Standardisierung auf Weinkarten ist eine Entwicklung des 20. Jahrhunderts, mit der Globalisierung des Weinhandels.

Weiterfuehrend: Slow Food Deutschland