Achat Hotels hat sein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung in knapp zwölf Monaten abgeschlossen – im Januar 2026 war es offiziell beendet. Die Geschäftsführer sprechen von einem harten, aber wichtigen Schritt. Für die deutsche Hotellerie ist die Geschichte symptomatisch: Insolvenzen sind kein Randphänomen mehr, sondern ein reales Steuerungsinstrument in der Krise.
Knapp zwölf Monate. So lange brauchten Achat Hotels, um ein komplettes Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung zu durchlaufen. Im Januar 2026 war das Verfahren beendet. „Wir sind raus, sind durchfinanziert, und die operativen Zahlen entwickeln sich über Plan“, berichten die Geschäftsführer Philipp von Bodman und André Hintzen.
Das klingt nach einem Happy End. Aber der Weg dorthin war alles andere als einfach.
Doppelbelastung: Management unter Volllast
Was Philipp von Bodman als eine der größten Herausforderungen benennt, kennen viele Hoteliers nur aus der Theorie – bis es sie selbst trifft: „Einerseits mussten umfangreiche administrative Schritte umgesetzt werden, andererseits lief das operative Tagesgeschäft in allen Hotels uneingeschränkt weiter.“
Zwei parallele Welten also. Im Hintergrund liefen Gläubigerverhandlungen, Restrukturierungsgespräche, juristische Abstimmungen. Im Vordergrund: Gäste einchecken, Frühstück servieren, Teams führen. Von Bodman fasst zusammen, was das erfordert: „Klare Strukturen, schnelle Entscheidungswege und eine hohe Disziplin im Management.“
Hinzu kam die emotionale Dimension – die laut Originalbericht im vollständigen Artikel in der Tophotel-Ausgabe 5/2026 ausführlich beleuchtet wird.
Beim Verfahren der Insolvenz in Eigenverwaltung bleibt die Unternehmensführung im Amt, statt dass ein externer Insolvenzverwalter das Ruder übernimmt. Ein Sachwalter überwacht das Verfahren, aber das Management steuert die Sanierung selbst. Das setzt eine hohe Eigenverantwortung voraus – und funktioniert nur, wenn Gläubiger dem Management noch vertrauen.
- Voraussetzung: Kein Verdacht auf Benachteiligung der Gläubiger
- Vorteil: Unternehmenskultur und Führungsteam bleiben erhalten
- Werkzeug: Häufig kombiniert mit dem sogenannten Schutzschirmverfahren nach § 270b InsO
- Dauer: Typischerweise 12–24 Monate, je nach Komplexität
Warum Insolvenzen in der Hotellerie zunehmen
Achat Hotels ist kein Einzelfall. Die deutsche Hotellerie steckt in einem strukturellen Umbruch. Steigende Energiekosten, höhere Personalkosten durch Tarifsteigerungen, verändertes Buchungsverhalten und ein historisch schwaches Konferenzgeschäft haben viele Betreiber in enge Liquiditätssituationen gebracht.
Dazu kommt: Selbst gut geführte Häuser geraten unter Druck, wenn die Finanzierungsstruktur nicht zur neuen Kostenbasis passt. Wer in Niedrigzinsphasen mit knappem Eigenkapital finanziert hat, spürt das jetzt doppelt.
- Gestiegene Betriebskosten (Energie, Personal, Lebensmittel)
- Höhere Zinslast durch Refinanzierungen
- Verändertes MICE-Geschäft nach der Pandemie
- Strukturelle Überkapazitäten in Stadthotellerie-Märkten
- Wachsende Erwartungen an Investitionen (Digitalisierung, Renovierung, ESG)
Was das Verfahren wirklich bedeutet
Der Begriff „Insolvenz“ löst reflexartig Schrecken aus – bei Gästen, Mitarbeitenden, Lieferanten. Das ist ein Problem, das viele betroffene Betreiber unterschätzen. Die eigentliche Herausforderung ist oft weniger die Restrukturierung der Finanzen als das Reputationsmanagement nach innen und außen.
Dabei wäre eine sachlichere Betrachtung hilfreich: Ein Insolvenzverfahren ist ein gesetzlich geregelter Prozess, der Unternehmen ermöglicht, Schulden unter Aufsicht neu zu ordnen – ohne den Betrieb einzustellen. In vielen Fällen kommen Gläubiger dabei besser weg als bei einer Liquidation.
Insolvenz in Eigenverwaltung – Chancen und Risiken
Dafür spricht
- Führungsteam bleibt an Bord
- Unternehmenskultur bleibt erhalten
- Schnellere Entscheidungswege als bei Fremdverwaltung
- Schuldenschnitt möglich ohne Betrieb zu stoppen
- Mitarbeitende sind über Insolvenzgeld (3 Monate) abgesichert
- Neustart mit bereinigter Bilanz
Dagegen spricht
- Enorme Management-Doppelbelastung
- Reputationsschaden bei Gästen und Partnern
- Gläubiger müssen zustimmen
- Hohes Maß an Transparenz gegenüber Sachwalter nötig
- Emotionale Belastung für Führungskräfte und Teams
- Kein Erfolg garantiert – Fehlentscheidungen bleiben teuer
Was MCH und andere daraus lernen
Neben Achat Hotels beleuchtet die Tophotel-Recherche auch MCH als weiteres Fallbeispiel. Details dazu sind im vollständigen Artikel der Tophotel-Ausgabe 5/2026 nachzulesen. Was beide Fälle gemeinsam haben: Der Neustart erfordert mehr als nur Schuldenabbau. Es geht um strukturelle Korrekturen – am Geschäftsmodell, an der Kostenbasis, an der Finanzierungsstruktur.
Die wichtigsten Hebel, die Sanierungsfälle in der Hotellerie erfahrungsgemäß nutzen:
- Portfoliobereinigung: Unrentable Standorte abgeben, starke behalten
- Neuverhandlung von Pachtverträgen mit realistischen Ansätzen
- Kostenstruktur grundlegend überarbeiten (Personal, Energie, Einkauf)
- Digitalisierung der Prozesse zur Effizienzsteigerung
- Klare Kommunikation mit Mitarbeitenden während des Verfahrens
- Frühzeitige Einbindung von Sanierungsexperten – nicht erst in der Notlage
Optimismus trotz Krise – geht das?
Was auffällt: Betroffene wie von Bodman und Hintzen sprechen nicht von Resignation. Sie sprechen von einem „wichtigen Schritt“. Das ist kein PR-Spin – es beschreibt eine Realität, die viele kennen, die erfolgreich saniert haben: Das Verfahren zwingt zu Entscheidungen, die vorher zu lange aufgeschoben wurden.
Ob Mietverträge mit falschen Konditionen, zu breites Portfolio oder zu schwache Eigenkapitalbasis – eine Insolvenz macht Schluss mit dem Weiterwursteln. Das ist schmerzhaft. Aber es schafft eine Ausgangsbasis, die betriebswirtschaftlich tragfähig ist.
Achat Hotels jedenfalls plant laut eigenen Aussagen mit Zahlen über Plan. Das ist, nach allem was das vergangene Jahr bedeutet hat, kein schlechter Befund.

