64 % der Reiseveranstalter planen laut einer aktuellen Studie des TravelTech Show, ihre KI-Investitionen in den nächsten zwölf Monaten zu erhöhen. 21 % wollen ihr KI-Budget sogar verdoppeln. Größtes Ziel: bessere Customer Experience und mehr Loyalität – aber fast ein Drittel der Befragten weiß nicht einmal, wie ihre Kunden GenAI nutzen.
Die Reisebranche investiert weiter massiv in KI – und das Tempo zieht an. Für den TravelTech Show 2026 (24.–25. Juni, Excel London) wurden 103 Vertreter europäischer Reiseunternehmen befragt. Das Ergebnis ist eindeutig: KI bleibt das Investment-Thema Nummer eins. Zum dritten Mal in Folge.
Was die Zahlen sagen
64 % der Befragten erhöhen ihre KI-Ausgaben im kommenden Jahr. Ein Fünftel davon – 21 % – verdoppelt das Budget gleich ganz. Weitere 31 % steigern es um bis zu 20 %. Das ist kein vorsichtiges Herantasten mehr, das ist eine klare Richtungsentscheidung.
Warum KI – und wofür genau?
Die Branche investiert nicht blind. Die Befragten nennen drei klare Ziele, die sie mit KI erreichen wollen:
- 32 % wollen Customer Experience verbessern und Kundenloyalität steigern
- 18 % zielen auf höhere Buchungskonversionsraten
- 16 % wollen Kosten senken
Customer Experience schlägt also Kostenreduktion deutlich. Das ist eine Verschiebung gegenüber früheren Jahren, in denen Effizienz und Automatisierung dominierten. Die Branche hat verstanden: KI kann mehr als E-Mails beantworten. Sie kann Gäste binden.
KI führt – aber mit abnehmendem Vorsprung
Zum dritten Mal in Folge landet KI auf Platz eins der Technologien, in die Reiseunternehmen investieren wollen. Aber der Trend zeigt nach unten:
43 % planen KI-Investitionen – 2024 waren es noch 56 %. Das klingt nach Rückgang, ist aber eher Normalisierung. Buchungssysteme und CRM holen auf. Wer KI ernst nimmt, braucht eben auch das Fundament darunter.
Das blinde Auge: Was Unternehmen über ihre Kunden nicht wissen
Trotz aller Investitionsbereitschaft klaffen massive Wissenslücken. Und das ist das eigentliche Problem der Studie.
- 31 % der Befragten wissen nicht, wie ihre Kunden GenAI nutzen, um mit dem Unternehmen zu interagieren
- 21 % wissen nicht, woher ihre Kunden, Buchungen und der Website-Traffic via Online-Suche kommen
Kurz gesagt: Ein Drittel der Branche investiert in KI, ohne zu verstehen, wo die eigenen Kunden KI bereits einsetzen. Das ist, als würde man ein neues Reservierungssystem kaufen, ohne zu wissen, wie die Gäste bisher gebucht haben.
- Datengrundlage schaffen: Tracking und Analytics konsequent aufsetzen – woher kommen Buchungen, woher Traffic, welche Touchpoints konvertieren?
- GenAI-Nutzung der Gäste verstehen: Auswerten, welche Anfragen über Chatbots, Sprachsuche oder KI-Assistenten reinkommen – und welche nicht beantwortet werden
- KI nicht isoliert denken: CRM, Buchungssystem und Datenmanagement müssen KI-ready sein – sonst verpufft das Investment
- Budget-Roadmap aufstellen: Nicht einfach „mehr KI“, sondern klären: Welches Problem löst welches Tool – und wie misst du den Erfolg?
Tech-Stack als Ganzprojekt – nicht als KI-Sprint
Thauan Albuquerque, Sales Manager des TravelTech Show, bringt es im Originalbericht auf den Punkt:
„AI is only one part of a much broader technology ecosystem. Travel companies can't afford to take their eye off the ball when it comes to investing in the entire tech stack, including bookings and reservations systems, CRM, payment solutions and data management, if they want to unlock the full value of innovation.“
– Thauan Albuquerque, Sales Manager, TravelTech Show
Der Punkt trifft. KI ohne CRM ist ein Chatbot ohne Gedächtnis. KI ohne solides Buchungssystem ist ein Empfehlungsalgorithmus, der ins Leere läuft. Wer nur in KI investiert und den Rest des Tech-Stacks vernachlässigt, kauft sich ein Sportwagen-Lenkrad – und baut es in einen Traktor ein.
Was das für Hoteliers und Reiseprofis bedeutet
Die Studie ist zwar auf europäische Reiseveranstalter ausgerichtet – aber die Implikationen gelten für die gesamte Hospitality-Branche. Wer jetzt KI-Budgets freigibt, ohne gleichzeitig Datenstrategie, CRM-Integration und Team-Qualifikation zu adressieren, riskiert genau das Gegenteil von dem, was er will: höhere Kosten, schlechtere Customer Experience und keine messbaren Ergebnisse.
Der TravelTech Show findet am 24. und 25. Juni 2026 im Excel London statt. Die Teilnahme ist für Tech-Verantwortliche in Reiseunternehmen kostenlos. Die vollständige Studie liegt dem Veranstalter vor.

