Das Wichtigste in Kürze

Laut einer aktuellen Untersuchung der Regent's University London bevorzugen 58 % der Recruiter in der Hospitality-Branche Bewerberinnen und Bewerber, die durch persönliche Empfehlungen kommen – gegenüber klassischen Kaltbewerbungen. Für Berufseinsteiger bedeutet das: Networking ist kein Nice-to-have, sondern eine Kernkompetenz. Wer früh die richtigen Verbindungen knüpft, hat beim Jobeinstieg einen strukturellen Vorteil.

Gute Noten, ein solides Praktikumszeugnis, ein gepflegter Lebenslauf – und trotzdem keine Rückmeldung. Wer frisch aus dem Studium in Hotellerie, Gastronomie oder Eventmanagement einsteigt, kennt dieses Gefühl. Die Ernüchterung hat einen Grund: Die Branche funktioniert stark über persönliche Kontakte – und das lässt sich jetzt mit Zahlen belegen.

Die Studie: Empfehlung schlägt Bewerbungsmappe

Forscherinnen und Forscher der Regent's University London haben Recruiter aus der Hospitality-Branche befragt, wie sie Nachwuchskräfte auswählen. Das Ergebnis ist eindeutig: 58 % ziehen Kandidatinnen und Kandidaten mit persönlicher Empfehlung einer klassischen Kaltbewerbung vor. Fast sechs von zehn Personalverantwortlichen gewichten also den sozialen Vertrauensvorschuss höher als den formalen Bewerbungsprozess.

Das ist kein Zufall. Hospitality ist eine People-Business-Branche – Vertrauen, Verlässlichkeit und kultureller Fit zählen stärker als anderswo. Wer von jemandem empfohlen wird, den der Recruiter kennt und schätzt, bringt diesen Vertrauensvorschuss bereits mit.

Was die Studie konkret sagt
  • 58 % der Hospitality-Recruiter bevorzugen Bewerbungen mit persönlicher Empfehlung
  • Quelle: Regent's University London
  • Befragt wurden Recruiter aus der internationalen Hospitality-Branche
  • Kaltbewerbungen ohne Netzwerkbezug haben strukturell einen schwierigeren Stand

Was das für deinen Jobeinstieg bedeutet

Die Konsequenz ist unbequem, aber klar: Wer nur auf Stellenportale setzt, spielt mit erschwerter Ausgangslage. Das heißt nicht, dass Bewerbungen über Indeed, LinkedIn oder Hoteljobs.de sinnlos sind – aber sie reichen allein nicht aus. Networking ist gleichwertig mit dem Aufbau fachlicher Qualifikationen.

Wo Netzwerke in der Hospitality entstehen

  • Praktika und Werkstudentenjobs – die intensivsten Netzwerk-Inkubatoren überhaupt. Wer in einem Haus gut arbeitet, bleibt im Gedächtnis.
  • Branchenevents und Messen – ITB Berlin, INTERNORGA, Hotelympia: Hier treffen sich Recruiter und Nachwuchs auf Augenhöhe.
  • LinkedIn aktiv nutzen – nicht nur profil anlegen und warten. Kommentieren, eigene Erfahrungen teilen, Kontakte nach echten Gesprächen vernetzen.
  • Alumni-Netzwerke der eigenen Hochschule – oft unterschätzt, aber viele Recruiter suchen gezielt in Hochschulnetzwerken nach Empfehlungen.
  • Verbände wie DEHOGA, JRE oder Jeunes Restaurateurs – bieten Nachwuchsprogramme mit direktem Kontakt zu Entscheidungsträgern.

Mentoring: Der schnellste Weg ins Netzwerk

Wer noch kein gewachsenes Netzwerk hat, kann sich eines aufbauen – und Mentoring ist dabei einer der direktesten Wege. Die Logik dahinter: Die beste Mentorin, der beste Mentor ist jemand, der die Position bereits innehat, die du anstrebst. Diese Person hat nicht nur Wissen, sondern auch Kontakte – und kann im besten Fall zur Empfehlung werden.

Wichtig dabei: Mentoring funktioniert nicht transaktional. Wer nur auf die Empfehlung aus ist, merkt, dass echte Beziehungen langsamer, aber beständiger entstehen. Zeig echtes Interesse, bring eigene Perspektiven ein, und sei zuverlässig.

Tipp aus der Redaktion: Schreib keine generische LinkedIn-Anfrage. Erkläre in 2 Sätzen, warum du genau diese Person anschreibst – und was dich an ihrer Karriere konkret interessiert.

Wie du Mentoring in der Hospitality findest

  • Hospitality-Verbände mit Nachwuchsprogrammen kontaktieren (z. B. DEHOGA)
  • LinkedIn: GMs, F&B-Manager oder Spa-Direktoren direkt ansprechen – viele antworten, wenn die Anfrage konkret ist
  • Hochschul-Career-Services fragen: Viele haben Mentoring-Matching bereits eingebaut
  • Bei Praktika nach einer Feedback-Runde fragen – das ist der erste Schritt zu einer Mentor-Beziehung
  • Ehemalige Vorgesetzte aus Nebenjobs pflegen: Ein kurzer Update-Check alle paar Monate hält die Beziehung lebendig

Hard Skills bleiben wichtig – aber sie öffnen keine Türen

Das alles bedeutet nicht, dass Fachwissen egal ist. Kenntnisse in Revenue Management, Opera Cloud oder HACCP, Sprachkompetenz, Servicestandards – das alles ist Voraussetzung. Aber es ist der Türöffner danach, der den Unterschied macht. Fachkompetenz bringt dich durch den Bewerbungsprozess. Das Netzwerk bringt dich überhaupt erst in ihn rein.

Kaltbewerbung vs. Empfehlung
Kaltbewerbung
Persönliche Empfehlung
Recruiter-Präferenz
42 %Kein persönlicher Vorab-Kontakt
58 %Vertrauensvorschuss durch Dritte
Einstiegshürde
HochKonkurrenz mit allen Bewerbungen
NiedrigerOft direkter Kontakt zum Entscheider
Aufbauzeit
SofortJederzeit einreichbar
LangfristigNetzwerk braucht Zeit
Quelle: Regent's University London

Fazit: Netzwerk aufbauen ist Berufsausbildung

58 % ist keine Randnotiz – das ist eine strukturelle Aussage über die Branche. Hospitality hat nie versteckt, dass Beziehungen zählen. Jetzt gibt es dafür eine Zahl. Wer das als Berufseinsteigerin oder Berufseinsteiger ernst nimmt, behandelt den Aufbau von Kontakten genauso professionell wie das Lernen für die nächste Prüfung. Nicht aufdringlich, nicht transaktional – sondern mit echtem Interesse an den Menschen hinter den Berufsbiografien. Das ist die Währung, die in dieser Branche wirklich zählt.

HÄUFIGE FRAGEN

Warum ist Networking in der Hospitality so wichtig?

Laut einer Studie der Regent's University London bevorzugen 58 % der Recruiter Kandidatinnen und Kandidaten mit persönlicher Empfehlung gegenüber Kaltbewerbungen. Die Branche basiert stark auf Vertrauen und persönlichen Beziehungen.

Wie baue ich als Berufseinsteiger ein Netzwerk in der Hotellerie auf?

Praktika, Branchenmessen wie die ITB Berlin oder INTERNORGA, aktives LinkedIn-Networking und Alumni-Netzwerke deiner Hochschule sind gute Startpunkte. Wichtig: Echtes Interesse zeigen statt nur Kontakte sammeln.

Was bringt Mentoring für die Hospitality-Karriere?

Mentorinnen und Mentoren, die bereits die Position innehaben, die du anstrebst, bringen Fachwissen und Kontakte mit. Im besten Fall werden sie zur Empfehlung – und öffnen damit direkt Türen zu Recruitern.

Sind klassische Kaltbewerbungen in der Hotellerie sinnlos?

Nicht sinnlos, aber strukturell im Nachteil. Wer Stellenportale nutzt und gleichzeitig aktiv netzwerkt, hat die beste Ausgangslage. Nur auf Kaltbewerbungen zu setzen, reicht in den meisten Fällen nicht aus.

Welche Verbände helfen beim Netzwerkaufbau in der Hospitality?

DEHOGA bietet Nachwuchsprogramme und Kontakte zu Branchenentscheidern. Auch JRE (Jeunes Restaurateurs) und regionale Hotelverbände haben Mentoring- und Netzwerkformate für Einsteiger.
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