Das Wichtigste in Kürze

Die Tarifverhandlungen im hessischen Gastgewerbe sind seit Januar festgefahren. Die NGG fordert 7,5 Prozent mehr Gehalt plus 300 Euro Gesundheitszuschuss jährlich. Der Dehoga Hessen bietet ein Prozent über 24 Monate. Jetzt drohen Warnstreiks – besonders in Frankfurt und Wiesbaden, ohne Vorankündigung.

Keine Einigung, kein Kompromiss, kein Termin: Die Tarifverhandlungen im hessischen Hotel- und Gaststättengewerbe stecken fest. Seit der ersten Verhandlungsrunde im Januar hat sich laut Gewerkschaft NGG auf Arbeitgeberseite nichts bewegt. Jetzt zieht die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten die Daumenschrauben an.

Was die NGG fordert – und was der Dehoga bietet

Die Positionen liegen weit auseinander. NGG-Verhandlungsführer Hendrik Hallier macht die Forderungen klar: 7,5 Prozent mehr Gehalt und Ausbildungsvergütung sowie 300 Euro Gesundheitszuschuss pro Jahr. Begründung: weniger Personal, gleiche Arbeit, steigende Belastung.

Tarifpositionen im Vergleich
NGG-Forderung
Dehoga-Angebot
Gehaltserhöhung
+7,5 %für alle Beschäftigten inkl. Auszubildende
+1 %ab Juli, Laufzeit 24 Monate
Ungelernte Kräfte
+7,5 %eingeschlossen
keine Erhöhunglaut NGG-Darstellung
Gesundheitszuschuss
300 € / Jahrneu, bislang nicht tariflich
nicht vorgesehen
Quelle: Angaben laut tophotel.de, Mai 2026

Besonders brisant: Laut NGG soll das Dehoga-Angebot Gehaltserhöhungen für ungelernte Arbeitskräfte komplett ausklammern. NGG-Landeschef Hakan Ulucay kritisiert das scharf – trotz Mehrwertsteuersenkung auf Speisen von 19 auf 7 Prozent komme bei den Beschäftigten nichts an.

„Vorabankündigung gibt es nicht“

Hallier macht Ernst. Seine Ansage ist eindeutig:

Vorabankündigungen wie bei der Bahn wird es nicht geben. Gleichzeitig werden dies die größten Streiks, die diese Branche in der Bundesrepublik jemals erlebt hat.

– Hendrik Hallier, NGG-Verhandlungsführer

Erste Warnstreiks könnten demnach kurzfristig in Frankfurt, Wiesbaden und weiteren hessischen Städten starten. Hotels, Restaurants und Cateringbetriebe sind gleichermaßen betroffen. Für Betriebe ohne Notfallpläne kann das zum echten Betriebsproblem werden.

Dehoga: Wirtschaftsdruck als Argument

Gisbert J. Kern, Hauptgeschäftsführer des Dehoga Hessen, sieht die Lage anders. Er bestätigte das Angebot von einem Prozent ab Juli bei 24 Monaten Laufzeit – und verwies auf den wirtschaftlichen Kontext.

Zahlen zur Lage: Gastgewerbe unter Druck
  • Realer Umsatzrückgang bundesweit in den ersten zwei Monaten 2026: −4,6 % gegenüber dem Vorjahr
  • Verglichen mit dem Vorkrisenjahr 2019: −20,1 %
  • In vielen Betrieben arbeitet laut NGG rund ein Drittel weniger Personal als vor der Pandemie
  • Hessen: Tarifverhandlungen seit Januar 2026 ohne Ergebnis

Quelle: Dehoga-Angaben über tophotel.de, Mai 2026

Kern betonte außerdem, dass der Dehoga nicht nur organisierte Großbetriebe vertrete, sondern flächendeckend auch mittelständische Häuser im ländlichen Raum – ein Faktor, der NGG-Forderungen in der Praxis schwer umsetzbar mache. Den Ton der Gewerkschaft bezeichnet er als „erschreckend“.

Wie geht es weiter?

Beide Seiten signalisieren zumindest Gesprächsbereitschaft. Laut Dehoga liegen Vorschläge für neue Verhandlungstermine auf dem Tisch, und es gebe Signale, dass die Gespräche zeitnah wieder aufgenommen werden könnten.

Ob das reicht, um Streiks noch abzuwenden, ist offen. Die NGG hat klar gemacht, dass sie die Initiative nicht mehr warten lässt.

Für Hoteliers und Gastronomen in Hessen gilt jetzt: Szenarien durchspielen. Wer keinen Notfallplan für kurzfristige Arbeitsniederlegungen hat, sollte das nachholen – unabhängig davon, wie die Verhandlungen ausgehen.

Was das für die Branche bedeutet

Der Konflikt in Hessen steht stellvertretend für eine Spannung, die bundesweit wächst. Auf der einen Seite: Beschäftigte, die reale Kaufkraftverluste hinnehmen und mit weniger Personal mehr Schichten stemmen. Auf der anderen: Betriebe, die seit Jahren mit dünnen Margen kämpfen und steigende Lohnkosten kaum weitergeben können.

  • Warnstreiks in Frankfurt und Wiesbaden könnten kurzfristig Frühstücksservice, Bankettgeschäft und Restaurantbetrieb treffen
  • Cateringfirmen mit Großaufträgen (Messen, Events) sind besonders exponiert
  • Für Betriebe mit hohem Anteil ungelernter Kräfte ist die Frage zur Gehaltsanpassung dieser Gruppe ein echter Knackpunkt
  • Langfristig: Bleibt die Lücke zwischen Gehaltsniveau und anderen Branchen groß, verschärft das den Fachkräftemangel weiter

HÄUFIGE FRAGEN

Was fordert die NGG in den Tarifverhandlungen für das hessische Gastgewerbe?

Die NGG fordert eine Gehalts- und Ausbildungsvergütungserhöhung von 7,5 Prozent sowie einen jährlichen Gesundheitszuschuss von 300 Euro für alle Beschäftigten, einschließlich ungelernter Arbeitskräfte.

Was bietet der Dehoga Hessen den Beschäftigten an?

Der Dehoga Hessen hat laut eigenen Angaben eine Gehaltserhöhung von einem Prozent ab Juli bei einer Laufzeit von 24 Monaten angeboten. Für ungelernte Kräfte ist laut NGG keine Erhöhung vorgesehen.

Wann und wo könnten die Warnstreiks stattfinden?

NGG-Verhandlungsführer Hendrik Hallier kündigte an, dass erste Warnstreiks kurzfristig und ohne Vorankündigung starten könnten – besonders in Frankfurt, Wiesbaden und anderen hessischen Städten.

Warum kritisiert die NGG die Mehrwertsteuersenkung auf Speisen?

Die Mehrwertsteuer auf Speisen wurde dauerhaft von 19 auf 7 Prozent gesenkt. Die NGG argumentiert, dass diese Entlastung nicht an die Beschäftigten weitergegeben wird, obwohl sie dazu beitragen würde, höhere Löhne zu finanzieren.

Gibt es Chancen auf eine Einigung vor den Streiks?

Beide Seiten signalisieren grundsätzliche Gesprächsbereitschaft. Der Dehoga hat laut eigenen Angaben Vorschläge für neue Verhandlungstermine unterbreitet. Ob das ausreicht, um Warnstreiks noch abzuwenden, ist Stand Mai 2026 offen.
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