Die Tarifverhandlungen im hessischen Gastgewerbe sind seit Januar festgefahren. Die NGG fordert 7,5 Prozent mehr Gehalt plus 300 Euro Gesundheitszuschuss jährlich. Der Dehoga Hessen bietet ein Prozent über 24 Monate. Jetzt drohen Warnstreiks – besonders in Frankfurt und Wiesbaden, ohne Vorankündigung.
Keine Einigung, kein Kompromiss, kein Termin: Die Tarifverhandlungen im hessischen Hotel- und Gaststättengewerbe stecken fest. Seit der ersten Verhandlungsrunde im Januar hat sich laut Gewerkschaft NGG auf Arbeitgeberseite nichts bewegt. Jetzt zieht die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten die Daumenschrauben an.
Was die NGG fordert – und was der Dehoga bietet
Die Positionen liegen weit auseinander. NGG-Verhandlungsführer Hendrik Hallier macht die Forderungen klar: 7,5 Prozent mehr Gehalt und Ausbildungsvergütung sowie 300 Euro Gesundheitszuschuss pro Jahr. Begründung: weniger Personal, gleiche Arbeit, steigende Belastung.
Besonders brisant: Laut NGG soll das Dehoga-Angebot Gehaltserhöhungen für ungelernte Arbeitskräfte komplett ausklammern. NGG-Landeschef Hakan Ulucay kritisiert das scharf – trotz Mehrwertsteuersenkung auf Speisen von 19 auf 7 Prozent komme bei den Beschäftigten nichts an.
„Vorabankündigung gibt es nicht“
Hallier macht Ernst. Seine Ansage ist eindeutig:
Vorabankündigungen wie bei der Bahn wird es nicht geben. Gleichzeitig werden dies die größten Streiks, die diese Branche in der Bundesrepublik jemals erlebt hat.
– Hendrik Hallier, NGG-Verhandlungsführer
Erste Warnstreiks könnten demnach kurzfristig in Frankfurt, Wiesbaden und weiteren hessischen Städten starten. Hotels, Restaurants und Cateringbetriebe sind gleichermaßen betroffen. Für Betriebe ohne Notfallpläne kann das zum echten Betriebsproblem werden.
Dehoga: Wirtschaftsdruck als Argument
Gisbert J. Kern, Hauptgeschäftsführer des Dehoga Hessen, sieht die Lage anders. Er bestätigte das Angebot von einem Prozent ab Juli bei 24 Monaten Laufzeit – und verwies auf den wirtschaftlichen Kontext.
- Realer Umsatzrückgang bundesweit in den ersten zwei Monaten 2026: −4,6 % gegenüber dem Vorjahr
- Verglichen mit dem Vorkrisenjahr 2019: −20,1 %
- In vielen Betrieben arbeitet laut NGG rund ein Drittel weniger Personal als vor der Pandemie
- Hessen: Tarifverhandlungen seit Januar 2026 ohne Ergebnis
Quelle: Dehoga-Angaben über tophotel.de, Mai 2026
Kern betonte außerdem, dass der Dehoga nicht nur organisierte Großbetriebe vertrete, sondern flächendeckend auch mittelständische Häuser im ländlichen Raum – ein Faktor, der NGG-Forderungen in der Praxis schwer umsetzbar mache. Den Ton der Gewerkschaft bezeichnet er als „erschreckend“.
Wie geht es weiter?
Beide Seiten signalisieren zumindest Gesprächsbereitschaft. Laut Dehoga liegen Vorschläge für neue Verhandlungstermine auf dem Tisch, und es gebe Signale, dass die Gespräche zeitnah wieder aufgenommen werden könnten.
Ob das reicht, um Streiks noch abzuwenden, ist offen. Die NGG hat klar gemacht, dass sie die Initiative nicht mehr warten lässt.
Was das für die Branche bedeutet
Der Konflikt in Hessen steht stellvertretend für eine Spannung, die bundesweit wächst. Auf der einen Seite: Beschäftigte, die reale Kaufkraftverluste hinnehmen und mit weniger Personal mehr Schichten stemmen. Auf der anderen: Betriebe, die seit Jahren mit dünnen Margen kämpfen und steigende Lohnkosten kaum weitergeben können.
- Warnstreiks in Frankfurt und Wiesbaden könnten kurzfristig Frühstücksservice, Bankettgeschäft und Restaurantbetrieb treffen
- Cateringfirmen mit Großaufträgen (Messen, Events) sind besonders exponiert
- Für Betriebe mit hohem Anteil ungelernter Kräfte ist die Frage zur Gehaltsanpassung dieser Gruppe ein echter Knackpunkt
- Langfristig: Bleibt die Lücke zwischen Gehaltsniveau und anderen Branchen groß, verschärft das den Fachkräftemangel weiter

