Die erste Tarifrunde im hessischen Gastgewerbe ist gescheitert. Die NGG droht mit Warnstreiks in Hotels, Restaurants und Cateringbetrieben in Hessen. Der Dehoga Hessen will zurück an den Verhandlungstisch.
Das hessische Gastgewerbe steckt im Tarifkonflikt. Nach einer geplatzten ersten Verhandlungsrunde zwischen dem Dehoga Hessen und der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) dreht die Gewerkschaft den Druck hoch: Warnstreiks in hessischen Städten stehen im Raum – quer durch Hotels, Restaurants und Cateringbetriebe.
Welche Positionen aufeinanderprallen
Der Riss zwischen den Verhandlungsparteien ist tief. Die NGG fordert 7,5 Prozent mehr Gehalt. Die Arbeitgeberseite legte in der ersten Runde ein Angebot vor, das die Gewerkschaft als inakzeptabel zurückwies: 1 Prozent mehr – verteilt über 30 Monate. Für ungelernte Kräfte soll laut Berichten sogar gar nichts kommen.
Die NGG bezeichnete das Angebot als respektlosen Reallohnverlust. Angesichts der Inflationsentwicklung der vergangenen Jahre ist das kein leeres Schlagwort: Wer nominal 1 Prozent über zweieinhalb Jahre bekommt, verliert real Kaufkraft.
Das Argument des Dehoga: Mehrwertsteuersenkung zuerst
Der Dehoga Hessen argumentiert, die Betriebe bräuchten zuerst Stabilität. Im Kern: Bevor höhere Löhne möglich seien, müsse die Politik liefern – konkret die dauerhafte Senkung der Mehrwertsteuer auf Speisen in der Gastronomie zurück auf 7 Prozent.
Das Argument ist in der Branche nicht neu. Viele Gastronomen kämpfen mit engen Margen, gestiegenen Energie- und Lebensmittelkosten. Aber: Für die Beschäftigten ist das wenig tröstlich. Sie sehen, wie die Preise im Supermarkt steigen – und warten auf einen Tarifabschluss.
Tarifverträge im Gastgewerbe werden regional zwischen den Landesverbänden des Dehoga und der NGG ausgehandelt. Hessen ist dabei kein Einzelfall: Ähnliche Konflikte gab und gibt es in Bayern, NRW und anderen Bundesländern. Die NGG vertritt rund 200.000 Mitglieder bundesweit, ein erheblicher Teil davon in der Hotellerie und Gastronomie. Warnstreiks sind ein klassisches Druckmittel in stockenden Tarifrunden – sie treffen Betriebe im Tagesgeschäft und erzeugen Medienaufmerksamkeit.
Was Warnstreiks für Betriebe bedeuten
Strategisch angekündigte Streiks – wie die NGG sie plant – treffen den Betrieb gezielt dann, wenn es wehtut: Wochenenden, Veranstaltungen, Stoßzeiten. Für Hotels und Restaurants bedeutet das:
- Kurzfristige Personalausfälle ohne Vorlauf
- Absagen oder Qualitätsprobleme bei Veranstaltungen und Banketts
- Reputationsrisiko bei Stammgästen und Buchungsplattformen
- Erhöhter Koordinationsaufwand für Betriebsleitung und HR
- Mögliche Solidarisierung weiterer Beschäftigter
Wer als Betrieb keine Notfallplanung hat, steht dann schnell blank da. Das ist kein Vorwurf – es ist ein Hinweis, dass Tarifkonflikte Vorbereitung brauchen, nicht nur Abwarten.
Dehoga signalisiert Gesprächsbereitschaft
Nach der Streikandrohung hat der Dehoga Hessen klargemacht, dass er zurück an den Verhandlungstisch will. Das ist das richtige Signal. Ob es reicht, hängt davon ab, ob sich das Angebot inhaltlich bewegt – oder ob es bei Symbolik bleibt.
Beide Seiten wissen, dass ein langer Arbeitskampf niemandem nützt – nicht den Betrieben, nicht den Beschäftigten. Die Frage ist, wer zuerst auf die andere Seite zugeht und mit einem ernsthafteren Angebot antritt.
Was jetzt kommt
Ein Datum für die zweite Tarifrunde steht nach aktuellem Stand nicht fest. Die NGG hat die Streikandrohung als Druckmittel positioniert – nicht als Ende der Gespräche. Das lässt Raum für eine Einigung, wenn der Dehoga sein Angebot spürbar nachbessert.
- Zweite Tarifrunde: Termin offen, Dehoga signalisiert Gesprächswillen
- Warnstreiks: Konkrete Städte und Daten noch nicht kommuniziert
- Politischer Kontext: Mehrwertsteuer-Debatte in der Gastronomie läuft parallel weiter

