Die Gewerkschaft NGG hat Beschäftigte in mehreren Frankfurter Messe-Hotels zum Warnstreik aufgerufen – bewusst zum Auftakt der Branchenmesse Imex. Die Forderung: 7,5 Prozent mehr Lohn und 300 Euro Gesundheitszuschuss pro Jahr. Das Angebot der Arbeitgeber liegt bislang bei einem Prozent über 30 Monate.
Dienstag, Imex-Auftakt, Hochbetrieb in den Hotels rund ums Frankfurter Messegelände – und genau dann legen Beschäftigte in mehreren Häusern die Arbeit nieder. Die Gewerkschaft NGG (Nahrung-Genuss-Gaststätten) hat den Warnstreik gezielt auf diesen Tag gelegt. Das Kalkül: maximale Sichtbarkeit, maximaler Druck.
Wer streikt – und wo
Betroffen sind Beschäftigte in zahlreichen Hotels in Messe-Nähe. Konkret genannt wurden:
- Steigenberger Hotels
- Radisson
- Marriott
- Hilton
- Westin Grand
- Crowne Plaza
Zusätzlich sollen am selben Tag die Flughafen-Lounges bestreikt werden. Am Vormittag war eine Kundgebung direkt an der Messe geplant. Für Gäste in den betroffenen Häusern bedeutet das: lückenhafter Service, mögliche Wartezeiten, eingeschränkter Betrieb.
Was die NGG fordert
Das Angebot der Arbeitgeber – und warum es die NGG ablehnt
Einen Prozent Lohnerhöhung, verteilt auf 30 Monate – das ist das aktuelle Angebot der Arbeitgeberseite. Für ungelernte Kräfte soll es laut Berichten gar keine Erhöhung geben. Die NGG lehnt das ab. Der Unterschied zur eigenen Forderung ist gewaltig: Selbst bei moderater Inflation von zwei bis drei Prozent pro Jahr wäre ein Prozent über zweieinhalb Jahre real ein Lohnverlust.
Mehr Druck angekündigt
NGG-Verhandlungsführer Hendrik Hallier machte deutlich, dass der Warnstreik kein Einzelereignis bleibt, wenn kein deutlich verbessertes Angebot kommt. Der Druck soll in den kommenden Wochen steigen. Ob das weitere Streiktage in Frankfurt oder anderen Städten bedeutet, ließ Hallier offen.
Die NGG verhandelt für Beschäftigte in Hotellerie und Gastronomie auf Landesebene. Tarifverträge im Gastgewerbe sind regional unterschiedlich – Hessen hat eigene Vereinbarungen. Die Branche kämpft seit Jahren mit Fachkräftemangel und hoher Fluktuation. Wer im Niedriglohnsegment arbeitet, ist auf Reallohnerhöhungen angewiesen, um nicht weiter abgehängt zu werden.
Was das für die Branche bedeutet
Warnstreiks bei Großveranstaltungen sind kein Zufall – sie sind Methode. Die Imex gilt als eine der wichtigsten Fachmessen für die globale Veranstaltungsbranche. Rund 3.500 Aussteller und Tausende Fachbesucher sind in Frankfurt. Wenn in den umliegenden Hotels das Frühstücksbuffet hakt oder der Check-in stockt, fällt das auf.
Für Beschäftigte in der Hotellerie ist die Botschaft klar: Der Arbeitsmarkt ist angespannt, die Bereitschaft zum Streik wächst. Hotels, die auf günstige Arbeitskräfte ohne Lohnperspektive setzen, riskieren nicht nur Streiks – sondern auch, dass sie schlicht keine Bewerber mehr finden.


