Das Wichtigste in Kürze

Wellness- und Gesundheits-Retreats gelten als Instrument zur Markenentwicklung – nicht als Zusatzangebot. Spa-Beraterin Dagmar Rizzato von Rizzato Spa Consulting erklärt im Interview, welche Zielgruppen Hotels damit gewinnen, warum externe Coaches oft mehr bringen als interne Teams und was Retreats finanziell attraktiv macht.

DR
Foto: Privat
Dagmar Rizzato
Geschäftsführerin
Rizzato Spa Consulting
Dagmar Rizzato berät Hotels bei der Entwicklung und Positionierung von Spa- und Wellness-Konzepten.
Bezug zum Thema Sie begleitet Hotels beim Aufbau von Retreat-Formaten – von der Konzeption über die Partnerwahl bis zur Marktpositionierung.
Dagmar, warum sind Gesundheits- und Wellness-Retreats für Hotels mehr als nur ein Trend?

Gäste suchen nicht nur Erholung, sondern eine spürbare Wirkung wie Stressreduktion, Prävention und Lebensstiloptimierung. Retreats bedienen dieses Transformationsbedürfnis strukturiert und begleitet. Während klassische Spa-Angebote oft austauschbar sind, schaffen kuratierte Retreat-Formate mit klarer Thematik und Expertise Wiedererkennbarkeit.

Sie bieten Hotels die Möglichkeit, neue Kernkompetenzen zu testen, zu entwickeln und im Gästekreis zu etablieren. In Kombination mit medizinischer oder therapeutischer Expertise sprechen Retreats anspruchsvolle Zielgruppen gezielt an. Damit sind Retreats kein Add-on, sondern ein Instrument zur nachhaltigen Marken- und Geschäftsentwicklung.

Welche Vorteile bieten Retreats bei Markenpositionierung und Umsatz?

Klare thematische Spezialisierungen stärken die Markenkompetenz eines Hotels und schaffen eine eindeutige Positionierung. Ein gut geplantes Retreat mit erfahrenen Partnern erhöht die Sichtbarkeit, die Expertise und die Glaubwürdigkeit des Hauses. Dadurch kann sich das Hotel im Wettbewerbsumfeld differenzieren und entwickelt sich von einer reinen Unterkunft zu einer echten Kompetenzmarke.

Gleichzeitig führen Retreats zu einer Umsatzsteigerung. Sie erzielen in der Regel höhere Erlöse pro Tag und Gast als klassische Benchmarks und verlängern die Aufenthaltsdauer. Abhängig vom Thema bringen die Gäste eine höhere Zahlungsbereitschaft mit und generieren zusätzliche Einnahmen, insbesondere durch Retreat-bezogene Merchandise-Produkte. Intelligente Retreat-Konzepte sind zudem margenstärker, da sie weniger preisvergleichbar sind. Für den Erfolg eines Retreats sind insbesondere das Konzept, der Ablaufplan und die Auswahl der Partner entscheidend.

Welche Zielgruppen lassen sich mit Retreats neu ansprechen?

Hier entscheidet das Thema mehr als das Format „Retreat“ selbst. Neue Gästegruppen zu gewinnen, braucht Geduld und sehr gute, zielgerichtete Kommunikation, denn der Organisations- und Betreuungsaufwand darf nicht unterschätzt werden. Besonders relevant sind zum Beispiel leistungsorientierte Berufstätige, gesundheitsbewusste Best Ager oder werteorientierte Zielgruppen, die gezielt Themen wie Stressreduktion, Prävention oder Persönlichkeitsentwicklung suchen.

Externe Coaches oder eigene Mitarbeitende – was funktioniert besser?

Das ist sehr davon abhängig, was an internen Kompetenzstärken vorhanden ist. Der „Big Name“ eines Themas hilft natürlich in der Auslastung der Retreats, weil diese meist eine starke Community beziehungsweise Fangruppe im Rücken haben. Oft wirkt ein populärer „Visiting Practitioner“, wie es international heißt, deutlich stärker als eine interne Person.

Anders ist es, wenn mehrere interne Kompetenzen zu einem Themenretreat gebündelt werden. Dann fallen die eingebundenen Personen während des Retreats aus der normalen Operation. Und im Rahmenprogramm des Retreats braucht es unbedingt auch Betreuung, was ebenfalls Personalressourcen bedeutet.

Was ein Retreat-Konzept braucht
  • Klare thematische Spezialisierung – kein Sammelsurium von Angeboten
  • Detaillierter Ablaufplan mit definierten Programmpunkten
  • Geprüfte externe Partner oder gebündelte interne Expertise
  • Dedizierte Betreuungskapazität neben dem laufenden Betrieb
  • Zielgerichtete Kommunikation – Retreat-Gäste buchen nicht spontan
  • Merchandise oder Produkte, die das Retreat-Thema verlängern

Visiting Practitioner vs. internes Team

Externer Coach

  • Zieht eigene Community an
  • Glaubwürdigkeit durch bekannten Namen
  • Höhere Auslastung bei Launch
  • Kein dauerhafter Personalaufwand

Internes Team

  • Ressourcen fallen aus dem Tagesgeschäft
  • Aufbau dauert länger
  • Stärkere Bindung an das Haus möglich
  • Abhängig von vorhandenen Kompetenzen
Retreats sind kein Add-on – sie sind Markenstrategie.

Wer ein Retreat nur als zusätzliches Buchungspaket versteht, wird wenig damit anfangen. Der Unterschied liegt im Anspruch: Ein durchdachtes Format mit klarem Thema, verlässlichen Partnern und echtem Betreuungskonzept hebt ein Hotel aus dem Spa-Einheitsbrei heraus. Die Zielgruppen, die dafür zahlen – und gut zahlen – kommen nicht durch Preisvergleiche. Sie kommen wegen der Kompetenz.

HÄUFIGE FRAGEN

Was unterscheidet ein Wellness-Retreat von klassischen Spa-Angeboten?

Klassische Spa-Angebote sind oft austauschbar. Retreats bieten eine strukturierte, begleitete Erfahrung mit klarem Thema – etwa Stressreduktion oder Prävention – und sprechen gezielt anspruchsvolle Zielgruppen an.

Warum sind Retreats finanziell attraktiver als Standard-Spa-Pakete?

Retreats erzielen höhere Erlöse pro Tag und Gast, verlängern die Aufenthaltsdauer und sind weniger preisvergleichbar. Zusätzliche Einnahmen entstehen oft durch thematisches Merchandise.

Welche Zielgruppen buchen Wellness-Retreats bevorzugt?

Besonders relevant sind leistungsorientierte Berufstätige, gesundheitsbewusste Best Ager und werteorientierte Gäste, die aktiv nach Themen wie Stressreduktion, Prävention oder Persönlichkeitsentwicklung suchen.

Lohnt sich ein externer Coach für Hotel-Retreats?

Laut Dagmar Rizzato wirkt ein bekannter Visiting Practitioner oft stärker als internes Personal, weil er eine eigene Community mitbringt. Interne Teams sind möglich, fallen aber aus dem Tagesgeschäft heraus.

Was sind die wichtigsten Erfolgsfaktoren für ein Hotel-Retreat?

Konzept, Ablaufplan und Partnerwahl sind laut Rizzato entscheidend. Dazu braucht es zielgerichtete Kommunikation und genug Betreuungskapazität neben dem normalen Hotelbetrieb.
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