Wellness- und Gesundheits-Retreats gelten als Instrument zur Markenentwicklung – nicht als Zusatzangebot. Spa-Beraterin Dagmar Rizzato von Rizzato Spa Consulting erklärt im Interview, welche Zielgruppen Hotels damit gewinnen, warum externe Coaches oft mehr bringen als interne Teams und was Retreats finanziell attraktiv macht.
Gäste suchen nicht nur Erholung, sondern eine spürbare Wirkung wie Stressreduktion, Prävention und Lebensstiloptimierung. Retreats bedienen dieses Transformationsbedürfnis strukturiert und begleitet. Während klassische Spa-Angebote oft austauschbar sind, schaffen kuratierte Retreat-Formate mit klarer Thematik und Expertise Wiedererkennbarkeit.
Sie bieten Hotels die Möglichkeit, neue Kernkompetenzen zu testen, zu entwickeln und im Gästekreis zu etablieren. In Kombination mit medizinischer oder therapeutischer Expertise sprechen Retreats anspruchsvolle Zielgruppen gezielt an. Damit sind Retreats kein Add-on, sondern ein Instrument zur nachhaltigen Marken- und Geschäftsentwicklung.
Klare thematische Spezialisierungen stärken die Markenkompetenz eines Hotels und schaffen eine eindeutige Positionierung. Ein gut geplantes Retreat mit erfahrenen Partnern erhöht die Sichtbarkeit, die Expertise und die Glaubwürdigkeit des Hauses. Dadurch kann sich das Hotel im Wettbewerbsumfeld differenzieren und entwickelt sich von einer reinen Unterkunft zu einer echten Kompetenzmarke.
Gleichzeitig führen Retreats zu einer Umsatzsteigerung. Sie erzielen in der Regel höhere Erlöse pro Tag und Gast als klassische Benchmarks und verlängern die Aufenthaltsdauer. Abhängig vom Thema bringen die Gäste eine höhere Zahlungsbereitschaft mit und generieren zusätzliche Einnahmen, insbesondere durch Retreat-bezogene Merchandise-Produkte. Intelligente Retreat-Konzepte sind zudem margenstärker, da sie weniger preisvergleichbar sind. Für den Erfolg eines Retreats sind insbesondere das Konzept, der Ablaufplan und die Auswahl der Partner entscheidend.
Hier entscheidet das Thema mehr als das Format „Retreat“ selbst. Neue Gästegruppen zu gewinnen, braucht Geduld und sehr gute, zielgerichtete Kommunikation, denn der Organisations- und Betreuungsaufwand darf nicht unterschätzt werden. Besonders relevant sind zum Beispiel leistungsorientierte Berufstätige, gesundheitsbewusste Best Ager oder werteorientierte Zielgruppen, die gezielt Themen wie Stressreduktion, Prävention oder Persönlichkeitsentwicklung suchen.
Das ist sehr davon abhängig, was an internen Kompetenzstärken vorhanden ist. Der „Big Name“ eines Themas hilft natürlich in der Auslastung der Retreats, weil diese meist eine starke Community beziehungsweise Fangruppe im Rücken haben. Oft wirkt ein populärer „Visiting Practitioner“, wie es international heißt, deutlich stärker als eine interne Person.
Anders ist es, wenn mehrere interne Kompetenzen zu einem Themenretreat gebündelt werden. Dann fallen die eingebundenen Personen während des Retreats aus der normalen Operation. Und im Rahmenprogramm des Retreats braucht es unbedingt auch Betreuung, was ebenfalls Personalressourcen bedeutet.
- Klare thematische Spezialisierung – kein Sammelsurium von Angeboten
- Detaillierter Ablaufplan mit definierten Programmpunkten
- Geprüfte externe Partner oder gebündelte interne Expertise
- Dedizierte Betreuungskapazität neben dem laufenden Betrieb
- Zielgerichtete Kommunikation – Retreat-Gäste buchen nicht spontan
- Merchandise oder Produkte, die das Retreat-Thema verlängern
Visiting Practitioner vs. internes Team
Externer Coach
- Zieht eigene Community an
- Glaubwürdigkeit durch bekannten Namen
- Höhere Auslastung bei Launch
- Kein dauerhafter Personalaufwand
Internes Team
- Ressourcen fallen aus dem Tagesgeschäft
- Aufbau dauert länger
- Stärkere Bindung an das Haus möglich
- Abhängig von vorhandenen Kompetenzen
Wer ein Retreat nur als zusätzliches Buchungspaket versteht, wird wenig damit anfangen. Der Unterschied liegt im Anspruch: Ein durchdachtes Format mit klarem Thema, verlässlichen Partnern und echtem Betreuungskonzept hebt ein Hotel aus dem Spa-Einheitsbrei heraus. Die Zielgruppen, die dafür zahlen – und gut zahlen – kommen nicht durch Preisvergleiche. Sie kommen wegen der Kompetenz.

