Alleine reisen, aber nicht allein sein: Junge Reisende buchen zunehmend Solotrips, suchen dabei aber aktiv nach sozialen Erlebnissen. Mad Monkey Hostels meldet, dass Suchanfragen nach Gruppentouren unter Alleinreisenden um 200 Prozent gestiegen sind. Hostels reagieren mit kuratierten Aktivitäten, die aus Fremden Reisegefährten machen.
Der Solotrip war lange das Statement der Unabhängigkeit: Kein Kompromiss beim Ziel, kein Warten auf andere, kein geteiltes Hotelzimmer – außer im Schlafsaal. Das bleibt. Was sich ändert, ist die Erwartung dahinter. Wer heute alleine bucht, will trotzdem ankommen und sofort dazugehören.
Mad Monkey Hostels, eine der bekanntesten Hostelketten in Südostasien, hat das in Zahlen gefasst: Unter alleinreisenden Gästen sind Suchanfragen nach Gruppentouren um 200 Prozent gestiegen. Das ist kein Nischenphänomen mehr.
Vom Trend zum Geschäftsmodell
Hostels haben das schon länger gespürt und reagieren mit Struktur statt Zufall. Gemeinsame Kochevents, organisierte Tagesausflüge, geführte Nachtwanderungen – das klassische Schwarze Brett mit selbstgeschriebenen Zetteln wird durch kurierte Social-Itineraries ersetzt. Das Ziel: möglichst früh Anknüpfungspunkte schaffen, bevor Gäste sich in ihren Betten vergraben.
Der Unterschied zu klassischen Gruppenreisen ist entscheidend: Niemand bucht eine geführte Bustour. Gebucht wird die Freiheit, und die soziale Komponente kommt obendrauf. Solo-Group-Travel nennt sich das in der Branche – alleine ankommen, gemeinsam unterwegs sein.
Warum gerade Gen Z diesen Modus wählt
Die Generation, die mit Instagram und TikTok aufgewachsen ist, hat keine Berührungsangst vor Fremden – zumindest nicht digital. Der Schritt vom Online-Kontakt zur echten Begegnung ist für viele logisch, manchmal sogar der eigentliche Reisegrund.
- Soziale Plattformen normalisieren Kontakte zu Unbekannten schon lange vor der Abreise
- Content-Kultur macht geteilte Erlebnisse attraktiver als stille Solomomente
- Sicherheitsgefühl: besonders für alleinreisende Frauen senkt eine Gruppe die Hemmschwelle
- Kostenverteilung bei Touren, Taxis und Aktivitäten funktioniert in der Gruppe einfacher
- Online-Bekanntschaften werden in Hostels zu echten Freundschaften
Auch United Airlines hat beobachtet, dass Google-Suchanfragen rund um „Solo Travel“ kontinuierlich steigen – der Begriff taucht in Travel-Vlogs und Selbstfindungs-Content auf Plattformen so häufig auf wie kaum ein anderes Reisethema.
Was das für Hostels konkret bedeutet
Der Druck, mehr als Betten zu verkaufen, steigt. Wer heute junge Alleinreisende ansprechen will, braucht ein Programm – kein vollgepacktes Clubhotel-Konzept, aber einen sichtbaren sozialen Rahmen. Die Frage ist nicht mehr nur: Wo schläfst du? Sondern: Was passiert, wenn du ankommst?
- Kuratierte Gruppentouren – buchbar direkt beim Check-in, oft mit Hostel-Mitarbeitenden als Guides
- Social Itineraries – tagesstrukturierte Aktivitäten, die Gäste zu festen Uhrzeiten zusammenbringen
- Community Spaces – keine Lobby mehr, sondern Ko-Working, Küche, Spielabende
- App-Integration – Gäste-Chats, Mitfahrangebote, spontane Gruppenbildung digital organisiert
Solo-Group-Travel als Marktchance
Für die Reisebranche ist das eine klare Gelegenheit. Gruppentouren für Alleinreisende – ohne feste Paare oder Familien als Zielgruppe – sind ein wachsendes Segment. Anbieter wie Contiki oder Intro Travel haben das früh erkannt und bauen ihr Portfolio gezielt für Reisende zwischen 18 und 35 aus.
Das Hostel der Zukunft ist weniger Unterkunft als sozialer Knotenpunkt. Wer das versteht, hat bei Gen Z einen echten Vorteil – denn die bucht nicht das Bett, sondern das Erlebnis drumherum.


