Spirit Airlines hat Chapter 7 beantragt und liquidiert jetzt vollständig. Hohe Treibstoffkosten infolge des Iran-Kriegs und ein gescheiterter 500-Millionen-Dollar-Regierungskredit haben die Airline endgültig das Leben gekostet. Rund 17.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verlieren ihren Job.
Es ist vorbei. Spirit Airlines hat in einem über 500 Seiten langen Gerichtsschreiben die letzten Stunden des Unternehmens dokumentiert und den Weg zur vollständigen Liquidation eingeschlagen. Die Billigfluggesellschaft, die seit Jahren ums Überleben kämpfte, stellt den Betrieb komplett ein.
100 Millionen Dollar in 60 Tagen verbrannt
Der unmittelbare Auslöser ist klar: Zwischen dem 1. März und dem 30. April 2026 hat Spirit laut eigenen Angaben 100 Millionen Dollar allein für Treibstoff ausgegeben. Der Iran-Krieg hatte die Kerosinpreise auf ein Niveau getrieben, das für eine Airline mit ohnehin dünnen Margen nicht mehr tragbar war.
Laut dem Gerichtsschreiben bereitete sich Spirit ab Donnerstag offiziell auf den Wind-down vor – nachdem klar wurde, dass ein staatlicher Bailout nicht mehr kommt.
„Having fought valiantly for months to reorganize, and having all but succeeded, the Debtors are left with no alternative to an orderly wind-down of operations.“
– Fred Cromer, CFO Spirit Airlines, laut Gerichtsakte
Der gescheiterte Regierungs-Deal
Spirit hatte auf 500 Millionen Dollar aus Washington gehofft. Die Trump-Administration signalisierte zunächst Offenheit – Trump selbst sprach davon, dass die Regierung bei Spirit einsteigen könnte, „für den richtigen Preis“. Doch die Verhandlungen liefen ins Leere.
Kurz vor Betriebsschluss gab es noch einen letzten Versuch: ein Notfallpaket in Abstimmung mit Anleihegläubigern. Auch das scheiterte. In den frühen Morgenstunden des Samstags stellte Spirit den Flugbetrieb ein.
- Chapter 7 beantragt (Liquidation, keine Sanierung wie Chapter 11)
- 17.000 Stellen betroffen – sofortiger Betriebsstopp
- 100 Mio. USD Treibstoffkosten allein März–April 2026
- 500 Mio. USD Regierungskredit wurde angestrebt – Deal platzte
- Gerichtsakte umfasst über 500 Seiten
- Alle Flüge wurden eingestellt – keine Umbuchungen mehr möglich
Chapter 7 statt Chapter 11: Was das bedeutet
Spirit hatte bereits zuvor Chapter 11 beantragt – das klassische Sanierungsverfahren, das Unternehmen Zeit gibt, sich zu restrukturieren. Doch jetzt ist es Chapter 7: keine Sanierung, keine zweite Chance. Das gesamte Vermögen wird verkauft oder aufgegeben, die Erlöse gehen an die Gläubiger.
Was verkauft wird
Spirit hat beim Gericht beantragt, den Verkauf oder die Aufgabe der Vermögenswerte zu beschleunigen. Dazu gehören Flugzeuge, Slots, Bodenausrüstung und Infrastruktur. Wie viel davon noch Abnehmer findet – und zu welchem Preis – ist offen.
Was mit den Schulden passiert
Offene Forderungen von Handelspartnern und Kreditgebern werden im Insolvenzverfahren gerankt und ausgezahlt – soweit Liquidationserlöse ausreichen. Erfahrungsgemäß bekommen ungesicherte Gläubiger bei Airlines-Liquidationen wenig bis nichts.
Gewerkschaften kämpfen für die Beschäftigten
Die Gewerkschaften, die Flugbegleiterinnen und Piloten vertreten, haben schnell reagiert. Ihr Fokus: Jobschutz, laufende Benefits und Unterstützung für die betroffenen Beschäftigten während des Wind-down-Prozesses.
- Forderung nach weitergeführten Kranken- und Sozialleistungen
- Unterstützung bei der Jobvermittlung in andere Fluggesellschaften
- Absicherung offener Gehaltsansprüche im Insolvenzverfahren
- Transparenz über den Zeitplan des Asset-Verkaufs
Ob diese Forderungen im Verfahren Gehör finden, liegt jetzt beim Insolvenzgericht.
Was bleibt: Ein Markt mit einer Lücke
Spirit war lange eine der günstigsten Optionen auf dem US-amerikanischen Inlandsmarkt. Mit dem Verschwinden der Airline fällt Kapazität weg – besonders auf Strecken, die Spirit allein oder dominant bedient hat. Das dürfte kurzfristig zu steigenden Ticketpreisen führen, wovon vor allem Southwest, Frontier und die großen Netzwerkcarrier profitieren.
Frontier hatte Spirit 2022 fast übernommen – die Fusion scheiterte. JetBlue versuchte es ebenfalls, verlor aber vor Gericht. Nun kauft niemand mehr – es gibt nichts mehr zu kaufen, nur noch Einzelteile zu versteigern.

