Das Wichtigste in Kürze

Uber baut sein Reiseangebot aus: Nutzer können seit Kurzem Hotels aus dem Expedia-Inventar direkt in der Uber-App buchen. CEO Dara Khosrowshahi sieht darin erst den Anfang – und begründet Ubers Vorteil gegenüber klassischen OTAs mit dem, was nach der Buchung passiert. Hintergrund: Berichten zufolge hat Uber sogar eine mögliche Übernahme von Expedia sondiert.

Über 100 Millionen Nutzer buchen laut Uber-Chef Dara Khosrowshahi jährlich Fahrten zu oder von Flughäfen. 1,5 Milliarden Trips pro Jahr finden außerhalb der Heimatstadt der Nutzer statt. Das ist kein Zufallspublikum – das ist die Zielgruppe eines Reiseunternehmens. Und genau darauf setzt Uber jetzt.

Der Vorteil, den Expedia nicht kaufen kann

Khosrowshahi formulierte es im Decoder-Podcast direkt: „Uber is already very highly used by the global traveler. We operate in more than 70 countries. Often what is the first thing you do when you arrive in an airport in a city other than a home city? You open the Uber app.“

Der Kern seiner Argumentation: Klassische Reiseplattformen wie Expedia sind stark im Pre-Booking – also beim Suchen, Vergleichen, Buchen. Was danach kommt, ist ihre Schwäche. Kein Transfer. Kein Essensservice. Keine Ausflugsbuchung. Keine lokale Orientierung. Uber hingegen ist genau dann präsent, wenn Reisende vor Ort ankommen.

„In-Market Experience“ nennt Khosrowshahi das – und sieht darin Ubers entscheidenden Wettbewerbsvorteil gegenüber allen, die Travel nur digital denken.

Das Expedia-Deal: Hotels in der Uber-App

Vergangene Woche hat Uber eine Partnerschaft mit Expedia Group bekanntgegeben. Konkret: Uber-Nutzer können Unterkünfte aus Expedias globalem Inventar direkt in der Uber-App buchen. Aktuell ist eine begrenzte Auswahl an Hotels verfügbar, Ferienwohnungen von Schwestermarke Vrbo sollen folgen.

Was die Partnerschaft bedeutet
  • Hotelbuchungen aus Expedias Inventar direkt in der Uber-App
  • Urlaubsunterkünfte über Vrbo geplant (Rollout noch ausstehend)
  • Sonderkonditionen für Mitglieder von Uber One (Ubers Abo-Programm)
  • Khosrowshahi sitzt im Expedia-Vorstand – ein Interessenkonflikt, der wächst
  • Berichte über mögliche Uber-Übernahme von Expedia ließen Expedia-Aktie um 7 % steigen

Dass Khosrowshahi selbst im Board von Expedia sitzt – dem Unternehmen, das er vor seinem Wechsel zu Uber geführt hat –, macht die Situation pikant. Er selbst räumte im Podcast ein, dass es die „übliche Spannung“ mit Partnern gebe. Klar ist: Wenn Uber im Reisemarkt ernsthaft Fahrt aufnimmt, dürfte dieser Sitz im Expedia-Aufsichtsrat nicht mehr zu halten sein.

Übernahme von Expedia? Gerüchte mit Kurseffekt

Parallel zum Partnerschafts-Deal kursierten Berichte der Financial Times und anderer Medien, Uber habe eine mögliche Übernahme von Expedia sondiert. Formale Offerte: keine. Expedia-Aktie: plus 7 Prozent. Analysten von Wedbush sprachen von einem potenziellen „Home Run“ – mit erheblichen Umsatzsynergien, sollte ein Deal zustande kommen.

Expedia würde Uber über Nacht zu einem vollständigen Reiseunternehmen machen: Flüge, Hotels, Mietwagen, Ferienwohnungen – alles in einer App, kombiniert mit Uber-Fahrten, Uber Eats und lokalem Vor-Ort-Service. Das Konzept hat einen Namen: Super App. Und Uber arbeitet schon länger daran.

Redaktions-Einschätzung: Eine Expedia-Übernahme wäre nicht nur teuer, sondern regulatorisch heikel. Khosrowshahis Board-Sitz allein ist schon ein Problem – bei einem echten Bieterverfahren wäre er raus.

KI als nächster Spielzug

Khosrowshahi sprach auch über künstliche Intelligenz – und positionierte Uber selbstbewusst gegen Angreifer wie OpenAI oder Google. Beide könnten Reisen planen, sagt er, aber keiner könne liefern, was Uber liefert: eine physische Infrastruktur in über 70 Ländern, die eine Buchung zur tatsächlichen Reise macht.

  • OpenAI und Google können Reisen planen – aber keinen Transfer buchen, der tatsächlich fährt
  • Airbnb hat Unterkünfte – aber keine Mobility-Infrastruktur vor Ort
  • Expedia hat Inventar – aber endet an der Buchungsbestätigung
  • Uber hat alles danach – und arbeitet jetzt daran, auch davor präsent zu sein

Das ist die Logik hinter Ubers Reisestrategie: Nicht als weiterer OTA ins Rennen gehen, sondern den Teil übernehmen, den alle anderen vernachlässigen – das Erlebnis nach dem Klick auf „Buchen“.

Was das für die Hotelbranche bedeutet

Für Hotels ist Uber als Vertriebskanal zunächst eine weitere Option – mit dem Unterschied, dass Uber-Nutzer tendenziell reiseaffin, mobil und premium-orientiert sind. Uber One-Mitglieder, die über die App buchen, dürften nicht die Schnäppchenjäger sein.

Gleichzeitig entsteht ein neues Machtgefüge: Wenn Uber mit Millionen von Flughafen-Fahrten das natürliche Einstiegsportal für Reisende wird, wächst die Plattform-Abhängigkeit. Ein Szenario, das Hoteliers aus der OTA-Debatte kennen – nur mit einem Akteur, der diesmal auch noch den Transfer fährt.

HÄUFIGE FRAGEN

Kann ich jetzt Hotels direkt in der Uber-App buchen?

Ja, seit der neuen Partnerschaft mit Expedia kannst du eine begrenzte Auswahl an Hotels aus Expedias Inventar direkt in der Uber-App buchen. Uber-One-Mitglieder erhalten dabei Sonderkonditionen. Vrbo-Unterkünfte sollen folgen.

Will Uber Expedia wirklich kaufen?

Berichten der Financial Times zufolge hat Uber eine mögliche Übernahme sondiert. Eine formale Offerte gab es bislang nicht. Die Gerüchte ließen die Expedia-Aktie kurzfristig um rund 7 % steigen.

Warum sieht sich Uber im Reisemarkt im Vorteil gegenüber Expedia oder OpenAI?

CEO Dara Khosrowshahi argumentiert mit Ubers physischer Präsenz in über 70 Ländern und 1,5 Milliarden Trips pro Jahr außerhalb der Heimatstadt der Nutzer. Klassische OTAs enden bei der Buchungsbestätigung – Uber liefert die Infrastruktur danach.

Was ist Ubers Super-App-Strategie?

Uber will eine Plattform aufbauen, die Mobilität, Essenslieferung, Hotelbuchung und lokale Services kombiniert. Das Ziel: Reisende von der Buchung bis zur Heimfahrt zu begleiten – alles in einer App.

Sollten Hotels Uber als neuen Vertriebskanal ernst nehmen?

Ja. Uber erreicht über 100 Millionen Reisende jährlich allein bei Flughafenfahrten. Das ist eine kaufkräftige, reiseaffine Zielgruppe – mit dem Risiko einer neuen Plattformabhängigkeit, wie Hotels sie bereits von klassischen OTAs kennen.
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