Die deutsche Konjunktur tritt auf der Stelle. Trotzdem investieren die großen Hotelbetriebe weiter in Expansion und Modernisierung – weil sie wissen: Wer jetzt pausiert, verliert später Marktanteile. Ein Blick auf die Lage der Branche.
Kein Aufschwung in Sicht – und trotzdem wird gebaut
Das Geschäftsklima in Deutschland bleibt angespannt. Das ifo-Institut meldet seit Quartalen trübe Erwartungen, der private Konsum läuft zäh, und von einem echten Wirtschaftsaufschwung ist wenig zu spüren. Eigentlich keine guten Voraussetzungen für Investitionen.
Doch die großen Hotelbetriebe – gemeint sind die Unternehmen aus der jährlichen Top-100-Auswertung des Fachmagazins Tophotel – machen weiter. Neue Häuser werden eröffnet, bestehende Häuser modernisiert, Portfolios erweitert. Stillstand kommt für diese Unternehmen nicht infrage.
Warum die Großen weitermachen
Für die Konzerne und großen Betreiber hinter den Top-100-Betrieben gibt es handfeste Gründe, jetzt nicht auf die Bremse zu treten.
Baukosten und Finanzierungsfenster
Nach dem Hoch der Baupreise 2022 und 2023 haben sich die Kosten in einigen Segmenten leicht entspannt. Wer jetzt Projekte in die Pipeline schiebt, kann von günstigeren Konditionen profitieren – verglichen mit dem Peak der Nachpandemiephase.
Struktureller Nachfragetrend
Trotz schwacher Konjunktur zeigt sich: Reisen wird nicht aufgeschoben wie der neue Kühlschrank. Destatis verzeichnete für 2024 stabile Übernachtungszahlen im deutschen Beherbergungsgewerbe. Die Nachfrage kommt – die Frage ist nur, welches Haus sie abschöpft.
Marktanteile in der Flaute gewinnen
Kleinere und unabhängige Betriebe zögern bei Investitionen – verständlich, wenn Eigenkapital knapp ist. Für Ketten und Betreibergesellschaften mit besserer Finanzierungsstruktur ist das eine Chance: Sie können in Märkten wachsen, in denen die Konkurrenz gerade auf Sparflamme läuft.
Das Fachmagazin Tophotel veröffentlicht jährlich eine Rangliste der größten deutschen Hotelbetriebe nach Zimmeranzahl. Sie bildet die Schwergewichte der Branche ab – Betreibergesellschaften, Franchisenehmer und Kettenbetriebe, die zusammen einen erheblichen Teil des deutschen Beherbergungsmarkts stellen. Die Auswertung gilt als wichtiger Gradmesser für Investitionsbereitschaft und Marktentwicklung.
Was „tapfer investieren“ konkret bedeutet
Das klingt nach Durchhalten um des Durchhaltens willen – ist es aber nicht. Hinter dem kontinuierlichen Investieren steckt eine klare Logik.
- Laufende Renovierungen und Umbauten lassen sich nicht auf unbestimmte Zeit verschieben, ohne die Qualität zu gefährden
- Neue Betreiberverträge und Franchisevereinbarungen haben Zeitpläne – wer nicht liefert, verliert Partnerschaften
- Digitalisierung und Energieeffizienz erfordern kontinuierliche Investitionen, unabhängig von der Konjunktur
- Flagshiphotels und Neueröffnungen in A-Lagen haben lange Vorlaufzeiten – ein Stopp heute bedeutet Lücken in zwei bis drei Jahren
Die andere Seite: Was die Flaute trotzdem kostet
So entschlossen die Branche nach außen wirkt – die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen hinterlassen Spuren. Steigende Personalkosten, höhere Energiepreise und eine nach wie vor schwache Geschäftsreisenachfrage belasten die GOP-Margen. Wer investiert, tut das oft unter schwierigeren Ertragsbedingungen als noch 2019.
- Personalkosten sind seit 2022 deutlich gestiegen
- Geschäftsreisen erholen sich langsamer als Freizeitreisen
- Finanzierungskosten liegen trotz erster EZB-Zinssenkungen noch über dem Vorkrisenniveau
- Energiekosten bleiben auf erhöhtem Niveau
Was das für kleinere Betriebe bedeutet
Die Top-100-Betriebe sind nicht repräsentativ für die gesamte deutsche Hotellerie. Für die vielen unabhängigen Stadthotels, Familienbetriebe und kleineren Häuser sieht die Realität anders aus. Sie haben weder die Kapitaldecke noch die Verhandlungsmacht der Großen – und spüren die Konjunkturflaute direkter.
Genau hier entsteht eine wachsende Schere: Die Starken werden stärker, die Schwachen geraten unter Druck. Das ist kein neues Muster in der Hotellerie – aber in einer anhaltenden Schwächephase beschleunigt es sich.
Für alle, die in einem der großen Betriebe arbeiten oder dorthin wechseln wollen: Laufende Investitionen bedeuten in der Regel auch laufende Personalbedarfe – in Neueröffnungen, renovierten Häusern und wachsenden Portfolios. Die Konjunkturflaute bremst große Betreiber weniger als kleinere Wettbewerber.

