Tripadvisor-CEO Matt Goldberg bestätigt "gute Fortschritte" beim geplanten Verkauf von TheFork, der europäischen Restaurant-Buchungsplattform. Gleichzeitig verhandelt das Unternehmen mit großen KI-Anbietern über Datenlizenzverträge – hat jedoch noch kein Training auf Tripadvisor-Inhalten erlaubt. Das erste Quartal 2026 lief schlecht: Stornierungen in Mexiko, Hawaii und anderen Märkten drückten die Umsätze.
TheFork steht zum Verkauf – wer bietet?
Auf dem Earnings Call zum ersten Quartal sagte Goldberg, Tripadvisor brauche TheFork nicht, um die eigene Strategie umzusetzen. Ein kommerzielles Partnerschaftsmodell mit dem künftigen Käufer sei denkbar. Ein Update soll „zeitnah“ folgen.
Als potenzielle Käufer gelten laut Skift mehrere große Namen:
- Bookings OpenTable – naheliegendste strategische Überschneidung im Restaurant-Segment
- American Express und Mastercard – beide bauen seit Jahren Lifestyle- und Dining-Programme aus
- DoorDash – expandiert über reine Lieferung hinaus in Reservierungen
- Private-Equity-Fonds – mehrere Interessenten sollen laut Berichten bereits sondiert haben
Starboard Value – aktivistischer Investor mit Anteil an Tripadvisor – hatte schon im vergangenen Jahr öffentlich gefordert, TheFork zu verkaufen und sogar einen vollständigen Unternehmensverkauf ins Spiel gebracht. CEO Jeff Smith äußerte sich entsprechend beim 13D Monitor Active Passive Investment Summit in New York.
TheFork (früher LaFourchette) ist Europas größte Online-Plattform für Restaurant-Reservierungen. Das Unternehmen ist in über 12 Ländern aktiv, besonders stark in Frankreich, Spanien und Italien. Tripadvisor hatte TheFork 2014 übernommen. Die Plattform konkurriert direkt mit OpenTable, das zu Booking Holdings gehört.
KI-Datendeals: Reden ja, trainieren nein
Tripadvisor sitzt auf einem der wertvollsten Bewertungsarchive im Netz – hunderte Millionen Nutzerbewertungen zu Hotels, Restaurants und Attraktionen weltweit. Für große Sprachmodelle ist das ein begehrter Datenschatz.
Goldberg bestätigte, dass Tripadvisor aktiv mit mehreren LLM-Anbietern verhandelt – darunter ChatGPT, Microsoft, Amazon und Claude. Einen Schritt hat das Unternehmen jedoch noch nicht gemacht: Training auf Tripadvisor-Inhalten ist bislang nicht erlaubt.
Das ist kein Zufall. Der Markt für Inhaltslizenzierung an KI-Unternehmen ist gerade in Bewegung. Andere Medien- und Datenanbieter – von Nachrichtenagenturen bis zu Fachverlagen – erzielen mit solchen Deals erhebliche Einnahmen. Tripadvisor testet offenbar, welchen Preis der Markt für seine Bewertungsdaten zahlt, bevor er die Tore öffnet.
Schwaches Quartal: Stornierungen belasten Ergebnis
Das erste Quartal 2026 lief für Tripadvisor deutlich schlechter als erwartet. Die Aktie verlor am Tag der Bekanntgabe zeitweise mehr als 19 Prozent und fiel auf ein Rekordtief.
Die Gründe sind extern, aber strukturell relevant für die gesamte Reisebranche:
- Stornierungswelle in Mexiko und Hawaii – stark frequentierte US-Auslandsmärkte
- Buchungsrückgang durch anhaltende Unsicherheit durch den Nahostkonflikt
- Allgemeine Konsumzurückhaltung in wichtigen Quellmärkten
Tripadvisor gab entsprechend einen vorsichtigen Ausblick für die nächsten Quartale. Konkrete Umsatzzahlen für Q1 2026 lagen zum Redaktionsschluss nur hinter der Skift-Paywall vor.
Strategische Neuaufstellung seit Jahren im Gang
Tripadvisor steckt seit mehreren Jahren in einem Umbau. Der klassische Bewertungskanal verliert an Bedeutung – Google, KI-Assistenten und direkte Buchungsplattformen fressen Marktanteile. Das Unternehmen setzt deshalb verstärkt auf seine erlebnisorientierten Segmente.
Viator – das Aktivitäten- und Erlebnissegment – gilt intern als Wachstumstreiber. TheFork passt in dieses Bild weniger gut: Die Plattform ist profitabel, aber kapitalintensiv und benötigt lokale Marktmacht in Europa, die Tripadvisor schwer zu skalieren findet.
Was das für die Branche bedeutet
Für die Gastronomie in Europa ist der TheFork-Verkauf relevant. Je nach Käufer ändert sich die Marktdynamik bei Restaurant-Reservierungen erheblich. OpenTable unter Booking Holdings würde den Markt weiter konsolidieren. Ein Einstieg von DoorDash oder einem Finanzdienstleister wie Amex würde neue Wettbewerbsdynamiken bringen.
Für Hotels und Reiseanbieter ist die KI-Datenstrategie das eigentlich interessante Signal. Tripadvisor zeigt, wie Plattformen mit historisch starken Nutzerdaten versuchen, das KI-Training zu einer neuen Einnahmequelle zu machen – ein Muster, das sich durch die gesamte digitale Reisebranche zieht.

