IHG Hotels & Resorts führt eine natürlichsprachige Suchfunktion auf Website und App ein und arbeitet dabei mit Google, OpenAI und Anthropic zusammen. Das US-Geschäft läuft stark, der Nahe Osten bremst. CEO Elie Maalouf setzt auf Datenqualität statt Hotelanzahl – ein anderer Ansatz als Marriott und Hilton.
Wer bei IHG künftig ein Hotel sucht, muss nicht mehr in Dropdown-Menüs klicken. Die Kette hinter Holiday Inn und InterContinental baut eine Suche, bei der Gäste in eigenen Worten beschreiben können, was sie wollen: ruhige Lage, Pool, Stadtnähe, Frühstück inklusive. Das bestätigte CEO Elie Maalouf beim Q1-Earnings-Call am 7. Mai 2026.
Das klingt nach Feature-Update. Dahinter steckt aber eine grundlegend andere Wette als bei den Wettbewerbern.
Content-Infrastruktur statt Zimmeranzahl
Marriott und Hilton argumentieren in der KI-Debatte mit Volumen: Wer mehr Hotels hat, taucht öfter auf. Maalouf dreht das um. Laut dem Skift-Bericht vom 7. Mai 2026 sagte er auf dem Call, das Entscheidende sei, das eigene System, die eigenen Inhalte und die Technologieplattform so vorzubereiten, dass Hotels bei KI-gestützten Suchanfragen überhaupt gefunden werden – egal auf welchem Kanal.
IHG arbeitet dafür mit drei Partnern gleichzeitig: Google, OpenAI und Anthropic. Das Ziel ist nicht nur eine bessere Suche auf ihg.com – sondern strukturierte Hoteldaten, die KI-Systeme dritter Anbieter korrekt verarbeiten können. Wer heute in ChatGPT oder Google AI Overviews nach einem Hotel in Istanbul fragt, bekommt Antworten aus maschinenlesbaren Quellen. Wer dort nicht mit sauberen Daten auftaucht, verliert Buchungen.
USA stark, Naher Osten schwierig
Die Quartalszahlen selbst zeigen ein gespaltenes Bild. In den USA – IHGs größtem Markt – lief Q1 2026 besser als von Analysten erwartet. Skift berichtet, dass der globale RevPAR die Marktschätzungen übertraf, getragen vom US-Rebound. Das ist bemerkenswert, weil die US-Konjunktur wegen der laufenden Handelskonflikte unter Druck steht.
Der Nahe Osten drückt dagegen auf die Zahlen. IHG verzeichnete dort erhebliche Umsatzrückgänge – konkrete Zahlen aus Q1 2026 wurden im zugänglichen Teil des Earnings-Calls nicht beziffert. Die Diversifikation des Konzerns – über 7.000 Hotels in mehr als 100 Ländern – federt regionale Schwächen aber strukturell ab.
Loyalty und CRM als Direktbuchungs-Hebel
Parallel zur KI-Offensive baut IHG sein Kundenbindungssystem aus. Das neue CRM läuft auf Salesforce und soll personalisierte Angebote liefern – abhängig von Buchungshistorie, Vorlieben und Reiseanlass. Loyalty-Mitglieder machen laut Unternehmensangaben bereits einen großen Anteil der Direktbuchungen aus; konkrete Prozentzahlen nannte IHG nicht öffentlich.
Die Logik dahinter: Wer Gäste früh in der Reiseplanung mit relevanten Inhalten erreicht – ob über eigene Kanäle oder KI-Suchergebnisse Dritter – und dann mit personalisierten Angeboten bindet, braucht weniger OTA-Provision. Das spart Marge, die in einem Segment mit ohnehin dünnen Margen zählt.
Was das für die Branche bedeutet
IHGs Ansatz zeigt, wohin der Wettbewerb um Direktbuchungen sich verschiebt. Früher gewann, wer mehr Standorte hatte oder das bessere Treueprogramm. Heute kommt eine dritte Dimension dazu: Wer in KI-Systemen sichtbar ist.
- Hotels, die ihre Daten nicht für maschinelle Verarbeitung aufbereiten, verlieren Reichweite in KI-Suchkanälen
- Natürlichsprachige Suche verändert, wie Gäste Buchungsentscheidungen treffen
- CRM-Investitionen zahlen sich langfristig über höhere Direktbuchungsquoten aus
- Regionale Abhängigkeit – hier Naher Osten – bleibt strukturelles Risiko für alle großen Ketten
Für kleinere Hotelgruppen und Einzelhäuser bedeutet das: Wer auf Sichtbarkeit in KI-Systemen hofft, muss Hotelprofile, Ausstattungsmerkmale und Beschreibungen so aufbereiten, dass sie maschinenlesbar sind – nicht nur optisch ansprechend auf der eigenen Website.

