Whitbread, Eigentümer von Premier Inn, schließt alle 197 verbliebenen Markenrestaurants in Großbritannien und Irland. Rund 3.800 Stellen stehen auf dem Spiel. Das Deutschlandgeschäft mit 71 Hotels bleibt unverändert – hier war Premier Inn von Anfang an rein auf Hotels ausgerichtet.
Schluss mit Beefeater-Steaks und Brewers-Fayre-Buffets: Whitbread zieht die Reißleine und trennt sich von allen noch verbliebenen 197 Markenrestaurants in Großbritannien und Irland. Der Konzern hinter Premier Inn wird zum reinen Hotelunternehmen – mit allem, was das für Tausende Mitarbeitende bedeutet.
3.800 Jobs weg, 275 Millionen Pfund Gewinn-Ziel
Der Hintergrund ist nüchtern: Im Geschäftsjahr 2026 stagnierte der bereinigte Gewinn vor Steuern bei 483 Millionen Pfund. Das reicht Whitbread nicht. Mit einem neuen Fünfjahresplan will der Konzern den Gewinn um rund 275 Millionen Pfund steigern – durch die vollständige Transformation zum Hotelunternehmen.
Die 197 Restaurants der Marken Beefeater und Brewers Fayre sollen nicht einfach geschlossen, sondern durch ein hotelintegriertes Gastronomieformat ersetzt werden. Konkret: effizientere F&B-Angebote direkt im Hotelbetrieb, keine eigenständigen Restaurantmarken mehr. Das spart Strukturkosten – kostet aber bis zu 3.800 Arbeitsplätze.
Deutschland: 71 Hotels, erstmals profitabel, 13 Neueröffnungen
Für den deutschen Markt ändert sich operativ nichts. Premier Inn hat sein Deutschlandgeschäft von Beginn an ohne eigenständige Restaurantmarken aufgebaut – das Modell, von dem sich Whitbread in Großbritannien gerade verabschiedet, gab es hier nie.
Laut Unternehmensangaben erreichte Premier Inn in Deutschland zehn Jahre nach dem Markteintritt erstmals Profitabilität. Derzeit betreibt die Kette 71 Hotels hierzulande. 2026 stehen 13 Neueröffnungen auf dem Plan – die höchste Eröffnungsrate seit dem Deutschland-Start. Das Unternehmen spricht von einer aufgebauten „kritischen Masse und einer belastbaren Marktposition“.
Was steckt hinter dem Strategiewechsel?
Integrierte Restaurantmarken wie Beefeater funktionieren im britischen Markt seit Jahren unter Druck. Steigende Personalkosten, hohe Lebensmittelpreise und verändertes Gästeverhalten haben das Modell unrentabel gemacht. Whitbread reagiert mit dem, was viele Hotelketten längst vollzogen haben: Gastronomie als Zusatzleistung im Hotel, nicht als eigenständige Marke mit separaten Strukturen.
Das neue Modell – hotelintegrierte F&B-Angebote statt Standalone-Restaurants – spart Overheadkosten und nutzt vorhandene Küchen- und Serviceflächen effizienter. Rund 600 neue Hotelzimmer sollen laut Berichten durch den Umbau ehemaliger Restaurantflächen entstehen.
Whitbread plant, einen Teil der freiwerdenden Restaurantflächen in Hotelzimmer umzuwandeln – rund 600 neue Rooms sollen so entstehen. Der Rest wird durch ein schlankeres, hotelintegriertes F&B-Konzept ersetzt. Eigenständige Markenauftritte von Beefeater und Brewers Fayre fallen damit komplett weg.
Was das für die Branche bedeutet
Der Whitbread-Schritt ist kein Einzelfall. Das Modell, Hotelketten mit eigenständigen Restaurantmarken zu verbinden, steht in mehreren europäischen Märkten unter Druck. Hohe Fixkosten, Fachkräftemangel in der Gastronomie und ein Gast, der beim Budget-Hotel nicht zwingend im Haus essen will – das zwingt viele Betreiber zum Umdenken.
- Personalkosten in der britischen Gastronomie sind nach mehreren Mindestlohnerhöhungen deutlich gestiegen
- Restaurantmarken brauchen eigenes Marketing, eigenes Management, eigene Logistik – das lässt sich kaum skalieren
- Budget-Gäste wählen Unterkunft und Gastronomie zunehmend getrennt – das Kombimodell verliert an Sogwirkung
- Flächen lassen sich als Hotelzimmer effizienter monetarisieren als als Restaurantbetrieb mit niedrigen Margen
Für Premier Inn in Deutschland ist das eine Bestätigung des eigenen Wegs: von Anfang an Hotel-only, kein Restaurantgeschäft, klare Positionierung im Budget-Segment. 13 Neueröffnungen in einem Jahr zeigen, dass das Modell hier trägt.

