Das Wichtigste in Kürze

Trivago hat eine Kartellklage gegen Google bei einem Hamburger Regionalgericht eingereicht. Der Vorwurf: Google bevorzugt seit 2014 systematisch seinen eigenen Hotel-Metasuch-Dienst in den allgemeinen Suchergebnissen. Laut Trivago ist der Referral-Umsatz über Google in drei Jahren um 34 Prozent eingebrochen.

Jahrelang hat Trivago in Brüssel und Berlin Lobbyarbeit gegen Googles Praktiken betrieben. Jetzt reicht das Hannoveraner Unternehmen Klage ein – auf dem Rechtsweg, in Hamburg.

Was Trivago Google genau vorwirft

Der Kern des Vorwurfs ist nicht neu, aber jetzt juristisch konkretisiert: Seit 2014 soll Google seinen eigenen Hotel-Metasuch-Dienst in den organischen Suchergebnissen systematisch bevorzugen – zum Nachteil unabhängiger Anbieter wie Trivago, Kayak oder HolidayCheck. Das Ergebnis: Wer bei Google nach einem Hotel sucht, bekommt Googles eigene Preisvergleichs-Box prominent oben angezeigt. Trivago und ähnliche Dienste landen weiter unten oder fallen ganz weg.

Die Klage wurde beim Landgericht Hamburg eingereicht und fordert Schadensersatz auf Basis einer unabhängigen Gutachteranalyse. Konkrete Summen hat Trivago bislang nicht vollständig veröffentlicht, aber das Ausmaß lässt sich an einer Zahl ablesen: Der Referral-Umsatz, den Trivago über Google generiert, ist in drei Jahren um 34 Prozent gesunken.

ZAHLEN ZUM FALL Trivago vs. Google – die Eckdaten
−34 %
Referral-Umsatz via Google
Rückgang über drei Jahre laut Trivago-Angaben.
3 Jahre
2014
Beginn der angeblichen Praxis
Ab diesem Jahr soll Google den eigenen Dienst systematisch bevorzugt haben.
Hamburg
Klageort
Eingereicht beim Landgericht Hamburg als zuständigem Regionalgericht.
Quelle: Trivago-Pressemitteilung, Skift, Mai 2026

Warum der Digital Markets Act nicht geholfen hat

Die EU hat mit dem Digital Markets Act (DMA) ein Instrument geschaffen, das genau solche Praktiken verhindern soll. Sogenannte Gatekeeper-Plattformen – Google gehört dazu – dürfen ihre eigenen Dienste nicht mehr bevorzugen. Trivago-CEO Johannes Thomas sieht trotzdem keine Verbesserung. Laut Skift behauptet das Unternehmen, Google habe den DMA nicht eingehalten.

Das ist eine schwere Anschuldigung. Die Europäische Kommission untersucht Googles DMA-Compliance aktuell noch – ein abschließendes Urteil steht aus. Für Trivago reicht das nicht. Nach Jahren der Lobbyarbeit ohne spürbares Ergebnis ist die Klage die logische Eskalation.

Gut zu wissen: Die EU-Kommission hat Google in einem früheren Verfahren (Google Shopping, 2017) bereits zu einer Strafe von 2,4 Mrd. Euro verurteilt – wegen sehr ähnlicher Vorwürfe. Das Urteil wurde 2021 vom Gericht der EU bestätigt.

Kein Einzelfall – die ganze Reisebranche leidet

Trivago steht nicht allein. Die Beschwerden über Googles Dominanz im Reisebereich ziehen sich durch die gesamte Branche:

  • Metasuch-Dienste wie Kayak und HolidayCheck kämpfen mit demselben strukturellen Problem: Googles Hotel-Box schiebt sich zwischen die organischen Ergebnisse und die Nutzer.
  • OTAs wie Booking.com haben ebenfalls gegenüber europäischen Wettbewerbsbehörden Bedenken geäußert.
  • Die DEHOGA und andere Branchenverbände haben die Abhängigkeit von Google-Traffic wiederholt als strukturelles Risiko für die Hotellerie bezeichnet.
  • Auch in den USA laufen Verfahren: Das US-Justizministerium gewann zuletzt einen zweiten Monopolisierungsfall gegen Google – wegen Dominanz im digitalen Werbemarkt.

Was das für Hotels und Hospitality-Profis bedeutet

Für Hoteliers und Revenue-Manager hat der Streit eine direkte Bedeutung: Wer auf Metasuch-Traffic setzt – ob über Trivago, Kayak oder Google Hotel Ads direkt –, spielt auf einem Spielfeld, dessen Regeln ein einziger Anbieter bestimmt. Googles Hotel-Box hat die Sichtbarkeit kleinerer Metasuch-Dienste messbar gedrückt. Das bedeutet weniger Wettbewerb, weniger Preistransparenz für Reisende – und letztlich weniger Direktbuchungs-Chancen für Hotels außerhalb von Googles eigenem Ökosystem.

Was ist Hotel-Metasuche?

Metasuch-Dienste wie Trivago, Kayak oder Google Hotel Search aggregieren Hotelpreise aus verschiedenen Quellen (OTAs, Direktbuchung) und zeigen sie vergleichend an. Hotels zahlen pro Klick (CPC) oder nach Buchung (CPA). Der Traffic aus diesen Quellen ist für viele Häuser ein bedeutender Direktbuchungs-Kanal – neben Booking.com und Expedia.

  • Trivago: gegründet 2005 in Düsseldorf, seit 2016 börsennotiert (NASDAQ: TRVG)
  • Geschäftsmodell: Cost-per-Click-Auktionen zwischen OTAs und Hotelketten
  • Google Hotel Ads: Googles eigenes Metasuch-Produkt, integriert in die allgemeine Suche seit ca. 2011

Wie das Verfahren weiterlaufen könnte

Kartellklagen dieser Art dauern Jahre. Das Hamburger Gericht muss zunächst prüfen, ob der Fall zulässig ist und welches Recht anzuwenden ist. Parallel läuft die DMA-Untersuchung der EU-Kommission weiter. Trivago spielt auf Zeit und auf Öffentlichkeit: Jede Verhandlungsrunde erzeugt Druck auf Google und signalisiert anderen Marktteilnehmern, dass der Rechtsweg gangbar ist.

Ob die Klage Erfolg hat, ist offen. Dass sie Bewegung in die Debatte bringt – das ist sicher.

HÄUFIGE FRAGEN

Was wirft Trivago Google konkret vor?

Trivago behauptet, Google bevorzuge seit 2014 systematisch seinen eigenen Hotel-Metasuch-Dienst in den allgemeinen Suchergebnissen – und verschaffe sich damit einen wettbewerbswidrigen Vorteil gegenüber unabhängigen Anbietern.

Wo wurde die Klage eingereicht?

Trivago hat die Kartellklage beim Landgericht Hamburg eingereicht.

Wie stark ist Trivagos Geschäft durch Googles Verhalten betroffen?

Laut Trivago ist der Referral-Umsatz, den das Unternehmen über Google generiert, in drei Jahren um 34 Prozent gesunken.

Hat der Digital Markets Act der EU nicht geholfen?

Trivago-CEO Johannes Thomas sagt Nein: Trotz des DMA, der Gatekeeper-Plattformen zur Neutralität verpflichtet, habe Google sein Verhalten nicht geändert. Die EU-Kommission untersucht Googles DMA-Compliance noch.

Was bedeutet der Streit für Hotels und Revenue Manager?

Wer auf Metasuch-Traffic setzt, ist stark von Googles Spielregeln abhängig. Weniger Wettbewerb unter Metasuch-Diensten bedeutet potenziell weniger Preistransparenz und weniger Direktbuchungschancen außerhalb von Googles eigenem Ökosystem.
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