Uniteds Flugbegleiter haben einen neuen Fünfjahres-Tarifvertrag ratifiziert: 31 % Gehaltserhöhung, 741 Millionen Dollar Nachzahlung und erstmals Bezahlung fürs Boarding. United war die letzte der vier großen US-Airlines ohne Post-Pandemie-Deal mit der Kabinencrew. Die Einigung beendet jahrelangen Streit – inklusive Demonstrationen an Uniteds Hubs.
United Airlines hat einen langen Arbeitsstreit beigelegt. Die Flugbegleiter-Gewerkschaft Association of Flight Attendants (AFA-CWA) bestätigte am Dienstag die Ratifizierung eines neuen Fünfjahres-Tarifvertrags – fast sechs Jahre nach der letzten Gehaltserhöhung für die Kabinencrew.
Was der Vertrag konkret bringt
Die Eckdaten des Deals sind erheblich. Die Gesamtvergütung steigt um 31 %, rückwirkend fließen 741 Millionen Dollar an die Beschäftigten. Zwei weitere Punkte waren besonders umkämpft:
- Boarding Pay: Flugbegleiter werden künftig auch für die Boarding-Phase bezahlt – bisher oft unbezahlte Arbeitszeit
- Einschränkungen bei Nachtflügen (Red-Eye Restrictions)
- Erweiterter Kündigungsschutz
- Verbesserte Arbeitsbedingungen nach jahrelangen Verhandlungen
Der Vertrag tritt noch diesen Sommer in Kraft. Besonders Einsteiger profitieren: United hatte als einzige der Big Four seit der Pandemie die Löhne nicht angehoben – auch nicht für nicht-gewerkschaftlich organisierte Flugbegleiter.
Der Weg zur Einigung war lang
Dass dieser Deal überhaupt zustande kam, war keine Selbstverständlichkeit. 2025 lehnten 71 % der Flugbegleiter einen früheren Vertragsentwurf ab – trotz Gewerkschaftsunterstützung. Die Begründung: Der Entwurf halte kaum mit der Inflation Schritt. Daraufhin präsentierten die Vertreter acht neue Forderungen, darunter Ground Pay und bessere Layover-Hotels.
Protest gab es auch öffentlich sichtbar: Flugbegleiter veranstalteten Kundgebungen an Uniteds Hubs und machten Druck auf Airline und Gewerkschaftsführung gleichermaßen.
United war die letzte der vier großen US-Carrier, die einen Post-Pandemie-Tarifvertrag mit ihrer Kabinencrew abgeschlossen hat. American Airlines, Southwest und Alaska Airlines haben ihre Deals bereits früher ratifiziert. Piloten hatten branchenweit schon früher teils zweistellige Gehaltssteigerungen durchgesetzt.
Branchentrend: Arbeit wird teurer
Der United-Deal ist kein Einzelfall. Seit dem Ende der Pandemie zieht die Vergütung im Airline-Sektor spürbar an – getrieben von hoher Reisenachfrage, Personalmangel und gewachsenem Verhandlungsdruck der Gewerkschaften. Piloten haben bei mehreren Carriern bereits Erhöhungen von teils über 30 % durchgesetzt.
Trotz hoher Treibstoffkosten gehen die Airlines laut Skift nicht davon aus, dass die gestiegenen Personalkosten ihre Wachstumspläne wesentlich bremsen. Die Nachfrage bleibt stark genug, um höhere Kosten abzufedern – vorerst.
Was das für die Branche bedeutet
Der Abschluss bei United schließt die letzte große Lücke im US-Airline-Tarifgefüge. Dass es dazu einer Abstimmungsniederlage, Monaten weiterer Verhandlungen und öffentlichem Druck bedurfte, zeigt: Kabinenpersonal lässt sich nicht mehr mit symbolischen Erhöhungen abspeisen.
Für europäische Hoteliers und Gastgeber hat das eine indirekte Relevanz: Steigen die Personalkosten bei Airlines, steigt der Druck auch in anderen Hospitality-Segmenten. Was US-Flugbegleiter heute durchsetzen, formulieren Housekeeping-Teams und Servicekräfte morgen als Forderung.

