Expedia Groups Unpack '26 Summer Report zeigt: Inlandsreisen legen in sozialen Netzwerken um 77 Prozent im Jahresvergleich zu. Gleichzeitig sinken Hotelpreise in beliebten europäischen, asiatischen und südamerikanischen Destinationen um fast 25 Prozent. Reisende sehen 2026 anders aus als noch vor zwei Jahren.
Der Expedia Group Sommerbericht Unpack '26 bringt zwei Aussagen, die sich auf den ersten Blick widersprechen — und trotzdem beide stimmen: Mehr Menschen wollen nah bleiben, und wer doch ins Ausland fliegt, zahlt weniger als erwartet.
Inlandsreisen auf dem Vormarsch
Der auffälligste Befund: Domestic Travel dominiert die Online-Konversation. 77 Prozent Wachstum im sozialen Diskurs im Jahresvergleich — das ist kein leises Signal, das ist ein klarer Trendbruch. Reisende reden über Urlaub zuhause, nicht über Fernreisen.
Was dahintersteckt, lässt sich aus dem Datenmuster ableiten: Wirtschaftlicher Druck, Unsicherheit über Wechselkurse und ein gestiegenes Bewusstsein für Zeit- und Kosteneffizienz sprechen für den Heimatmarkt. Gleichzeitig haben viele nationale Tourismusmärkte ihre Infrastruktur und Sichtbarkeit in den vergangenen Jahren deutlich ausgebaut.
Expedia Groups Unpack-Berichte analysieren Buchungsdaten, Suchanfragen auf Expedia, Hotels.com und Vrbo sowie Social-Media-Konversationen. Der Jahresvergleich bezieht sich auf den Sommer 2025 vs. Sommer 2026. Die 77-Prozent-Zahl stammt aus der Social-Conversation-Analyse, nicht aus Buchungsvolumen.
Hotelpreise in internationalen Zielen: fast ein Viertel günstiger
Wer trotzdem ins Ausland reist, profitiert 2026 von deutlich gesunkenen Preisen. In beliebten Destinationen in Europa, Asien und Südamerika lagen die Hotelraten laut Expedia-Report knapp 25 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Das ist eine substanzielle Bewegung — nicht nur ein statistisches Rauschen.
Die Gründe dafür sind mehrschichtig. Überkapazitäten in manchen europäischen Metropolen, schwächere Nachfrage aus bestimmten Quellmärkten und ein verändertes Buchungsverhalten (spätere Entscheidungen, mehr Preisvergleiche) drücken die Raten. Für Hoteliers in betroffenen Märkten bedeutet das Druck auf den RevPAR — für Reisende ist es ein Kaufargument.
Was das für die Hotellerie bedeutet
Zwei Bewegungen gleichzeitig — und beide relevant für Hotelstrategie:
- Inlandsmärkte: Hotels, die bisher auf internationalen Gäste-Mix gesetzt haben, sollten Domestic Marketing stärker gewichten. Die Zielgruppe ist da und redet darüber.
- Internationale Destinationen: Preissenkungen von fast 25 Prozent sind kein Zufall, sondern Marktsignal. Wer jetzt Volumen über Preis kauft, riskiert langfristige Positionierungsschäden. Revenue-Manager stehen vor einer klassischen Abwägung: kurzfristige Auslastung vs. ADR-Schutz.
- Spätbucher-Trend: Günstigere Preise und mehr Inlandsoptionen stärken das Spätbucher-Verhalten. Frühbucher-Rabatte verlieren an Zugkraft, wenn der Markt bei Last-Minute sowieso nachgibt.
- Social als Frühindikator: Der 77-Prozent-Wert basiert auf sozialen Konversationen — also auf Intent-Signalen, nicht auf Buchungen. Wer Social Listening in sein Revenue-Forecasting integriert, ist früher im Bild.
Regionale Unterschiede noch nicht aufgeschlüsselt
Der Bericht bündelt Europa, Asien und Südamerika in einer Zahl. Das ist für eine erste Einordnung hilfreich, verdeckt aber regionale Unterschiede. Spanien, Thailand und Brasilien haben vollkommen unterschiedliche Nachfragestrukturen und Quellmärkte. Welche Destinationen innerhalb dieser Regionen am stärksten betroffen sind, geht aus der bisher veröffentlichten Zusammenfassung nicht hervor.
Einordnung: Was Expedia mit solchen Berichten bezweckt
Unpack-Berichte sind ein reguläres Publishing-Format der Expedia Group — veröffentlicht mehrmals jährlich, ausgewertet aus dem eigenen Ökosystem (Expedia, Hotels.com, Vrbo, Trivago). Die Daten sind echt, der Blickwinkel ist aber naturgemäß der einer OTA-Plattform. Was in Direktbuchungskanälen oder bei kleineren Anbietern passiert, bleibt außen vor.
Trotzdem: Mit dem kombinierten Buchungsvolumen der Expedia Group sind die Trendaussagen als Marktindikator ernst zu nehmen — auch wenn sie kein vollständiges Bild liefern.
- Wie hoch ist dein Anteil inländischer Gäste aktuell — und hat er sich 2025/26 verändert?
- Liegt deine ADR für den Sommer 2026 unter dem Vorjahr? Wenn ja: Marktdruck oder eigene Preisentscheidung?
- Nutzt du Social Listening aktiv als Frühindikator für Nachfrageverschiebungen?


