Lars Schulze
Foto: whaaat.ai
Lars Schulze
Co-Founder
whaaat.ai
Lars Schulze ist seit 30 Jahren im Online-Marketing tätig, gründete 1996 seine erste Internetfirma und war früh bei zanox dabei. Heute Co-Founder von whaaat.ai.
Bezug zum ThemaSchulze bringt 30 Jahre Online-Marketing-Erfahrung in eine Plattform ein, die mit 29 spezialisierten KI-Agenten gezielt kleine Tourismus- und Hotellerie-Teams entlasten will – ein hochrelevantes Thema für ressourcenknappe Marketing-Abteilungen.
Das Wichtigste in Kürze

29 spezialisierte KI-Agenten statt einem generischen Chatbot: Mit diesem Versprechen tritt whaaat.ai an, kleine Marketing-Teams in Hotellerie und Destinationen zu entlasten. Co-Founder Lars Schulze, seit drei Jahrzehnten im Online-Marketing, erklärt im TURNDOWN-Interview, wie die Orchestrierung mehrerer Sprachmodelle funktioniert, warum markenkonforme Tonalität der Knackpunkt ist – und weshalb er auf organisches Content-Marketing statt auf teure Ads setzt.

Lars, du hast 1996 deine erste Internetfirma gegründet und warst früh bei zanox dabei — einem Netzwerk, das groß auch durch Travel- und Hotel-Affiliates geworden ist. Was von damals steckt heute in whaaat.ai?

Was ich damals bei zanox gelernt habe und was ich heute für whaaat.ai genauso mache, ist auf den Spirit der Menschen zu achten, mit denen wir zusammenarbeiten und die unser Team ausmachen. Bei zanox lief alles auf Augenhöhe, mit viel Respekt und Spaß an der Sache. Es wurde beim Einstellungsprozess immer darauf geachtet, dass die Menschen den passenden Spirit haben, dass sie begeisterungsfähig sind. Das habe ich eins zu eins so für whaaat.ai übernommen. Je ungerader ein Lebenslauf, desto spannender der Mensch dahinter. So sind wir heute zu einem unglaublich diversen, hoch motivierten und sehr kreativen Team gewachsen, das gemeinsam für ein Ziel arbeitet: KI im Marketing zu etablieren.

Ihr sprecht von 29 spezialisierten Agenten statt einem generischen Chatbot. Übersetz das mal für eine kleine Destination wie das Havelland: Welche Agenten würde so ein DMO-Team realistisch im Alltag nutzen — und was macht den Unterschied zu „einfach ChatGPT öffnen"?

Der große Unterschied zu einem generischen Tool wie ChatGPT ist: Bei whaaat.ai arbeitet nicht ein einzelner KI-Assistent für alles, sondern viele spezialisierte KI-Agenten wie ein kleines digitales Marketingteam zusammen. Jeder Agent ist auf eine bestimmte Aufgabe optimiert, etwa für LinkedIn-Posts, SEO-Texte, Newsletter, PR oder Content-Planung.

Für eine Destination wie das Havelland könnte das im Alltag zum Beispiel bedeuten: Ein Agent erstellt Inhalte für Tagesausflügler aus Berlin, ein anderer formuliert eher inspirationsgetriebene Inhalte für potenzielle Urlauber aus Süddeutschland. Gleichzeitig achtet das System automatisch darauf, dass die Inhalte zur Marke und Tonalität der Destination passen, egal auf welchem Kanal.

Der große Vorteil: Das Marketing-Team muss sich nicht ständig mit Prompting, verschiedenen KI-Tools oder neuen Sprachmodellen beschäftigen. Dinge wie Prompt Engineering, die Auswahl passender KI-Modelle oder kanaloptimierte Formulierungen laufen im Hintergrund automatisiert ab.

Das ist besonders für kleinere Teams spannend, die keine eigenen KI-Spezialisten haben. Statt für jeden Social-Media-Kanal oder jede Zielgruppe immer wieder neu überlegen zu müssen, wie man ChatGPT richtig „anweist", können sie direkt mit fertigen, spezialisierten Marketing-Agenten arbeiten.

Man kann sich das ein Stück weit wie ein echtes Team vorstellen: Ein Mitarbeiter macht PR, einer Social Media, einer SEO, nur eben KI-gestützt und miteinander vernetzt. Dadurch werden Inhalte konsistenter, zielgruppengerechter und die Teams sparen vor allem Zeit im Tagesgeschäft.

Hotels und Destinationen leben von einer klaren Marke — ein Wellnesshotel klingt anders als ein Stadthotel wie Van der Valk Berlin. Wie stellt ihr sicher, dass alle Agenten dieselbe Brand Voice treffen, statt 29-mal unterschiedlich zu klingen?

Die Nutzer haben die Möglichkeit, verschiedene Brand Voices anzulegen. Zum Beispiel für verschiedene Produkte, Zielgruppen oder Social Media Kanäle. Beispielsweise spricht das Van der Valk Hotel sehr diverse Zielgruppen an, von Urlaubsgästen aus Deutschland, über Hochzeitsfeiern oder Firmentagungen. Jeweils eine andere Zielgruppe mit unterschiedlichen Bedürfnissen und anderen Arrangements. Dazu muss man lediglich die Landingpage oder ein PDF dazu hochladen und ein Agent erstellt aus den Informationen eine Brand Voice.

Tourismus-Marketing ist extrem saisonal und kanalvielfältig: Frühbucher, Last-Minute, Instagram-Reels zur Region, Newsletter an Bestandsgäste. Wie hilft die Orchestrierung mehrerer LLMs dabei, diese Frequenz zu bedienen, ohne dass die Qualität abrutscht?

Genau das ist der Punkt, wir haben festgestellt, dass in vielen mittelständischen Betrieben nur ein Marketing-Verantwortlicher vorhanden ist und der wird dazu meist noch vor Ort in tägliche Marketingaktivitäten eingebunden. Es ist schier unmöglich als eine Person so vielfältige Marketing-Anforderungen zu erfüllen. Marketing-KI-Agenten unterstützen die Marketing-Mitarbeiter wie ein Team im Hintergrund. Marketing leidet immer als erstes, wenn die Ressourcen knapp werden. Und wer nicht wirbt, stirbt…

Viele kleine Hotels haben gar kein Marketing-Team — da macht das oft die Rezeptionsleitung oder der Inhaber nebenbei. Ist whaaat.ai für die gedacht, oder braucht es doch jemanden, der Marketing kann, um aus den Agenten was Gutes rauszuholen?

Tatsächlich haben wir wirklich einige Geschäftsinhaber als User. Unser Tool ist so gebaut, dass es kein Vorwissen und keine Schulung bedarf. Es ist für Generalisten gebaut. Das ist auch ein Learning aus meiner zanox-Zeit. Das Setup war damals technisch sehr aufwändig und es waren einige Kundentermine und Schulungen notwendig. Bei whaaat.ai muss alles in unserer Software selbsterklärend sein.

Ihr habt mit dem Landestourismusverband Havelland und dem Van der Valk Hotel Berlin schon Touristik-Kunden. Was war bei denen die konkrete Aufgabe — und wo hat die Plattform gemerkt geliefert, wo musste noch nachgesteuert werden?

An dieser Stelle übergebe ich gern das Wort an Matthias Kühn, CEO visithavelland, und Mirjana Bleich, Sales & Marketing Manager at Van der Valk Hotel Berlin Brandenburg.

Matthias Kühn: Als Tourismusverband Havelland nutzen wir das whaaat.ai zur Content-Vorbereitung für verschiedene Kanäle, um unser schlankes Team zu entlasten. Wir testen gerade, ob das Tool unsere eigenen Bilder nutzen und Content übersetzen kann, um uns wirklich Zeit zu sparen und den Claim ‚Stille Deine Sehnsucht' authentisch über alle Kanäle hinweg umzusetzen.

Mirjana Bleich: Ich habe mir ein intuitives All-in-One-Tool gewünscht und eine Alternative zu ChatGPT, welches mich bei der Content-Erstellung, Ideenfindung und Kampagnenplanung für das Van der Valk Hotel unterstützt. Richtig klasse finde ich die Agents, vor allem Ally, der mir bei der Orchestrierung hilft. Ein echter Gamechanger, der mir viel Zeit und Arbeit spart.

25 US-Dollar im Monat für unbegrenzte Nutzung ist aggressiv kalkuliert. Wie verdient ihr daran Geld — und ist der Preis ein Markteintritts-Hebel oder dauerhaft so gedacht?

Der aktuelle Preis ist bewusst als niedrigschwelliger Einstieg gewählt. Wir sehen gerade, dass viele Marketingteams zwar großes Interesse an KI haben, sich aber von der Vielzahl an Tools, Modellen und technischen Anforderungen überfordert fühlen. Deshalb wollen wir den Zugang möglichst einfach machen.

Gleichzeitig entwickeln wir die Plattform kontinuierlich weiter – insbesondere im Bereich Automatisierung, Team-Workflows und integrationsbasierter Funktionen. Perspektivisch wird es daher auch differenziertere Modelle und zusätzliche Features geben.

Im Moment steht für uns aber zunächst im Vordergrund, dass Unternehmen möglichst unkompliziert Erfahrungen mit spezialisierten KI-Agenten sammeln können.

OMR Reviews hat „AI Content Creation Platforms" gerade als eigene Kategorie eingeführt, Gartner und Goldman Sachs nennen KI-Agenten als Top-Trend 2026. Gleichzeitig ist der Markt voll mit Tools. Was unterscheidet euch von den anderen, die jetzt alle „Agenten" draufschreiben?

Wir konzentrieren uns auf „organisches" Content-Marketing. Ich habe seit 2013 auch viele mittelständische Betriebe und Startups beraten und dabei gelernt, dass Performance-Marketing für die meisten nicht relevant ist. Meine These war immer: Lieber mehr Geld in gute Marketingideen stecken statt in Ads. Wenn man es schafft, gute Marketing-Posts zu verbreiten, kann man diese später immer noch mit Budget pushen. So spart man Budget und Ressourcen.

Stichwort Authentizität: Gäste merken oft, wenn Hotel-Content nach KI-Stanze klingt. Wo zieht ihr die Grenze — was sollten Touristiker auf keinen Fall einem Agenten überlassen?

Uns ist wichtig, dass die Texte nicht zu generisch sind. Wir verbieten den LLMs deshalb sehr viel. Viele Modelle greifen immer wieder auf dieselben Hooks zurück oder formulieren Call-to-Actions zu platt. Bei fast allen LLMs verbieten wir außerdem die KI-typischen Gedankenstriche. Und wir verbessern natürlich fortlaufend die Integration der Markensprache. Hierzu werden später noch einige Features folgen.

Tourismus ist international — eine Destination muss oft auf Deutsch, Englisch, vielleicht Niederländisch kommunizieren. Wie gut sind die Agenten im mehrsprachigen Arbeiten, gerade auch beim neuen Video-Feature?

Unterschiedliche Sprachen sind grundsätzlich gar kein Problem mehr. Um ehrlich zu sein, mussten wir den Video-Agent wieder abschalten. Hier ist die Erwartung der User eine andere als dass sie die AIs schon liefern können.

Schauen wir zwei Jahre voraus: Wie sieht das Marketing-Team eines mittelständischen Hotels 2028 aus — wie viele Menschen, wie viele Agenten, und wer trifft am Ende die Entscheidungen?

Digitales Marketing ist heute in vielen Teilen viel zu technisch geworden. Ich hoffe wirklich sehr, dass wir einen Beitrag dazu leisten können, mittelständischen Betrieben und Marketing-Generalisten ein einfaches Tool an die Hand zu geben, ohne sich den ganzen Tag mit dem Marketing-Tech-Stack zu beschäftigen. Gutes Marketing profitiert oft von viel Empathie und neusten Marketing-Ideen (Growth Hacks), die reine Umsetzung, auf die eh keiner Bock hat, wird automatisiert.

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