Eine Arbeitsstunde kostet deutsche Arbeitgeber 2025 im Schnitt 45,00 Euro – 3,6 % mehr als im Vorjahr. Damit liegt Deutschland 29 % über dem EU-Durchschnitt von 34,90 Euro. Besonders stark gestiegen sind die Arbeitskosten im Gastgewerbe: Seit 2020 ein Plus von über 30 %.
45,00 Euro pro geleisteter Arbeitsstunde – so hoch sind die durchschnittlichen Arbeitskosten in Deutschland im Jahr 2025. Das meldet das Statistische Bundesamt (Destatis) in seiner Pressemitteilung vom 29. April 2026. Gegenüber 2024 (43,50 Euro) entspricht das einem Anstieg von 3,6 % – weniger als der EU-weite Anstieg von 4,1 %.
Für die Hospitality-Branche sind diese Zahlen mehr als eine Statistik. Das Gastgewerbe gehört zu den Wirtschaftszweigen mit dem stärksten Kostenzuwachs seit 2020 – und der Druck auf Betriebe bleibt hoch.
Deutschland im EU-Vergleich: teuer, aber nicht Spitze
Mit 45,00 Euro liegt Deutschland deutlich über dem EU-Schnitt von 34,90 Euro – ein Abstand von rund 29 %. Dieser Wert hat sich seit 2020 kaum verändert: Damals lagen die deutschen Arbeitskosten ebenfalls rund 30 % über dem EU-Mittel. Deutschland ist also teuer geblieben, aber relativ stabil positioniert.
An der Spitze der EU steht Luxemburg mit 56,80 Euro pro Stunde, gefolgt von Dänemark (51,70 Euro) und den Niederlanden (47,90 Euro). Am günstigsten arbeiten Unternehmen in Bulgarien (12,00 Euro), Rumänien (13,60 Euro) und Ungarn (15,20 Euro).
Gastgewerbe: über 30 % teurer als 2020
Im Fünfjahresvergleich sind die Arbeitskosten in Deutschland in allen Wirtschaftszweigen um mindestens 14 % gestiegen. Der gesamtwirtschaftliche Schnitt liegt bei +22,3 % seit 2020. Drei Bereiche stechen besonders heraus:
- Erbringung freiberuflicher, wissenschaftlicher und technischer Dienstleistungen: über +30 %
- Erbringung sonstiger wirtschaftlicher Dienstleistungen: über +30 %
- Gastgewerbe: über +30 %
Das Gastgewerbe gehört damit zu den Sektoren mit dem stärksten relativen Kostenanstieg – obwohl die Ausgangsbasis 2020 bereits durch die Pandemie verzerrt war. Betriebe, die in dieser Zeit mit Kurzarbeit und eingeschränktem Betrieb arbeiteten, holen seitdem sowohl bei Löhnen als auch bei Sozialabgaben auf.
Arbeitskosten umfassen nicht nur den Bruttolohn. Destatis rechnet alle Aufwendungen der Arbeitgeber für Beschäftigte ein: Sozialbeiträge (Renten-, Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung), Ausbildungskosten, betriebliche Altersvorsorge und sonstige Lohnnebenkosten. In Deutschland machen die Lohnnebenkosten typischerweise rund 20–25 % der Gesamtarbeitskosten aus.
Was das für Hotellerie und Gastronomie bedeutet
Margen unter Druck
Personal ist in der Hospitality-Branche der größte Kostenblock. Je nach Betriebstyp entfallen 30–45 % des Umsatzes auf Personalkosten. Steigende Arbeitskosten treffen Restaurants, Hotels und Spa-Betriebe deshalb besonders hart – zumal die Möglichkeiten zur Automatisierung im direkten Gästekontakt begrenzt sind.
Osteuropa als Benchmark – oder als Problem?
Länder wie Bulgarien (+13,1 %), Kroatien (+11,6 %) und Polen (+10,5 %) verzeichneten 2025 die stärksten prozentualen Anstiege im EU-Vergleich. Das zeigt: Die Lohnlücke zwischen West- und Osteuropa schließt sich. Für deutsche Betriebe, die auf Fachkräfte aus diesen Ländern setzen, bedeutet das mittelfristig: Die Kostenvorteile schrumpfen.
Schwache Anstiege in Westeuropa
Frankreich (+2,0 %), Dänemark (+3,0 %) und Italien (+3,2 %) hatten die geringsten Zuwächse. Malta war das einzige EU-Land mit sinkenden Arbeitskosten (-0,5 %). Deutschland liegt mit +3,6 % im moderaten Mittelfeld – das gibt Planungssicherheit, löst aber den strukturellen Kostendruck nicht.
Zahlen im Überblick
Was jetzt zu tun ist
Steigende Arbeitskosten sind kein temporäres Phänomen. Seit 2020 hat das Gastgewerbe eine der stärksten Kostendynamiken aller Wirtschaftszweige erlebt – und das wird sich nicht umkehren. Betriebe, die jetzt reagieren, haben drei Hebel:
- Produktivität steigern: Weniger manuelle Prozesse, mehr digitale Unterstützung – von der Reservierung bis zur Abrechnung.
- Retention stärken: Fluktuation ist teuer. Ein Mitarbeiter, der bleibt, kostet weniger als einer, den du neu einarbeitest.
- Preise anpassen: Gestiegene Personalkosten müssen in der Kalkulation sichtbar sein. Wer das nicht abbildet, finanziert den Preisanstieg aus dem eigenen Ertrag.
Die Daten aus Destatis liefern dabei eine wichtige Grundlage: Der deutsche Markt bleibt teuer – aber wer effizient aufgestellt ist, kann trotzdem konkurrenzfähig sein.
