Am 19. und 20. Mai 2026 traf sich die Hospitality-Branche zum dritten Mal beim Beam – Hospitality Gamechanger Summit in der Messe Bozen. Mehr als 300 Teilnehmende und über 35 Speaker diskutierten, wie echte Gastfreundschaft, klare Konzepte und mutige Geschäftsmodelle die Branche voranbringen. Die Kernbotschaft: Wer heute relevant bleiben will, muss aufhören, es allen recht zu machen.
„Lead the Shift!“ – das Motto des Beam 2026 war kein Wunsch, sondern eine Bestandsaufnahme. Die Hospitality-Branche dreht sich nicht mehr im Kreis. Sie bewegt sich. Und wer zu langsam ist, verliert den Anschluss.
Von der Konferenz zur Plattform
Was der Beam Summit in seinen ersten zwei Ausgaben angedeutet hatte, wurde in Bozen zur klaren Strategie: Das Format versteht sich nicht mehr als Bühne für Impulse, sondern als Raum für aktiven Wandel. Kein Frontalvortrag, kein passives Zuhören – stattdessen Austausch, Interaktion und gemeinsames Entwickeln neuer Perspektiven.
Den Community-Gedanken lebte die Veranstaltung auch abseits des Saals: Das Evening Event auf Schloss Maretsch, einem historischen Ansitz mitten in Bozen, machte informellen Austausch zum Programmpunkt. Beim Flying Dinner entstanden genau die Gespräche, die in glatten Panel-Sessions oft ausbleiben.
Was Gäste wirklich berührt – und was nicht
Das Panel „Human Hospitality: Was wirklich bei Menschen ankommt“ war eines der dichtesten des Summits. Sabine Rogg, Managing Director von Avantgarde Germany & Trendbüro, Magnus Busch, Gründer von Nook Society, und Philip Ibrahim, General Manager des Moa Berlin, diskutierten die Spannung zwischen Minimalismus und Maximalismus in der modernen Gastgeberwelt.
Das Ergebnis war eindeutig: Perfektion überzeugt niemanden mehr. Haltung schon.
Eine Community ist besonders stark, wenn sie nicht für alle ist.
– Sabine Rogg, Managing Director Avantgarde Germany & Trendbüro
Magnus Busch brachte die Frage nach Authentizität auf den Punkt: Wer geerdet ist, braucht keine Maske. Philip Ibrahim ergänzte aus Betreiber-Perspektive:
Ich muss selbst daran glauben, was ich anbiete, sonst funktioniert das Konzept nicht.
– Philip Ibrahim, General Manager Moa Berlin
Was alle drei einte: der Anspruch, Erinnerungen zu schaffen – keine Erlebnisse, die im Moment ganz nett sind und danach verblassen.
Mainstream ist tot – und das ist gut so
Den stärksten Kontrapunkt setzte Sven Sallaerts, Co-Founder von Younique Concepts. Sein Auftritt war bewusst provokant – und das mit Kalkül.
„Mainstream is dead.“Sallaerts These: Die Branche scheitert nicht an schlechter Qualität, sondern an zu viel Mittelmäßigkeit durch den Versuch, alle anzusprechen. Konzepte ohne klare Kante erzeugen keine Loyalität, keine Community, keine Weitempfehlung. Seine Formulierung dazu war direkt:
You must piss people off.
– Sven Sallaerts, Co-Founder Younique Concepts
Wer niemanden abstößt, begeistert auch niemanden. Das mag unbequem klingen, trifft aber einen realen Nerv in einer Branche, die lange auf Breitenkompatibilität gesetzt hat.
Neue Geschäftsmodelle: Fans statt Finanziers
Sallaerts skizzierte beim Beam auch, wie Hospitality-Konzepte der nächsten Generation aussehen könnten – und das geht weit über Zimmer und Menükarten hinaus.
- Mitarbeitende als Miteigentümer, nicht als Kostenfaktor
- Gewinnbeteiligung als fester Bestandteil des Vergütungsmodells
- Flexible Arbeitsmodelle bis hin zur 3,5-Tage-Woche
- Community-getriebener Ansatz statt klassischer Marketingkanäle
- Fans und Markenbotschafter als Finanzierungsgrundlage
Das klingt nach Startup-Logik – und das ist vermutlich der Punkt. Die Hotellerie hat jahrzehntelang aus einer Eigentümer-Perspektive heraus gebaut. Sallaerts dreht das um: Erst die Community, dann das Konzept.
Drei Thesen, die den Summit geprägt haben:
- Haltung vor Perfektion: Gäste erinnern sich an Charakter, nicht an makellose Abläufe.
- Klare Zielgruppe: Wer für alle da sein will, ist für niemanden unverzichtbar.
- Neue Eigentumsmodelle: Mitarbeiterbeteiligung und Community-Finanzierung werden von Einzelfällen zu Trendmodellen.
Was der Beam für die Branche bedeutet
Der Summit in Bozen ist kein reines Netzwerk-Event und keine klassische Messe. Er ist näher an einem Denklabor – mit dem Anspruch, dass aus dem Denken tatsächlich Handeln folgt. Der diesjährige Titel „Vom Denken ins Handeln“ war also kein Marketing-Slogan, sondern Programm.
Die Herausforderungen, die das Format adressiert, sind real: steigende Betriebskosten, veränderte Gästeansprüche, anhaltender Fachkräftemangel. Wer auf diese Fragen mit denselben Antworten reagiert wie vor zehn Jahren, verliert. Der Beam macht deutlich, dass ein wachsender Teil der Branche das begriffen hat.
Bozen als Standort: kein Zufall
Dass der Beam ausgerechnet in Südtirol stattfindet, hat Symbolkraft. Die Region steht für einen eigenständigen Weg in der Hotellerie – familiär, qualitätsorientiert, mit starkem Regionalbezug. Ein Umfeld, das zum Summit-Gedanken passt: Haltung statt Hochglanz, Substanz statt Oberfläche.


