Das Wichtigste in Kürze

Choice Hotels hat das erste Quartal 2025 mit einem RevPAR-Rückgang von 2,3 Prozent abgeschlossen – während der US-Hotelmarkt insgesamt um knapp 4 Prozent zulegte. Der Aktienkurs brach an einem allgemein freundlichen Börsentag um rund 15 Prozent ein. Hurrikane in vier US-Bundesstaaten und Preisdruck im Economy-Segment gelten als Hauptursachen.

Der US-Hotelmarkt hat im ersten Quartal 2025 die stärkste Nachfrage seit der Pandemie verzeichnet – Auslastung auf dem höchsten Stand seit 2019, RevPAR laut CoStar branchenweit knapp 4 Prozent im Plus. Choice Hotels hat davon wenig gespürt. Die Kette meldete einen systemweiten RevPAR-Rückgang von 2,3 Prozent, getrieben von einem ADR-Minus von 2,1 Prozent und einem leichten Occupancy-Rückgang um 10 Basispunkte.

Analysten reagierten ungewöhnlich deutlich. Truist-Securities-Analyst Patrick Scholes schrieb, man könne sich nicht daran erinnern, dass ein diversifizierter Franchise-Geber den US-Markt in diesem Ausmaß unterbot. Das operative Ergebnis sank um 25 Prozent auf 60 Millionen US-Dollar.

Hurrikan-Effekt und Economy-Preisdruck

Choice Hotels erklärt die schwachen Zahlen vor allem mit Hurrikanen in vier US-Bundesstaaten, die für einen besonders harten Jahresvergleich sorgten. Das Vorjahresquartal hatte von temporärem Mehrbedarf durch Sturmfolgen profitiert – dieser Effekt fiel nun weg.

Dazu kommt struktureller Preisdruck im Economy-Segment, das den Kern des Choice-Portfolios bildet. Die ADR in diesem Bereich fiel um 5,5 Prozent – deutlich stärker als der systemweite Schnitt. Economy-Marken wie Comfort Inn, Quality Inn und Econo Lodge stehen unter Druck, weil Reisende im Preiseinstiegssegment sensibler auf Kostensteigerungen reagieren als Gäste in Upper-Midscale oder Upscale.

Q1-Kennzahlen Choice Hotels auf einen Blick
  • RevPAR systemweit: −2,3 % Jahr über Jahr
  • ADR systemweit: −2,1 %
  • ADR Economy-Segment: −5,5 %
  • Occupancy: −10 Basispunkte
  • Operatives Ergebnis: 60 Mio. USD (−25 % YoY)
  • Internationale Royalty Fees: 12 Mio. USD (+79 % YoY)
  • Aktienrückgang am Meldungstag: ca. −15 %

Quelle: Choice Hotels Q1-Earnings-Call, CoStar-Daten

Wo Choice Hotels punktet – und wo nicht

Rekord-Eröffnungen, schwache RevPAR

Ein differenzierteres Bild zeigt die Entwicklungsseite. Brutto-Neueröffnungen stiegen im Jahresvergleich um 32 Prozent, die Quartalseröffnungen erreichten ein Fünfjahreshoch. Gleichzeitig lag die Abgangsrate auf dem niedrigsten Niveau seit Jahren. Das Netto-Raumwachstum dreht damit wieder positiv – ein Zeichen, dass Franchisepartner langfristig weiter auf die Marke setzen.

Internationales Geschäft als Lichtblick

International zeigt Choice eine andere Dynamik. Die Royalty Fees aus dem Auslandsgeschäft legten um 79 Prozent auf 12 Millionen US-Dollar zu, getrieben vor allem durch Wachstum in Kanada. Das internationale Zimmervolumen wächst deutlich schneller als das US-Geschäft – und dürfte mittelfristig die Ertragsbasis breiter aufstellen.

Pipeline: Hoffnung auf höhermargige Segmente

CEO Patrick Pacious betonte im Earnings-Call, die Ergebnisse lägen „im Rahmen der Erwartungen“ und signalisierten einen Wendepunkt. Der Fokus liegt auf dem Ausbau höhermargiger Marken und Extended-Stay-Konzepten – beides Segmente, die weniger zyklisch auf Preisdruck reagieren als das Economy-Kernsegment.

Extended Stay ist für Choice kein neues Thema: Die Marke WoodSpring Suites positioniert die Kette im wachsenden Long-Stay-Markt. Ob das reicht, um die Lücke zum Marktschnitt zu schließen, hängt davon ab, wie schnell diese Häuser in den nächsten Quartalen in die Ertragsrechnung einzahlen.

Der Abstand zum Marktschnitt ist zu groß, um ihn allein mit externen Faktoren zu erklären. Economy-Gäste spüren Inflation stärker – das ist kein kurzfristiger Hurrikan-Effekt, sondern ein strukturelles Problem.

Was das für Hoteliers bedeutet

Für Franchisepartner von Choice – und für alle, die im Economy- und Midscale-Segment arbeiten – sind die Quartalszahlen ein Warnsignal. Preissetzungsspielraum im Einstiegssegment schrumpft, wenn Inflation die Kaufkraft der Kernzielgruppe drückt. Wer in diesem Segment arbeitet, sollte folgende Hebel prüfen:

  • Kostenstruktur auf der Ausgabenseite konsequent analysieren – GOP-Marge bleibt entscheidend
  • RevPAR-Treiber differenzieren: Ist das ADR- oder ein Occupancy-Problem?
  • Loyalty-Programm ausschöpfen – Choice Privileges ist ein echter Differenziator im Economy-Segment
  • Extended-Stay-Nachfrage lokal prüfen – gerade in Märkten mit stabilem Workforce-Tourismus
  • Jahresvergleiche um externe Effekte (Naturkatastrophen, Events) bereinigt analysieren

Der US-Markt insgesamt läuft gut – das macht das Ergebnis von Choice Hotels umso auffälliger. Die Kette hat echte Stärken (Entwicklungspipeline, internationales Wachstum), aber ein strukturelles Problem im Kernsegment, das mehr als ein Quartal brauchen wird, um sich aufzulösen.

HÄUFIGE FRAGEN

Warum hat Choice Hotels den US-Hotelmarkt im ersten Quartal 2025 so deutlich unterperformt?

Choice Hotels verzeichnete einen RevPAR-Rückgang von 2,3 Prozent, während der US-Markt insgesamt um knapp 4 Prozent zulegte. Ursachen sind Hurrikane in vier Bundesstaaten, die Vorjahresvergleiche schwierig machen, sowie struktureller Preisdruck im Economy-Segment, wo die ADR um 5,5 Prozent fiel.

Wie hat sich der Aktienkurs von Choice Hotels nach dem Q1-Bericht entwickelt?

Der Kurs fiel am Tag der Meldung um rund 15 Prozent – an einem Tag, an dem der breite Markt im Plus lag.

Gibt es positive Entwicklungen bei Choice Hotels trotz der schwachen Quartalszahlen?

Ja: Brutto-Neueröffnungen stiegen um 32 Prozent, die Quartalseröffnungen erreichten ein Fünfjahreshoch, und internationale Royalty Fees legten um 79 Prozent auf 12 Millionen US-Dollar zu – vor allem dank Wachstum in Kanada.

Was ist das Extended-Stay-Konzept von Choice Hotels?

Choice Hotels betreibt mit WoodSpring Suites eine Marke im Long-Stay-Segment. Extended-Stay-Hotels reagieren weniger zyklisch auf Preisdruck und gelten als Teil der mittelfristigen Wachstumsstrategie der Kette.

Was bedeuten die Choice-Hotels-Zahlen für Hoteliers im Economy-Segment?

Der Preissetzungsspielraum im Einstiegssegment schrumpft, wenn Inflation die Kaufkraft der Kernzielgruppe belastet. Hoteliers sollten GOP-Marge, RevPAR-Treiber und Loyalty-Potenzial konsequenter analysieren – und Extended-Stay-Nachfrage in ihrem Markt prüfen.
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