Expedia Group hat im ersten Quartal 2025 insgesamt 279 Millionen Dollar für Übernahmen ausgegeben – der Löwenanteil floss in den Kauf von Tiqets, einem Amsterdamer Anbieter für Tickets zu Touristenattraktionen. Airbnb war als Investor in Tiqets beteiligt und macht durch den Verkauf 70 Millionen Dollar Gewinn. Expedia will Tiqets zunächst ins B2B-Geschäft einbinden, später auch in die eigenen Consumer-Marken.
Die Zahlen stehen schwarz auf weiß in den 10-Q-Quartalsberichten beider Unternehmen: Expedia Group hat im ersten Quartal 279 Millionen Dollar für Akquisitionen aufgewendet. Den Großteil davon verschlang das Closing des Deals mit Tiqets – ein niederländisches Unternehmen, das Tickets für Museen, Sehenswürdigkeiten und Freizeitattraktionen weltweit vermittelt und seinen Sitz in Amsterdam hat.
Airbnb war drin – und geht mit 70 Millionen raus
Was die Transaktion besonders interessant macht: Airbnb war vor dem Deal Investor bei Tiqets. Als Expedia übernahm, kassierte Airbnb laut seinem eigenen 10-Q-Filing für Q1 2025 rund 70 Millionen Dollar aus dem Verkauf seiner Anteile. Ein solider Return – und für Airbnb ein willkommener Einmaleffekt, der den Quartalsgewinn spürbar nach oben trieb.
Expedias Plan: erst B2B, dann Consumer
Expedia hat konkrete Vorstellungen, wo Tiqets ins eigene Portfolio passt. Der erste Schritt ist die Integration ins B2B-Geschäft – also in die Schnittstellen, über die Hotels, Reisebüros und andere Partner Erlebnisse und Aktivitäten anbieten können. Danach soll Tiqets schrittweise auch in die Consumer-Marken von Expedia eingebunden werden, zu denen unter anderem Hotels.com und Vrbo gehören.
Das Segment „Touren, Aktivitäten und Attraktionen“ gilt in der Reisebranche als eines der am stärksten wachsenden – und war bislang vergleichsweise fragmentiert. Mit Tiqets holt sich Expedia direkten Zugang zu einem etablierten Bestandsnetzwerk an buchbaren Attraktionen.
Airbnb baut parallel sein Experiences-Geschäft aus
Für Airbnb bedeutet der Exit aus Tiqets keinen Rückzug aus dem Erlebnismarkt – im Gegenteil. Das Unternehmen entwickelt sein eigenes „Experiences“-Produkt weiter, das Gastgeber-geführte Aktivitäten direkt auf der Plattform anbietet. Der Tiqets-Verkauf liefert dafür frisches Kapital und war für Airbnb strategisch wohl ohnehin ein Auslaufmodell: Warum in einen Wettbewerber investiert bleiben, wenn man selbst in dieselbe Richtung baut?
Tiqets ist ein 2012 gegründeter niederländischer Online-Marktplatz für Eintrittskarten zu Museen, Sehenswürdigkeiten und Freizeitattraktionen. Das Unternehmen arbeitet direkt mit Attraktionsbetreibern zusammen und bietet Skip-the-line-Tickets sowie mobile Tickets an. Zu den Partnern zählen bekannte Häuser in Europa, den USA und Asien. Airbnb hatte sich zu einem nicht genannten Zeitpunkt als Investor beteiligt – und beim Verkauf an Expedia nun seinen Anteil abgegeben.
Was der Deal für die Branche bedeutet
Die Übernahme passt in ein größeres Muster: Die großen Online-Reiseplattformen wollen weg vom reinen Transaktionsgeschäft rund um Flug und Hotel – und hin zu einem vollständigen Reiseerlebnis. Touren und Aktivitäten sind dabei der logische nächste Schritt. GetYourGuide, Viator (Teil von TripAdvisor) und Klook dominieren das Segment bislang. Expedia drängt mit Tiqets jetzt ernsthaft in diesen Markt.
- Expedia bekommt direkten Zugang zu gebuchten Attraktionen weltweit
- B2B-Integration kommt zuerst – Hotels und Partner können Tiqets-Angebote bündeln
- Airbnb realisiert 70 Millionen Dollar Gewinn und stärkt damit die eigene Kasse für den Experiences-Ausbau
- Der Markt für Touren und Attraktionen wächst schneller als klassische Hotelbuchungen
- Wettbewerber wie GetYourGuide und Viator bekommen einen finanzstarken neuen Gegner

