Googles Agentic-Commerce-Ansatz wirkt laut Hospitality Net nicht wie ein direkter Umweg an den OTAs vorbei. Auf der Partnerliste stehen Booking.com und Expedia neben Marken wie Marriott, IHG, Choice und Wyndham.
Für die Branche heißt das: Google zieht eine neue Ebene über den Vertrieb, statt ihn einfach auszutauschen. Wer dort sichtbar bleiben will, muss sich auf neue Regeln im Shopping- und Buchungsprozess einstellen.
Warum die Bypass-These nicht hält
Die Geschichte klang erst mal sauber: Agentic AI übernimmt die Reiseplanung, bucht direkt und schiebt die Zwischenhändler aus dem Weg. Doch genau diese Lesart gerät ins Wanken, wenn du auf die von Google genannten Partner schaust.
In der Liste stehen Booking.com und Expedia. Dazu kommen Marriott, IHG, Choice und Wyndham. Zwei der größten OTAs der Welt sitzen also nicht draußen vor der Tür, sondern mitten im Aufbau.
- Booking.com bleibt Teil des Systems.
- Expedia bleibt Teil des Systems.
- Google schafft eine weitere Vertriebsschicht darüber.
Genau da liegt der Punkt: Das Modell ersetzt den Kanal nicht. Es verschiebt, wo die Reise beginnt und wer den Entscheidungsraum kontrolliert.
Was Google damit wirklich baut
Laut dem Originaltext entsteht eine Commerce-Fläche über Suchergebnissen, Gemini, YouTube und Gmail. Der Nutzer startet also an vielen Stellen im Google-Ökosystem und landet dann in einem Buchungs- oder Kaufpfad, der technisch zusammengeführt wird.
Google hält den Einstiegspunkt, die Produktrecherche und den Kontext der Entscheidung enger zusammen. Der Merchant bleibt zwar Merchant of Record, aber die Beziehung zum Nutzer wandert nach oben in die Google-Schicht.
Für Hotels und OTAs ist das unbequem. Nicht, weil Google sofort alles direkt macht. Sondern weil Google den Raum kontrolliert, in dem die Auswahl passiert. Sichtbarkeit wird damit noch wichtiger als der letzte Klick.
Was sich für die Distribution verschiebt
PhocusWire beschreibt den Effekt laut verlinkter Einordnung direkt: Travel Seller müssen sich in diese neuen Rails integrieren oder sie werden für die Agenten unsichtbar. Das ist kein romantischer Zukunftsentwurf. Das ist Distributionslogik in neuer Verpackung.
- Sichtbarkeit im Agenten-Interface wird entscheidend.
- Produktdaten müssen maschinenlesbar und sauber gepflegt sein.
- Direktbuchung bleibt wichtig, aber nicht automatisch dominant.
- Wer nur auf Brand.com setzt, verliert Reichweite im oberen Funnel.
Warum die OTAs nicht nervös wirken
Auch das ist ein wichtiger Hinweis. Laut dem Originaltext reagieren die großen Player nicht mit Abwehr, sondern mit Kooperation. Booking-Chef Glenn Fogel sagte in einer Quartalskonferenz, Booking sei „incredibly excited about the position“. Diese Formulierung stammt aus dem Artikel selbst und zeigt: Die Branche liest das Thema nicht nur defensiv.
Der Grund ist simpel. OTAs kennen Googles Spiel seit Jahren. Sie zahlen schon lange für Sichtbarkeit, Reichweite und Performance. Agentic Commerce verändert das Spielfeld, aber nicht die Grundregel: Wer den Nutzer im entscheidenden Moment erreicht, gewinnt die Transaktion oder zumindest einen Teil davon.
„incredibly excited about the position“
– Glenn Fogel, Booking Holdings, laut im Originalartikel zitierter Quartalskonferenz
Das ist die eigentliche Verschiebung
Nicht die Buchung selbst wird zum Hebel, sondern der Weg dorthin. Der Suchraum wird zum Verkaufsraum. Die Antwort des Assistenten wird zum neuen Schaufenster. Und Google sitzt genau dazwischen.
Was Hotels jetzt konkret tun sollten
Die gute Nachricht: Du musst nicht auf jede neue Google-Funktion warten. Du kannst heute anfangen, die Basis sauber zu ziehen. Das hilft bei OTAs, Metasuche, Suchergebnissen und künftig auch bei Agenten.
- Strukturiere Raten, Verfügbarkeiten und Inhalte sauber.
- Halte Marken- und Zimmerdaten konsistent über alle Kanäle.
- Prüfe, welche Inhalte eine KI überhaupt lesen und vergleichen kann.
- Arbeite enger mit eurem Distributionsteam und dem Revenue Management.
Am Ende läuft es auf eine einfache Frage hinaus: Wer kontrolliert den Moment der Entscheidung? Früher war das oft die OTA oder die Metasuche. Künftig kann es der Agent sein, der auf Google läuft. Das ist kein Umweg. Das ist die neue Hauptstraße.


