In den USA sinkt die Zahl der Hotelzimmer im Bau seit 15 Monaten in Folge – aktuell sind laut CoStar noch 136.990 Zimmer in der Pipeline. Europa dreht den Geldhahn dagegen auf: JLL zufolge flossen 2025 rund 27 Milliarden Euro in europäische Hotelimmobilien – ein Plus von 23 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Und trotz voller Häuser: Selbst ausgelastete Hotels stehen durchschnittlich sechs Stunden täglich leer – zu vollen Fixkosten.
USA: Der längste Baurückgang seit Jahren
Fünfzehn Monate am Stück. So lange schrumpft die US-amerikanische Hotelbau-Pipeline bereits – und ein Ende ist nicht in Sicht. Laut CoStar-Daten für März 2026 befinden sich derzeit 136.990 Hotelzimmer in Bau, was einem Mehrjahrestief entspricht. Zum Vergleich: Im Juni 2025 waren es noch 138.922 Zimmer – damals bereits ein 20-Quartals-Tief.
Der jahresvergleichliche Rückgang fiel zuletzt um knapp 12 Prozent aus. Haupttreiber: gestiegene Baukosten, höhere Zinsen und wirtschaftliche Unsicherheit. Wer in den letzten zwei Jahren ein Hotel-Entwicklungsprojekt auf Eis gelegt hat, ist damit in guter Gesellschaft.
- 136.990 Zimmer aktuell im Bau (CoStar, März 2026)
- 15 Monate in Folge mit jahresvergleichlichem Rückgang
- −11,9 % YoY im Vergleich zu Juni 2025
- Luxury-Segment legt prozentual noch zu: +4,5 % Pipeline-Wachstum
- Dallas führt unter den US-Märkten bei aktiven Bauprojekten
Quelle: CoStar / STR, März 2026
Luxus trotzt dem Trend
Ein Segment stemmt sich gegen den Abwärtstrend: Luxushotels. Mit einem Pipeline-Wachstum von 4,5 Prozent und einem Projektrekord im ersten Quartal 2026 – laut Daten von Lodging Econometrics – zeigt das obere Preissegment, dass zahlungskräftige Reisende weiterhin gebucht werden. Dallas führt dabei das Feld der aktivsten Baumärkte an.
Das Muster ist bekannt: In schwierigen Phasen ziehen sich Entwickler aus dem Mid-Scale-Segment zurück, während Luxus-Projekte – oft mit langfristiger Finanzierung und institutionellen Investoren im Rücken – weiter durchgezogen werden.
Europa: €27 Milliarden – und trotzdem nur 2 % RevPAR-Wachstum
Auf der anderen Seite des Atlantiks sieht die Stimmungslage auf den ersten Blick rosiger aus. Die europäischen Hotelimmobilienmärkte zogen 2025 rund 27 Milliarden Euro Investitionsvolumen an – ein Anstieg von 23 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Starke Zahlen. Aber sie erzählen nur die halbe Geschichte.
Denn das operative Geschäft hält nicht Schritt: Der RevPAR – die wichtigste Kennzahl für Hotelerträge – wuchs europaweit nur um 2 Prozent. Die Auslastung liegt weiterhin 1,5 Prozentpunkte unter dem Vor-Corona-Niveau. Investoren kaufen also in einen Markt, der operativ noch nicht vollständig erholt ist.
Was treibt das Investoreninteresse?
Europäische Hotelinvestments profitieren von mehreren Faktoren gleichzeitig: Der starke Inbound-Tourismus aus den USA und dem Nahen Osten stützt die Nachfrage in Schlüsselmärkten wie London, Paris, Madrid und Rom. Institutionelle Investoren sehen Hotels zunehmend als Alternative zu Büroimmobilien – gerade weil letztere seit der Pandemie strukturell unter Druck stehen. Hinzu kommt: Wer heute kauft, kauft möglicherweise auf dem Tief des Zyklus – bevor ein neues Angebot den Markt trifft.
Sechs Stunden täglich leer – bei vollen Fixkosten
Die dritte Zahl in diesem Datentrio ist die unangenehmste: Selbst vollständig belegte Hotels stehen durchschnittlich sechs Stunden pro Tag leer – und das zu vollen laufenden Kosten. Check-out um 11 Uhr, Check-in ab 15 Uhr: Das sind vier Stunden garantierte Leerlaufzeit pro Zimmer täglich. Hinzu kommen frühe Abreisen, späte Ankünfte und unverkaufte Nächte.
Für die Branche ist das kein neues Problem – aber ein zunehmend teures. Personal, Energie, Kapitaldienst: Die Fixkostenbasis eines Hotels läuft rund um die Uhr. Das Produkt steht es nicht.
Was dagegen hilft – und was die Branche bisher macht
- Dynamic Check-in/-out: Flexible Zeitfenster gegen Aufpreis – wird von OTAs wie Booking.com und Hotels wie CitizenM bereits systematisch verkauft
- Day-Use-Modelle: Zimmer tagsüber als Büro oder Ruheplatz vermieten – Anbieter wie HotelsByDay oder Dayuse.com bauen dieses Segment aktiv aus
- Revenue Management für Gaps: Kurzaufenthalte, Last-Minute-Tagesbuchungen und Hybrid-Pakete reduzieren Leerstand zwischen regulären Belegungen
- Betriebszeiten-Optimierung: Energiemanagement-Systeme (z.B. Siemens Desigo, Schneider Electric EcoStruxure) dimmen Ressourcen in Leerräumen automatisch herunter
Die Technologie ist vorhanden. Die Bereitschaft, das Zimmerprodukt neu zu denken, wächst – aber langsam. Für viele klassische Vollservice-Hotels ist das Thema kulturell noch ein blinder Fleck.
Was bedeutet das zusammen?
Drei Datenpunkte, drei verschiedene Stressquellen – aber ein gemeinsamer Nenner: Die Hotellerie steht unter Effizienz-Druck von allen Seiten. Weniger Neubau in den USA bedeutet mittelfristig weniger Angebot, was RevPAR stützt – aber auch, dass Bestandshotels den Wettbewerbsdruck spüren, modernisiert zu werden. Europas Investmentboom klingt gut, solange der operative Unterbau mithält. Und die sechs leeren Stunden pro Zimmer und Tag sind eine ungenutzte Einnahmenquelle, die kein zusätzliches Investment braucht – nur ein anderes Mindset.
- Wie viele Stunden stehen meine Zimmer täglich zwischen zwei Belegungen leer – und welcher Umsatz könnte dort liegen?
- Nutze ich bereits Day-Use-Buchungen oder flexible Check-in-Zeiten als eigenständiges Umsatzprodukt?
- Plane ich Investitionen in Bestand statt Neubau – und habe ich das in meiner Mittelfrist-Strategie abgebildet?
