Die Karibik hat 2025 ihren Tourismus um 2,5 % gesteigert und liegt damit über dem Niveau vor der Pandemie. Die Nachfrage aus klassischen Überseemärkten wuchs laut dem 2026 Caribbean Travel Trends Report von CHTA und Amadeus allerdings nur um 1 %. Den Ausgleich schafft Lateinamerika – mit deutlich höheren Zuwachsraten. Dazu verschiebt sich der Fokus spürbar Richtung Premiumbuchungen.
Übersee-Nachfrage tritt auf der Stelle
Ein Plus von 1 % aus dem Fernmarkt – das ist kaum mehr als Stagnation. Genau das zeigt der Amadeus-Report, den die Caribbean Hotel and Tourism Association (CHTA) am 19. Mai 2026 beim Caribbean Travel Forum in Antigua und Barbuda vorgestellt hat. Nordamerika und Europa bleiben zwar die volumenstärksten Quellmärkte – aber das Momentum fehlt.
Für die Region ist das kein Alarmsignal, sondern ein Anlass zur Neuausrichtung. Statt auf Masse setzen immer mehr karibische Destinationen auf hochwertigere Gäste mit höherem Ausgabenverhalten – und auf Märkte, die gerade erst richtig anlaufen.
Lateinamerika holt stark auf
Das klare Wachstumssignal kommt aus dem Süden. Lateinamerika führt die Liste der Märkte mit den stärksten Zuwächsen beim Suchinteresse an. Gäste aus der Region suchen aktiv nach karibischen Angeboten – und buchen auch. Der Report spricht von einem CALA-Moment: Caribbean and Latin America als gemeinsamer Wachstumsraum, in dem Airlines, Hotels und Reisebüros die Produkte gerade erst auf diese neue Nachfrage ausrichten.
- Herausgeber: CHTA und Amadeus
- Vorgestellt: 19. Mai 2026, Caribbean Travel Forum, Antigua und Barbuda
- Übersee-Wachstum 2025: +1 % (im Jahresvergleich)
- Gesamtwachstum Karibik 2025: +2,5 % – über Vor-Pandemie-Niveau
- Treiber: Lateinamerika, Premiumnachfrage, Erlebnisreisen
Premium als Strategie, nicht als Trend
Parallel zur geografischen Verlagerung ändert sich die Art des Reisens. Gäste suchen laut Report gezielt nach Erlebnissen in neuen Destinationen – weniger Massenstrände, mehr Authentizität. Hotels, Airlines und Agenturen reagieren: mit kuratierteren Angeboten, kleineren Kontingenten und höheren Durchschnittspreisen.
Das hat Konsequenzen für Revenue-Strategien in der gesamten Region. Wer früher auf Auslastung optimiert hat, denkt jetzt in RevPAR und Gäste-Mix. Einzelne Destinationen zeigen dabei besonders starke Zuwächse – welche, nennt der Report ohne eine vollständige Rangliste, betont aber, dass die Entwicklung innerhalb der Karibik sehr ungleichmäßig verläuft.
Der Schlüssel liegt im Gäste-Mix: Weniger Volumen, mehr Wertschöpfung pro Buchung – das ist die Formel, auf die die Karibik gerade umschwenkt.Was das für die Branche bedeutet
- Lateinamerikanische Quellmärkte brauchen eigene Vertriebsstrategien – OTA-Listings auf Spanisch, angepasste Packages, lokale Zahlungsmethoden
- Premiumbuchungen entstehen selten spontan: Lead-Time, Personalisierung und Direktkanal-Invest gewinnen an Bedeutung
- Airlines spielen eine Schlüsselrolle – ohne direkte Verbindungen aus Lateinamerika bleibt die Nachfrage auf dem Papier
- Destinationen, die sich früh als Erlebnisziel positionieren, profitieren stärker als klassische Badeurlaub-Märkte
Gut gebetteter Aufschwung – aber nicht für alle gleich
2,5 % Gesamtwachstum klingt solide. Hinter der Zahl steckt aber eine deutlich differenziertere Realität: Einige Inseln und Destinationen wachsen zweistellig, andere stagnieren. Der Report macht klar, dass die Karibik kein homogener Markt ist – und dass die Weichen für die nächste Wachstumsphase gerade jetzt gestellt werden. Wer auf Lateinamerika und Premium setzt, ist dabei. Wer auf die alten Überseemärkte wartet, wartet möglicherweise lange.

