Am 15. Mai 2026 hat das erste Hiamo Hotel in Hamburg-Bergedorf eröffnet – 129 Zimmer, 3-Sterne-Segment, kein Frontdesk. Marco Nussbaum, Mitgründer von Prizeotel und IHA-Vorstand, positioniert Hiamo als „Conversion Brand“: bestehende Immobilien, schlanke Prozesse, Self-Check-in. Das Haus am Weidenbaumsweg 9 stand zuvor vier Monate leer, nachdem der Vorbetreiber nach einer Räumungsklage ausziehen musste.
Vier Monate Leerstand, drei Vorgänger-Marken, ein komplett neues Konzept: Das Hotel am Weidenbaumsweg 9 in Hamburg-Bergedorf hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Erst lief es als Ninetynine Hotel, dann als Vienna House Easy by Wyndham – bis Anfang 2026 eine Räumungsklage den Betrieb stoppte. Seit dem 15. Mai steht dort Hiamo auf dem Schild.
„Only what matters“ – was das konkret bedeutet
Marco Nussbaum bringt mit Hiamo keine weitere Lifestyle-Marke auf den Markt. Der Ansatz ist fast das Gegenteil. Das Leitmotiv „Only what matters“ ist keine Werbeformel, sondern eine operative Entscheidung: Alles, was Gäste nicht wirklich brauchen, fliegt raus.
Was bleibt, ist klar definiert: Schlafkomfort, funktionsfähige Duschen, stabiles WLAN, Frühstück. Keine klassische Rezeption. Gäste checken per Self-Check-in ein, perspektivisch übernimmt das Smartphone die Funktion des Zimmerschlüssels. Reduziertes Design mit klaren Farbakzenten statt aufwendig inszenierter Räume.
Wir glauben, dass viele Hotels heute unnötig komplex geworden sind, sowohl für Gäste als auch operativ. Deshalb reduzieren wir bewusst dort, wo Dinge keinen echten Mehrwert mehr schaffen.
– Marco Nussbaum, Gründer Hiamo Hotels
Digitalisierung ist bei Hiamo Mittel zum Zweck, nicht Selbstzweck. Technologie schafft operative Freiräume – damit die Mitarbeitenden sich auf persönlichen Kontakt konzentrieren können, statt Formulare abzuarbeiten.
Wir sind und bleiben ein People Business. Technologie kann viel, aber sie ersetzt nicht den echten Kontakt zwischen Menschen. Am Ende sind es die Mitarbeitenden, die den Unterschied machen.
– Marco Nussbaum, Gründer Hiamo Hotels
Conversion Brand: das Geschäftsmodell dahinter
Hiamo versteht sich ausdrücklich als „Conversion Brand“. Das Prinzip: keine Neubauten, sondern bestehende Hotelimmobilien mit überschaubarem Aufwand neu aufstellen. Eigentümer behalten ihre Immobilie, Hiamo übernimmt Betrieb und Marke als Mieter.
- Eröffnung: 15. Mai 2026
- Standort: Weidenbaumsweg 9, Hamburg-Bergedorf
- Zimmer: 129
- Kategorie: 3 Sterne
- Betriebsmodell: Mieter & Betreiber (Immobilie bleibt bei Eigentümergesellschaft)
- Check-in: Self-Check-in, kein klassischer Frontdesk
- Geplant: Smartphone als Zimmerschlüssel
- Operations Manager vor Ort: Manuel Dosz
- Gründer: Marco Nussbaum (Mitgründer Prizeotel, IHA-Vorstand)
Das Bergedorfer Haus ist der erste Test für dieses Modell. Nussbaum war die Immobilie nicht unbekannt – die Rahmenbedingungen und die Gespräche mit der Eigentümergesellschaft haben letztlich den Ausschlag gegeben. Operations Manager Manuel Dosz kennt das Gebäude schon seit seiner Fertigstellung, was den Start erleichtert haben dürfte.
Ein Hotelkonzept beweist sich nicht über Claims, sondern über den Alltag.
– Marco Nussbaum, Gründer Hiamo Hotels
Warum Bergedorf? Die Logik hinter dem Sekundärstandort
Hamburg-Bergedorf ist kein klassischer Hotelstandort – und genau das ist der Punkt. Nussbaum hat den Hamburger Osten bewusst gewählt. Die S-Bahn bringt Gäste in rund 25 Minuten an den Hauptbahnhof, die Messe Hamburg ist gut erreichbar. Drumherum: eine stabile mittelständische Wirtschaftsstruktur mit entsprechendem Geschäftsreise-Volumen. Die Kosten liegen weit unter Innenstadtniveau.
Das Konzept richtet sich bewusst an beide Reisenden-Typen: Geschäftsreisende, die nah an mittelständischen Unternehmen im Hamburger Osten unterwegs sind, und Freizeitreisende, die Hamburg günstig als Basis nutzen wollen.
Was Hiamo von anderen Budget-Konzepten unterscheidet
Das 3-Sterne-Segment ist voll. Ibis, B&B Hotels, Motel One, Premier Inn – jede Kette hat hier ihre Position. Was macht Hiamo anders?
Hiamo vs. klassische Budget-Hotellerie
Hiamo-Ansatz
- Conversion statt Neubau: niedrigere Einstiegsinvestition
- Kein Frontdesk: schlanker Personaleinsatz
- Self-Check-in + Smartphone-Key in Planung
- Expliziter Fokus auf Teamkultur und persönlichen Kontakt
- Sekundärstandorte mit Kostenvorteil
- Operations Manager kennt das Haus seit Fertigstellung
Offene Fragen
- Markenbekanntheit bei null – Prizeotel brauchte Jahre
- Bergedorf als Teststandort: begrenzte Sichtbarkeit
- Self-Check-in funktioniert nur, wenn Technik stabil läuft
- Skalierung auf weitere Standorte noch nicht kommuniziert
Der entscheidende Unterschied liegt im Gründer-Ansatz. Nussbaum hat mit Prizeotel bereits bewiesen, dass sich Budget-Hotellerie mit Designanspruch und Unternehmenskultur kombinieren lässt. Bei Hiamo kommt der Conversion-Gedanke dazu: keine jahrelangen Bauprojekte, sondern schnelle Repositionierung von Bestandsimmobilien.
Was das für die Branche bedeutet
Das Timing ist interessant. Der Hotelmarkt kämpft mit steigenden Betriebskosten, knappem Personal und wachsendem Druck auf die Marge. Viele Eigentümer sitzen auf Immobilien, die unter ihrer alten Marke nicht mehr funktionieren. Hiamo adressiert genau diese Lücke.
- Eigentümer behalten Immobilie, bekommen operativ erfahrenen Betreiber
- Hiamo übernimmt ohne kapitalintensiven Neubau
- Schlankes Produkt reduziert Personalkosten strukturell
- Digitale Prozesse schaffen Spielraum für echten Gästekontakt
- Sekundärstandorte sichern attraktivere Kostenstrukturen
Ob das Modell trägt, zeigt sich jetzt im Alltag – Nussbaum selbst hat das so formuliert. Hamburg-Bergedorf ist der erste Praxistest. Weitere Standorte hat Hiamo noch nicht kommuniziert, aber das Conversion-Konzept ist offensichtlich auf Skalierung ausgelegt. Wer Bestandsimmobilien besitzt und einen Betreiber sucht, dürfte die Entwicklung aufmerksam verfolgen.

