Michael Ludwig
Michael Ludwig
Director HR und Recht
DSR Hotel Holding GmbH
Michael Ludwig verantwortet als Director HR und Recht bei der DSR Hotel Holding die Personal- und Rechtsthemen der Hamburger Gruppe und sitzt im Beirat des Hotelverbands Deutschland (IHA).
Bezug zum ThemaMit der Travel-Charme-Integration ist DSR auf rund 2.700 Mitarbeitende und 33 Häuser angewachsen. Michael Ludwig steuert HR und Recht in einer in der Branche seltenen Personalunion.
Das Wichtigste in Kürze

DSR Hotel HoldingHotellerie

Michael, du verantwortest HR und Recht in Personalunion — eine Konstellation, die in vielen Hotelgruppen getrennt aufgehängt ist. Was bringt dir der direkte Zugriff auf beide Welten in der Praxis, und wo wird's eng zwischen den beiden Hüten?

In erster Linie schadet es ja nicht, wenn man als Jurist auch den HR-Bereich mitverantwortet. Einerseits ist es gut, die rechtlichen Spielregeln des Miteinander in der Arbeitswelt zu kennen und ebenso auch kein Nachteil, ein angemessenes Gefühl für einen gerechten Ausgleich von Interessen zu haben.

DSR ist seit der Übernahme von Travel Charme 2024 auf 33 Hotels und rund 1.800 Mitarbeitende gewachsen. Was war im ersten Jahr nach Closing die größte HR-Baustelle — Verträge, Kultur oder etwas, womit du selbst nicht gerechnet hast?

Zunächst sollten wir richtig rechnen: Die Zahl unserer Mitarbeitenden ist mit den Hotels und drei zentralen Standorten auf mittlerweile fast 2.700 Mitarbeitende angewachsen. Zum Glück war es ja ein sehr strukturierter Integrationsprozess. Insofern war die Anzahl der Baustellen, jedenfalls in meinem Bereich, sehr überschaubar. Aber ja, Themen wie die Synchronisierung der Prozesse, das Re-Branding der Hotels und insgesamt die Schaffung einer „gemeinsamen" Welt hatten schon ihre Herausforderungen.

Eure Marken reichen vom Familien-Resort aja über Travel Charme und HENRI bis zum Fünf-Sterne Louis C. Jacob. Wie rekrutiert ihr für so unterschiedliche Welten, ohne in zentralisierte Schablonen zu verfallen?

Ohne die Vorgabe eines einheitlichen digitalen Prozesses wird es nicht funktionieren. Dafür haben wir insgesamt – zum Glück – eine viel zu große Anzahl von Bewerbern. Da wir jede Bewerbung sehr wertschätzen, muss sichergestellt sein, dass den Bewerbenden schnell die erforderlichen Informationen über den Fortgang des Prozesses übermittelt werden. Hier müssen wir schnell und unkompliziert sein. Dennoch bleibt die Möglichkeit für hotelspezifische Freiräume.

Im September habt ihr die Bildungskooperation mit der Deutschen Hotelakademie verkündet. Was bekommen eure Mitarbeitenden ab jetzt, was sie vorher nicht hatten — und woran wirst du in zwei Jahren messen, ob sich das gelohnt hat?

Die Bildungskooperation mit der Deutschen Hotelakademie eröffnet unseren Mitarbeitenden neue Weiterbildungs- und damit auch Karrieremöglichkeiten. Für die betreffenden Mitarbeitenden wird sich das sicher sofort lohnen und für uns jetzt auch schon. Schließlich haben wir ein großes Interesse daran, unseren Mitarbeitenden diese Möglichkeit zu eröffnen. Ich hoffe, dies wird gut angenommen. Denn bereits jetzt wollen wir damit unsere Kolleginnen und Kollegen für einen weiteren Karriereweg in unserer Unternehmensgruppe begeistern.

Standorte wie Bansin, Heiligendamm oder Sylt sind betrieblich Goldwert, aber rekrutierungstechnisch eine Herausforderung. Welche Hebel funktionieren wirklich, um Fachkräfte in die Resort-Lagen zu bekommen — und welche werden in der Branche überschätzt?

Das Thema Housing ist eine zentrale Frage die geklärt werden muss, wenn man Leisure-Hotels an diesen Standorten betreibt. Und: Gerade auch in diesen Standorten kommt es auf ein gutes Team-Building an. Der monetäre Aspekt ist m. E. nicht der entscheidende.

Du hast dich öffentlich zum Image der Hotellerie geäußert. Wenn du heute ehrlich auf die Wahrnehmung des Berufsbildes schaust: Wo hat sich seit Corona wirklich etwas verschoben — und wo erzählen wir uns als Branche immer noch was vor?

Ich stehe nach wie vor zu meinen Aussagen. Die Hotellerie ist, bei allen Herausforderungen, eine wahnsinnig interessante Branche. Was gibt es schöneres, als Gästen eine gute Zeit in unseren Destinationen zu bescheren. Und bei allem Idealismus: Seit Corona hat sich ja auch im Umgang mit Mitarbeitenden von Seiten der Unternehmen sehr viel getan. Die Wertschätzung ist noch einmal deutlich gestiegen. Ebenso die Vergütung, wenn man auf die letzten Tarifanpassungen schaut. Die Arbeitswelt hat sich modernisiert und auch die Digitalisierung und die Automatisierung wird Kolleginnen und Kollegen von redundanten Arbeitsprozessen befreien und mehr Zeit freisetzen, die unseren Gästen gewidmet werden kann.

Internationale Rekrutierung wird für viele Hotelgruppen zur Pflicht. Wo siehst du als Jurist die größten regulatorischen Bremsen — und wo könnte die Politik wirklich Tempo machen, statt nur darüber zu reden?

Auch wir beteiligen uns natürlich an der internationalen Rekrutierung, sind aber aktuell nicht in dem Maße darauf angewiesen. Von der Politik erwarten wir in diesem Zusammenhang Regularien, welche einen schnelleren Zuzug von Interessierten und deren Integration in den Arbeitsprozess ermöglichen.

Wie hoch ist eure Fluktuation aktuell, und welche Hebel zeigen bei euch messbar die größte Wirkung auf Mitarbeiterbindung — Geld, Dienstplan, Führung oder etwas Viertes?

Fluktuationsthemen sind bei uns überschaubar und standortspezifisch zu betrachten. Unser Interesse besteht hauptsächlich darin, unseren Mitarbeitenden in unserer Unternehmensgruppe die vielfältigen Möglichkeiten aufzuzeigen, um etwaige Fluktuationstendenzen in die Gruppe zu leiten. Wir haben Leisure-Produkte an der Küste, in den Bergen, genauso aber auch urbane Standorte. Diese Heterogenität müssen wir ausspielen. Denn diese bietet eine immense Zahl von Entwicklungsmöglichkeiten für unsere Mitarbeitenden. Nicht zu schweigen von den Möglichkeiten, welche sich auch über unseren Gesellschafter, die DERTOUR ergeben. Dies sollte der größte Hebel der Mitarbeiterbindung sein.

KI hält Einzug ins Recruiting — von Bewerbungs-Screening bis automatisierten Interviews. Was setzt ihr bei DSR konkret ein, und wo ziehst du als Director Recht eine Linie, die nicht überschritten wird?

KI ist auch aus der HR-Arbeit nicht wegzudenken. Aber KI wird keinen Team-Spirit generieren, wird den empathischen Umgang mit Gästen vor Ort nicht oder nur sehr begrenzt ersetzen können.

Ausbildung war in der Hotellerie jahrzehntelang das Rückgrat — heute kämpfen viele Häuser, ihre Plätze überhaupt zu besetzen. Wie viele Azubis bildet ihr aktuell aus, und welches Ausbildungsformat hat bei euch in den letzten zwei Jahren am stärksten zugelegt?

Aktuell bilden wir ca. 216 Auszubildende aus. Die bei uns hauptsächlich gewählten Ausbildungsberufe sind Hotelfachmann/Hotelfachfrau sowie Köche. Aktuell gewinnen wir Auszubildende auch aus anderen Ländern, insbesondere auch aus Vietnam.

Du sitzt im Beirat des Hotelverbands Deutschland (IHA). Welches Thema müsste 2026 ganz oben auf der politischen Agenda der Branche stehen — und welches sollten wir endlich loslassen?

Flexibilisierung der Arbeitszeiten in der Branche wäre doch schon einmal ein guter Anfang…

Wenn du dem Michael Ludwig von vor zehn Jahren einen Karriere-Tipp mit auf den Weg geben dürftest — was wäre das, und welche Entscheidung würdest du heute anders treffen?

Abgesehen von einzelnen Entscheidungen im Tagesgeschäft, würde ich die großen Entscheidungen meines Berufsweges genau so wieder treffen. Ich bin sehr zufrieden mit meinem abwechslungsreichen Berufsleben und habe das Gefühl jetzt zur richtigen Zeit am richtigen Platz zu sein. Ich habe spannende Aufgaben und ein tolles Team! Insofern: Bisher alles richtig gemacht.

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