Die Pierdrei-Betreiber aus Hamburg – darunter die Miniatur-Wunderland-Gründer und Hotelier Kai Hollmann – bauen gemeinsam mit der Denkmalstadt GmbH ein 152-Zimmer-Boutiquehotel auf der nördlichen Wallhalbinsel in Lübeck. Baubeginn ist Ende 2026 oder Anfang 2027, die Eröffnung für Spätsommer 2028 geplant. Das Gebäude entsteht als Holzhybridbau nach Entwürfen des Berliner Architekturbüros Sauerbruchhutton.
Das Konzept: Pier drei – jetzt an der Trave
Das Hamburger Hotel Pierdrei in der HafenCity gilt als eines der markantesten Designhotels Norddeutschlands. Hinter dem Betrieb stehen die Gründer des Miniatur Wunderlands, der Gründer des Schmidts Tivoli sowie Hotelier Kai Hollmann – eine Kombination, die dem Haus seinen unverwechselbaren Charakter gibt: gastfreundlich, familientauglich, mit öffentlichen Bereichen, die auch Nicht-Gäste nutzen.
Dieses Konzept kommt jetzt nach Lübeck. Auf der nördlichen Wallhalbinsel – zwischen Drehbrücke und Media Docks, direkt am Wasser – entsteht bis 2028 ein Hotel, das sich konzeptionell eng am Hamburger Vorbild orientiert. 152 Zimmer, Familienzimmer in verschiedenen Ausstattungen, zwei Captain's Suiten und die aus Hamburg bekannten „Racker Rooms“: speziell gestaltete Zimmer für Kinder.
Mehr als Hotel: Treffpunkt für die Stadt
Was das Hamburger Pierdrei von klassischen Stadthotels unterscheidet: Die öffentlichen Bereiche sind echte Anlaufpunkte – kein Lobby-Alibi. Diesen Ansatz übertragen die Betreiber auf Lübeck. Geplant sind eine Daybar, Gastronomie und eine Bäckerei, die auch für Lübecker offen stehen. Die Wasserlage der Wallhalbinsel soll aktiv bespielt werden.
Besonders interessant: Ein historisches Waagenhäuschen auf dem Gelände soll einbezogen werden, dazu umgestaltete Eisenbahnwaggons. Beides verankert das Hotel im industriellen Gedächtnis des Standorts – ein Ansatz, den die Denkmalstadt GmbH bereits beim John & Will Silo-Hotel in Bremen verfolgt hat, wo Zimmer in die runden Röhren eines ehemaligen Kellogg's-Getreidesilos integriert wurden.
Wir entwickeln in Lübeck einen Ort, der in allen Belangen zukunftsgerichtet und auf den Standort zugeschnitten ist: Konstruktion, Architektur, Konzeption. Pierdrei ist für ein solches Projekt der ideale Partner.
– Luis Hornung, Geschäftsführer der Denkmalstadt GmbH
Holzhybridbau: Was das konkret bedeutet
Das Berliner Architekturbüro Sauerbruchhutton zeichnet für den Entwurf verantwortlich. Das Büro ist bekannt für ökologisch durchdachte Projekte – unter anderem das GSW-Hochhaus in Berlin und das Umweltbundesamt in Dessau.
Beim Lübecker Pierdrei-Hotel soll lediglich das Erdgeschoss in Beton ausgeführt werden, dazu das Treppenhaus. Der Rest des Gebäudes besteht aus vorgefertigten Holzmodulen. Das hat mehrere Vorteile:
- Kürzere Bauzeit durch werkseitige Vorfertigung der Module
- Weniger Baulärm und Lieferverkehr auf der Baustelle
- Deutlich reduzierter CO₂-Ausstoß im Vergleich zu konventionellem Massivbau
- Holz als nachwachsender Rohstoff bindet während des Wachstums CO₂
Die Denkmalstadt GmbH entwickelt eines der größten Stadtentwicklungsprojekte Europas: das Quartier Überseeinsel auf dem ehemaligen Kellogg-Areal in Bremen, direkt an der Weser. Schwerpunkt ist die Revitalisierung bestehender Industriebauten mit Fokus auf neue Mobilität und innovative Energieversorgung. Im Hotelbereich hat die GmbH 2023 das John & Will Silo-Hotel in Bremen eröffnet – Zimmer in einem ehemaligen Getreidesilo.
Lübeck als Hotelstandort: Was das Projekt einordnet
Lübeck zieht jährlich rund drei Millionen Übernachtungsgäste an – die Altstadt gehört seit 1987 zum UNESCO-Weltkulturerbe. Dennoch ist das gehobene Boutiquehotel-Segment in der Stadt bisher überschaubar. Das Pierdrei-Projekt füllt eine Lücke: designbewusst, familienfreundlich, mit urbanem Anspruch an den Außenbereich.
Die Lage auf der nördlichen Wallhalbinsel ist dabei kein Zufall. Das Areal liegt direkt zwischen der historischen Altstadt und dem Wasser – gut erreichbar, städtebaulich exponiert und bisher wenig entwickelt. Dass dort ein Holzhybridbau mit öffentlichen Erdgeschossflächen entsteht, passt zur aktuellen Debatte über Nachverdichtung ohne Versiegelung.


